Wie reagieren unsere Gärten auf diesen Stress?
Ein Gang durch den Garten am 28. Juni und ein Blick über den Gartenhag zeigt, dass Pflanzen sehr unterschiedlich auf die Hitzewelle reagieren. Interessant ist vor allem, welche Pflanzen den Hitze- und Trockenstress ohne ...
Wie reagieren unsere Gärten auf diesen Stress?
Ein Gang durch den Garten am 28. Juni und ein Blick über den Gartenhag zeigt, dass Pflanzen sehr unterschiedlich auf die Hitzewelle reagieren. Interessant ist vor allem, welche Pflanzen den Hitze- und Trockenstress ohne Bewässerung am besten meistern.
Heinz Döbeli
Um 1900 stellte der schwedische Chemiker Svante Arrhenius als erster die Theorie auf, dass die Verbrennung von Kohle und Öl zu einer globalen Erwärmung führt. Ernst genommen wurde diese Theorie nicht. Erst im Jahr 1995 gelang einem Team um den deutschen Physiker Klaus Hasselmann der statistische Beweis, dass die gemessene Erderwärmung mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit menschengemacht ist. Auch das nahm der Grossteil der Entscheidungsträger nicht ernst. Aber jetzt, 30 Jahre später, spüren wir es am eigenen Leib.
Die am 27. Juni 2026 in der Messstation in Basel-Binningen abgelesene Temperatur von 39,0 °C stellt einen Rekord dar. Noch nie wurde im Juni eine so hohe Temperatur gemessen. Zugleich ist es schon lange sehr trocken.
Am Morgen nach diesem Hitzetag schlenderte ich durch meinen Garten. Dank der Abkühlung während der Nacht auf etwas über 20 °C begrüssten mich die Blumen mit der ganzen Farbpalette. Gelbe Nachtkerzen, hellblaue Wegwarten, lila Disteln, rosa Seifenkraut, orange Taglilien und letzte rote Rosen. Auch die Tomaten, Gurken, Kürbisse und Zucchini sahen wieder erholt aus. Würde ich nicht jeden Abend Spritzkanne um Spritzkanne zu den Gemüsebeeten schleppen, würde mein Selbstversorgungsgrad stark einbrechen.
Verzicht aufs Giessen?
Ohne Bewässerung müsste ich das meiste Gemüse im Laden kaufen. Schon seit Jahren versuche ich deshalb, meinen Garten an das künftige Klima anzupassen. Hier ein paar Beispiele von Pflanzen, die ohne meine Hilfe heissere und trockenere mitteleuropäische Sommer überleben werden:
An der Südwestecke meines Hauses – der «mediterranen Ecke» – wachsen eine weisse und eine blaue Weinrebe als Spalier an der Hausfassade, zwei Weinbergpfirsichund zwei Feigenbäume gedeihen prächtig trotz ziemlich magerem Boden und ohne dass ich sie giesse oder dünge.
Auch gut angewachsene Bäume und Sträucher brauchen keine Bewässerung: Quitten, Äpfel, Birnen, Maulbeerbäume, Armenische Brombeeren. Es wurde mir gesagt, dass Waldbäume nicht in den Siedlungsraum gehören. Eine riesige Birke, eine Linde und ein Rosskastanienbaum beschatten Teile des Gartens. Heute nennt man das Agroforst: Bäume, die Pflanzen und Menschen vor der extremen Sonnenstrahlung schützen.
Zarte Salate und Gemüse würden beim momentanen Wetter ohne Bewässerung eingehen. Aber die aus der Mode gekommene Gartenmelde oder einige Vertreter aus der Gattung der Amarante liefern eine riesige Menge an schmackhaften Blättern, die als Salate oder Gemüse gegessen werden. Alle benehmen sich wie «Unkräuter», sie versamen sich von selbst und keimen, wenn die Zeit für sie günstig ist.
Dann gibt es noch die Unscheinbaren und Robusten: Odermennig, Giersch, Mädesüss, Wegwarten, Nachtkerzen, Karthäusernelken, Wilde Möhren und viele mehr. Meist reissen ordentliche Gärtner und Gärtnerinnen diese Pflanzen aus, bevor sie ihre Blüten entwickelt haben. Insekten wären aber froh, aus diesen Blüten Nektar saugen zu können.