Sitzen wir bald auf dem Trockenen?
01.09.2026 BaselbietHitzesommer bringt kantonale Wasserversorgung an ihre Grenzen
Die Trockenheit legt die Schwächen der Wasserversorgung im Oberbaselbiet offen. Fehlende Verbundleitungen und politische Widerstände erschweren die Versorgung. Nun könnte die Gemeindeautonomie beim Trinkwasser ...
Hitzesommer bringt kantonale Wasserversorgung an ihre Grenzen
Die Trockenheit legt die Schwächen der Wasserversorgung im Oberbaselbiet offen. Fehlende Verbundleitungen und politische Widerstände erschweren die Versorgung. Nun könnte die Gemeindeautonomie beim Trinkwasser ins Wanken geraten.
Jo Krebs
Die Situation im Baselbiet zeigt derzeit ein zweigeteiltes Bild. Während in einigen Gemeinden im oberen Kantonsteil Notabfischungen in ausgetrockneten Bächen erfolgen und zum Wassersparen aufgerufen wird, bleibt die Lage im Unterbaselbiet entspannt. Andrea Tschopp, Mediensprecherin und Leiterin Kommunikation der kantonalen Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), liefert Erklärungen, die über die reine Wettersituation hinausgehen.
Es sei «kein Zufall, dass insbesondere das obere Baselbiet betroffen ist», hält Tschopp in einer schriftlichen Stellungnahme fest. Die geologischen Voraussetzungen im Faltenjura spielen hierbei eine massgebende Rolle. «Die Wasserressourcen sind hier limitiert beziehungsweise nehmen bei Trockenheit wegen mangelnder Speicherfähigkeit der Grundwasserleiter schneller ab als im unteren Kantonsteil», erklärt Tschopp. Hinzu kommt die erschwerende Situation, dass die tiefsten Grundwasserstände und Quellschüttungen erfahrungsgemäss erst im Herbst auftreten. Obwohl der Spitzenbedarf in den Gemeinden durch Sparaufrufe gesenkt werden konnte, warnt Tschopp, dass «alle Anlagen bereits auf Volllast laufen».
Angst vor dem Autonomieverlust
Zwar gibt es gemäss den Zahlen des Kantons 17 Gemeinden, die sich im Normalfall ausschliesslich aus Quellwasser versorgen und nicht auf Grundwasser zurückgreifen können. Vier davon – Reigoldswil, Lauwil, Bretzwil und Roggenburg – müssen sogar ausschliesslich mit den eigenen Quellen auskommen. Doch der dringend nötige Ausbau von Verbundnetzen harzt seit Jahren.
Auf die Frage, woran überregionale Leitungen konkret scheitern, wird Tschopp deutlich: «In der Regel am politischen Willen von Behörden oder der Bevölkerung. Dieser ist oft gekoppelt mit der Angst vor steigenden Wasserpreisen oder Autonomieverlust.» Die emotionale Bindung insbesondere ländlicher Gemeinden an die lokale Wasserversorgung stellt im Krisenfall ein Hindernis für die regionale Vernetzung dar. «Regionalisierungsprojekte haben bei Gemeindeversammlungen oft einen schweren Stand», so Tschopp.
Die kantonale Strategie sieht vor, dass im Notfall bei Dürresituationen aus dem Rhein angereichertes Grundwasser in die betroffenen Oberbaselbieter Täler gepumpt werden kann. Doch diese Wassertransporte stossen an Grenzen. Zwischen der Hardwasser AG und den Ergolztaler Gemeinden bestehen zwar bereits Verbindungen talaufwärts bis nach Itingen. Die Fortsetzung von Itingen nach Sissach fehlt jedoch. Hier liegt derzeit eine Machbarkeitsstudie vor.
Zudem räumt Tschopp strukturelle Defizite ein. Die vorhandenen Leitungen seien primär «als Notverbindungen konzipiert und meistens nicht redundant». Für regelmässige, grossvolumige Wasserlieferungen sind sie zu wenig leistungsfähig. Auch die kommunalen Verteilnetze selbst müssen laut der BUD vielerorts erst ausgebaut werden.
Ist die akute Wasserknappheit also das Resultat verschleppter politischer Hausaufgaben? Andrea Tschopp ordnet ein: «Die aktuelle Situation ist keine Notlage für die Wasserversorgungen. Die Infrastruktur wird kontinuierlich an den Klimawandel angepasst.» Sie weist aber darauf hin, dass «die Anpassung teuer ist und wir mit dem rascheren Klimawandel und der Erfahrung des Sommers 2026 insgesamt etwas hinterherhinken».
Die Extremereignisse dieses Jahres dürften den Ausbau der Infrastruktur nun beschleunigen. Zwar sollen die lokalen Quellen ein wichtiges Standbein bleiben, doch die Krise rüttelt an der bisherigen Praxis. «Bei der Wasserversorgung, insbesondere im Oberbaselbiet, wird man langfristig nicht darum herumkommen, die bisherige Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden zu hinterfragen», hält Tschopp fest. Möglicherweise müsse gar geprüft werden, «ob dem Kanton gewisse Kompetenzen bezüglich der regionalen Vernetzung und Wasserverteilung einzuräumenwären». Die aktuelle Lage zeigt, dass für die absolute Gemeindeautonomie beim Trinkwasser in Zeiten regelmässiger Trockenheit der Preis zu hoch werden könnte.
Zwei Wasser-Welten im Kanton
jkr. Die Wasserversorgung im Kanton Baselland präsentiert sich geografisch zweigeteilt. Das Unterbaselbiet (Birstal, Leimental und Rheintal) profitiert von grossen Grundwasserströmen entlang von Rhein und Birs. Dank Grossversorgern wie der Hardwasser AG und der Vernetzung mit den IWB herrscht dort eine hohe Pufferkapzität, womit die Versorgungslage entspannt bleibt. Das Oberbaselbiet im Faltenjura ist im Gegensatz dazu stark von kleineren Quellen sowie Karstgrundwasservorkommen abhängig. Da diese Gesteinsschichten das Wasser kaum speichern, gehen die Quellschüttungen bei anhaltender Trockenheit rasch zurück. Dies führt bei den oft dezentralen Versorgern im oberen Kantonsteil während der aktuell Trockenheit zu einer kritischen Auslastung der Netze, weshalb der Verbrauch durch Sparappelle und Bussenandrohungen gedrosselt werden muss.

