«Sinken die Grenzwerte, haben einzelne Gemeinden ein Problem»
23.01.2026 BaselbietKantonschemiker Peter Brodmann erklärt, woher die «Ewign erklärt, woher die «Ewigkeitschemikalien» PFAS im Wasser stammen und welche Folgen strengere Vorschriften hätten
PFAS gelten als kaum abbaubar und stehen im Verdacht, Mensch und Umwelt langfristig zu ...
Kantonschemiker Peter Brodmann erklärt, woher die «Ewign erklärt, woher die «Ewigkeitschemikalien» PFAS im Wasser stammen und welche Folgen strengere Vorschriften hätten
PFAS gelten als kaum abbaubar und stehen im Verdacht, Mensch und Umwelt langfristig zu schaden. Im Baselbiet sind sie nachweisbar, auch im Trinkwasser. Kantonschemiker Peter Brodmann erklärt, wo die Belastungen herkommen, welche Gemeinden besonders betroffen sind – und weshalb aus seiner Sicht derzeit keine akute Gesundheitsgefahr besteht.
David Thommen
Herr Brodmann, seit einiger Zeit prasseln Schlagzeilen über Schadstoffe im Trinkwasser und in unseren Bächen und Flüssen auf uns ein. Ganz grundsätzlich: Wie gut und gesund ist unser Wasser heute noch im Kanton Baselland?
Peter Brodmann: Als Kantonschemiker kann ich vor allem Aussagen zum Trinkwasser machen. Und hier darf ich sagen: Ich trinke das Trinkwasser aus allen 86 Baselbieter Gemeinden bedenkenlos.
Tatsächlich? Finden sich nicht in einigen Gemeinden hohe Belastungen mit PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), den sogenannten «Ewigkeitschemikalien»?
Es gibt Unterschiede zwischen den Gemeinden, auch bezüglich einzelner PFAS-Verbindungen. In gewissen Gemeinden finden sich bestimmte Substanzen, die andernorts nicht vorkommen. Aber: Alle untersuchten Proben liegen deutlich unter den gesetzlichen Höchstwerten.
Haben die PFAS-Belastungen tatsächlich zugenommen – oder messen wir heute einfach genauer?
Eine interessante Frage. Die Analytik ist sicher besser geworden, doch das ist nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend ist vielmehr, wonach man sucht und wie gefährlich man einzelne Stoffe einstuft. Erst wenn man ein Problem erkennt – zum Beispiel eine Häufung von Krebserkrankungen im Umfeld einer Produktionsstätte –, beginnt man gezielt, nach möglichen Ursachen zu fahnden. So war es auch bei den PFAS. Vor etwa drei Jahrzehnten stellte man bei einem US-Unternehmen, das unter anderem die bekannten Post-it-Zettel herstellt, fest, dass eine bestimmte PFAS-Verbindung vermutlich für solche Erkrankungen verantwortlich war. Erst danach begann die intensive toxikologische Forschung. Seither prüft man weltweit, wo diese Stoffe vorkommen, verbessert die Analysemethoden und sammelt immer mehr Daten.
Der Ursprung der PFAS-Problematik liegt also nicht zuletzt bei den Post-it-Zetteln, die sich in fast jedem Büro finden?
Nein. Dieser US-Chemiekonzern stellte in dieser Fabrik PFAS-haltige chemische Grundstoffe und Imprägniermittel her. PFAS kamen und kommen in unzähligen Produkten zum Einsatz.
Wir haben also alle PFAS bei uns im Haushalt?
Ja. Bekannte Beispiele sind Imprägniersprays oder früher auch Skiwachs. Allerdings muss man differenzieren: Es gibt mehrere Tausend PFAS-Verbindungen, nicht alle sind gleichermassen problematisch. Die PFAS-Verbindungen, die heute toxikologisch als problematisch beurteilt werden, werden oft beispielsweise in Brandschutzschäumen oder auch in der Papier- und Metallindustrie eingesetzt, also überall dort, wo etwas nicht haften oder besonders gut gleiten soll. Entsprechend hohe Konzentrationen finden sich häufig in den Abwässern solcher Betriebe oder lokal nach grösseren Bränden, da Löschschäume lange Zeit hohe PFAS-Gehalte aufwiesen.
Sie sagen, das Trinkwasser sei im Baselbiet überall bedenkenlos.
Trotzdem gibt es Unterschiede.
Wo sind die Belastungen höher – und warum?
Das hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab. Ein klassisches Beispiel sind frühere Brandübungsplätze. In Laufen etwa, im Gebiet «Aegerten», wurden früher solche Übungen durchgeführt. Dort fand man später hohe PFAS-Belastungen im Boden, in der Folge in der Birs, im Grundwasser und damit auch im Trinkwasser von Laufen und umliegenden Gemeinden.
Ist Laufen ein Einzelfall?
Nein. Höhere Belastungen finden sich vor allem entlang der grösseren Flussläufe wie der Birs oder im unteren Ergolztal. Bevölkerungsreiche Gemeinden mit Industrie oder grossen Kläranlagen sind tendenziell stärker betroffen.
Ist das Oberbaselbiet diesbezüglich noch eine «heile Welt»?
Zumindest eine heilere (lacht). Die Messdaten sind öffentlich zugänglich, wir haben sie 2022 publiziert. Im Oberbaselbiet finden wir ab Lausen aufwärts generell tiefe PFAS-Konzentrationen. Auffällige Sanierungsfälle in Bezug auf das Trinkwasser sind uns dort nicht bekannt.
Kurzum: PFAS gibt es zwar im Trinkwasser, stellen im ganzen Kanton aber kein gravierendes Problem dar?
Sagen wir es so: Alle Gemeinden halten die aktuell gültigen Höchstwerte ein. Doch ganz so einfach ist es leider nicht: Absehbar wird in der Schweiz wie in der EU ein Summenhöchstwert für 20 verschiedene PFAS eingeführt. Dieser Wert wird derzeit zwar eingehalten, doch zum Beispiel Deutschland hat die Grenzwerte mittlerweile bereits verschärft und führt einen Summenwert für vier besonders toxikologisch relevante – und inzwischen verbotene – PFAS ein. Sollte die Schweiz nachziehen, sähe die Situation weniger positiv aus: Dann hätten wir vermutlich eine Handvoll Gemeinden, in denen der Grenzwert überschritten würde.
Konkret?
Die betroffenen Wasserversorgungen müssten wohl zusätzliche Massnahmen ergreifen und das Trinkwasser stärker aufarbeiten. Dänemark hat mittlerweile sogar deutlich tiefere Grenzwerte als Deutschland eingeführt. Würde die Schweiz diesen Wert übernehmen, hätte vermutlich rund ein Viertel aller Baselbieter Gemeinden ein Problem.
Werden diese strengeren Grenzwerte auch in der Schweiz kommen?
Das ist auch eine politische Diskussion. Längerfristig wird die Schweiz kaum darum herumkommen, mindestens die EU-Grenzwerte zu übernehmen und mitzuziehen. Andernfalls dürften in der Schweiz produzierte Lebensmittel nicht mehr in den EU-Raum exportiert werden.
Welche Massnahmen müssten ergriffen werden, um die aktuelle Belastung des Trinkwassers zu senken?
In der Regel braucht es eine zusätzliche Aufbereitungsstufe in der Trinkwasserherstellung, etwa mit Aktivkohle, oft kombiniert mit Ultrafiltration. Das ist technisch machbar, aber teurer und führt zu höheren Wasserkosten.
Wäre es nicht sinnvoller, den PFAS-Eintrag durch Sanierungen der Verursacherquellen sofort zu stoppen, statt das Wasser teuer aufzubereiten?
Natürlich. Aber längst nicht alle Quellen sind bekannt. Zudem bauen sich PFAS – es handelt sich um mehrere Tausend Substanzen in dieser Stoffgruppe – extrem langsam ab; wir sprechen von Hunderten von Jahren. Und dort, wo Quellen bekannt sind, sind Sanierungen extrem teuer. Die Sanierung eines einzelnen Brand- oder Brandübungsplatzes kann rasch zweistellige Millionenbeträge kosten. Das ist letztlich eine Frage der Güterabwägung.
Mit der PFAS-Belastung werden wir uns also arrangieren müssen?
In menschlichen Zeitdimensionen: ja. Die Werte gehen mit den Verboten zwar zurück, doch Sie und ich werden das vollständige Verschwinden dieser Belastung nicht mehr erleben.
Als Kantonschemiker sind Sie quasi der Anwalt für unbedenkliches Trinkwasser. Soll die Schweiz, respektive sollen die Gemeinden tatsächlich einfach warten, bis die EU uns tiefere Grenzwerte diktiert?
Mein Amt informiert die Gemeinden frühzeitig, wenn sich abzeichnet, dass sich Rahmenbedingungen ändern könnten. Die Gemeinden müssen sich vorbereiten können, denn Anpassungen in der Wasserversorgung lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Die Entscheide liegen letztlich bei den Gemeinden. Massnahmen dürfen wir erst dann verfügen, wenn geltende Grenzwerte nicht eingehalten werden.
Wir haben bisher nur vom Trinkwasser gesprochen, doch auch die Bäche sind belastet. Ihre Empfehlung lautet, dass Fische aus unseren Gewässern wegen PFAS nur noch sehr sparsam verzehrt werden sollen. Bachwasser kann man nicht mit Aktivkohle behandeln …
Bei den Fischen sprechen wir vor allem von der Belastung mit PFOS (Perfluoroktansulfonsäure), ebenfalls einer synthetischen Chemikalie aus der Gruppe der PFAS. PFOS, die ebenfalls in Brandlöschschäumen Verwendung fanden, sind mittlerweile verboten. Entsprechend werden die Werte langfristig sinken. Aber das braucht Zeit.
Ein spezieller Fall ist die Trifluoressigsäure (TFA), die ebenfalls zur PFAS-Gruppe gezählt wird. Bekannt ist, dass der Pharmazulieferer Bachem TFA in die Kläranlage eingeleitet hat, was zu einer starken Belastung des Bach- und des Grundwassers führte.
Wie sieht es damit aus?
TFA ist das kleinste der PFAS-Moleküle. Dafür gibt es derzeit keinen gesetzlichen Höchstwert, sondern lediglich Richtwerte. Beunruhigend war: Unsere Messungen zeigten, dass Gemeinden im unteren Ergolztal – etwa Füllinsdorf, Frenkendorf, Pratteln, Augst oder Giebenach – schweizweit mit Abstand die höchsten TFA-Werte aufwiesen. Die Belastung war mindestens zehnmal höher als anderswo in der Schweiz. Ich war erschrocken, als ich diese Werte erstmals gesehen habe, auch wenn die heute geltenden Richtwerte nicht erreicht wurden. Es haben also noch nicht ganz alle Alarmglocken geläutet, aber klar ist: Wir wollen möglichst keine solchen Chemikalien im Wasser haben.
Es gibt für TFA erst Richt-, aber keine Höchstwerte.
Ist TFA trotzdem toxisch?
Nach heutigem Kenntnisstand nicht eindeutig. Es gibt jedoch neue Hinweise auf eine mögliche Genotoxizität, also auf eine Schädigung des Erbguts, was langfristig Krebs verursachen könnte. TFA ist möglicherweise also nicht ganz unproblematisch. Die EU führt derzeit entsprechende Abklärungen durch. Ich gehe davon aus, dass es irgendwann einen Höchstwert in der EU geben wird – später auch in der Schweiz.
Machen Ihnen die TFA also Bauchweh?
Ja, weil die TFA-Konzentrationen deutlich höher sind als bei allen anderen PFAS. Nachdem die Messwerte vorlagen, hat sich das kantonale Amt für Umweltschutz und Energie auf die Suche nach der Ursache gemacht und festgestellt, dass der Stoff aus der Kläranlage in Bubendorf stammt. Die Bachem als Verursacherin war rasch identifiziert. Das Unternehmen hat sofort reagiert, und die Massnahmen zeigen Wirkung: Die Werte sind inner
halb kurzer Zeit um rund das Fünffache gesunken. Das ist eine Erfolgsgeschichte und macht Hoffnung. Da Trifluoressigsäure sehr mobil und gut wasserlöslich ist, sinken die Konzentrationen lokal relativ rasch. Problematisch ist allerdings, dass sich der extrem langlebige Stoff auch leicht in der Luft verteilt und über den Regen wieder überall eingetragen wird. Das bereitet uns Sorgen, zumal man TFA selbst mit modernster Wasseraufbereitung kaum herausfiltern kann.
Auch nicht mit Aktivkohle?
Leider nein. Selbst die modernste Wasseraufbereitungsanlage im Kanton, jene in Muttenz, ist hier chancenlos. Um TFA aus dem Trinkwasser zu entfernen, müsste man nach heutigem Stand der Technik Umkehrosmose einsetzen. Das wäre extrem energieintensiv und teuer, und mindestens 20 bis 30 Prozent des Wassers würden als belasteter Abfall zurückbleiben. Dieses Wasser müsste idealerweise verbrannt werden. Sinnvoll erscheint das nicht …
Eine Studie hat kürzlich gezeigt, dass sich die Belastung der Schweizer Gewässer mit TFA in den vergangenen 25 Jahren vervier- bis versechsfacht hat. TFA ist also kein rein lokales Bachem-Problem …
TFA entsteht beispielsweise als Abspaltprodukt von Pestiziden und vor allem von modernen Kältemitteln. Diese Gase werden seit den 1990er-Jahren eingesetzt, nachdem man die Hydrofluorkohlenwasserstoffe (HFKW) und die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) als klimaschädlich und als Mitverursacher des Ozonlochs verbannt hatte. Heute zeigt sich, dass diese alternativen Kühlmittel leider keineswegs unproblematisch sind.
Man hat also sozusagen den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben?
Gewissermassen ja. Hier braucht es neue technologische Lösungen. Heute wissen wir, wie heikel es ist, derart langlebige Stoffe in die Umwelt einzubringen.
Gehören all die Stoffe verboten?
Das ist stark politisch: Sind wir bereit, auf gewisse Dinge zu verzichten, oder sind wir bereit, für umweltfreundlicher hergestellte Produkte deutlich mehr zu bezahlen? Hier muss man auch pragmatisch bleiben.
Also weiterhin Lebensmittel kühlen, auch wenn dabei Ewigkeitschemikalien entstehen?
Als Kantonschemiker bestehe ich von Amtes wegen darauf, dass Lebensmittel gut gekühlt sind. Die Kühlung von Lebensmitteln ist weltweit eine der wichtigsten Gesundheitsmassnahmen überhaupt, ihr Nutzen ist enorm. Gleichzeitig muss die Umweltbelastung reduziert werden. Das ist – bei entsprechender toxikologischer Beurteilung – technologisch zu lösen. Auf die Kühlung können wir nicht verzichten.
Nicht nur PFAS sind in den Schlagzeilen, sondern auch Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft. Der Bundesrat hat unlängst entschieden, den Wirkstoff Deltamethrin weiterhin nicht vollständig zu verbieten. Deltamethrin gilt für Wasserlebewesen als besonders schädlich …
Ich halte diesen Entscheid des Bundesrats für falsch. Deltamethrin ist ein Stoff, der nicht in die Umwelt gehört, da seine Toxizität eindeutig belegt ist. Ich habe Verständnis für die Landwirtschaft, die ohne diesen Wirkstoff Produktionsausfälle befürchtet. Gleichzeitig ist sein Einsatz schädlich für das Ökosystem. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Die Politik sollte mit klaren, nicht zu langen Übergangsfristen Druck ausüben, damit rasch neue Mittel erforscht werden. Ohne Druck passiert erfahrungsgemäss wenig.
Bekannt ist, dass Gemeinden wie Buus oder Niederdorf und Oberdorf ihre Wasseraufbereitungen erneuern. Auch auf Ihren Druck hin?
Wir stehen im engen Austausch mit den Gemeinden und weisen, wo nötig, darauf hin, dass Grenzwerte für einzelne Stoffe wie PFAS künftig möglicherweise gesenkt werden. Das bedeutet, dass in den Wasseraufbereitungen je nach aktueller PFAS-Belastung zusätzlich Raum eingeplant werden muss, um später eine zusätzliche Reinigungsstufe mit Aktivkohle installieren zu können.
Gilt das auch für das Oberbaselbiet, wo die PFAS-Belastung gering ist?
In der Regel nicht. Eine Aktivkohlestufe ist im Oberbaselbiet nur in Buus vorgesehen – nicht wegen PFAS, sondern wegen des mittlerweile verbotenen Pestizids Chlorothalonil, das dort im Wasser nachgewiesen wird. Aktivkohle wird diese Spuren entfernen.
Wir haben viel über chemische Belastungen gesprochen.
Wie steht es um die bakteriologische Belastung des Wassers – einst das grösste Risiko?
Für mich als Kantonschemiker ist das nach wie vor prioritär. Im Normalfall ist die mikrobiologische Belastung heute dank moderner Aufbereitung wie Ultrafiltration, UV oder Ozon weitgehend unter Kontrolle. Gerade im Oberbaselbiet mit seinen Karstgebieten kann es nach starken Regenfällen aber weiterhin zu Problemen kommen, zumal es einzelne Gemeinden gibt, deren Wasseraufbereitungen nicht auf dem neuesten Stand sind. In der Vergangenheit kam es dort vereinzelt zu Abkochgeboten nach Starkregen. Das sollte künftig nicht mehr vorkommen.
Sie sagten zu Beginn, Sie würden das Trinkwasser überall im Baselbiet bedenkenlos trinken. Halten Sie nach all den «Wenn und Aber» in diesem Interview daran fest?
Ja. Wären aus heutiger Sicht gesundheitliche Risiken vorhanden, müsste ich dies öffentlich kommunizieren und umgehend Massnahmen anordnen. Das ist nicht der Fall. Ich kann mich nicht auf bislang unbewiesene Hypothesen stützen oder Grenzwerte vorwegnehmen, die möglicherweise gar nie eingeführt werden.
Zur Person
tho. Peter Brodmann (61) ist seit gut sieben Jahren Baselbieter Kantonschemiker. Zuvor war er stellvertretender Kantonschemiker im Kanton Basel-Stadt. Aufgewachsen ist er in Rheinfelden. Er hat Molekularbiologie studiert und ist diplomierter Lebensmittelchemiker. Als Amtsleiter ist er verantwortlich für Kantonslabor, Umweltlabor und Veterinärdienst mit insgesamt 48 Mitarbeitenden (40 Vollzeitstellen).
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tho. Im Zusammenhang mit erhöhten Konzentrationen von Trifluoressigsäure (TFA) im Einzugsgebiet der Abwasserreinigungsanlage Bubendorf ist bekannt geworden, dass TFA-haltiges Abwasser der Firma Bachem in die Kläranlage gelangt ist. Die Belastungen wurden im Rahmen von Untersuchungen im Jahr 2024 festgestellt (die «Volksstimme» berichtete).
Strafrechtliche Folgen hat die Einleitung der Ewigkeitschemikalie für die Bachem nicht, wie die kantonale Bau- und Umweltschutzdirektion auf Anfrage mitteilt: «Das Amt für Umweltschutz und Energie AUE hat keine Strafanzeige gegen die Bachem eingereicht. Hintergrund ist, dass in der Altlasten-Verordnung und der Abfallverordnung bislang keine allgemeingültigen PFAS-Grenzwerte festgelegt sind.»
Ewigkeitschemikalien
vs. PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Dabei handelt es sich um eine grosse Gruppe von mehreren Tausend synthetisch hergestellten Chemikalien, die seit den 1950er-Jahren industriell genutzt werden. Charakteristisch für PFAS ist ihre ausserordentliche chemische Stabilität: Die Kohlenstoff-Fluor-Bindung gehört zu den stärksten Bindungen in der organischen Chemie. Dadurch sind PFAS hitzebeständig, wasserund fettabweisend – und extrem langlebig.
Eingesetzt wurden PFAS unter anderem in Imprägniermitteln, Antihaftbeschichtungen (etwa Teflon), Löschschäumen, Textilien, Skiwachsen, Pestiziden, Kältemitteln sowie in zahlreichen industriellen Prozessen. Wegen ihrer Langlebigkeit werden PFAS oft als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet: Sie bauen sich in der Umwelt kaum ab und können sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte in Böden, Gewässern und im Grundwasser anreichern.
Den Substanzen der PFAS-Gruppe werden unter anderem hormonelle Effekte, Beeinträchtigungen des Immunsystems sowie ein mögliches Krebsrisiko zugeschrieben. Für viele PFAS bestehen allerdings noch Wissenslücken.
International werden PFAS zunehmend reguliert. Viele besonders problematische Substanzen sind bereits verboten, weitere Einschränkungen und tiefere Grenzwerte werden diskutiert. Die Baselbieter Bevölkerung kann sich bezüglich der Wasserqualität bei der lokalen Wasserversorgung, die normalerweise bei der Gemeinde angesiedelt ist, informieren. Untersuchungen laufen beim kantonalen Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) auch bezüglich der Bodenbelastung. Dazu schreibt das Amt auf seiner Website unter anderem: «Die Untersuchungen haben bestätigt, dass Böden, die in der Vergangenheit mit Klärschlamm gedüngt wurden, überdurchschnittlich hohe PFAS-Gehalte aufweisen. Teilweise hohe Werte wurden auch bei landwirtschaftlich genutzten Bodenflächen sowie Böden in Siedlungsgebieten gemessen.» Das Thema PFAS wird uns also weiter beschäftigen.

