Sichere und gut erreichbare Destinationen
26.06.2026 RegionBaselbieter erfreuen sich anhaltender Reiselust, wählen Ferienziele aber nach klaren Kriterien
Trotz geopolitischer Spannungen und Unsicherheiten bleibt die Reiselust der Menschen in der Region gross. Die Reisebüros beobachten jedoch, dass Sicherheit, Flexibilität und neue ...
Baselbieter erfreuen sich anhaltender Reiselust, wählen Ferienziele aber nach klaren Kriterien
Trotz geopolitischer Spannungen und Unsicherheiten bleibt die Reiselust der Menschen in der Region gross. Die Reisebüros beobachten jedoch, dass Sicherheit, Flexibilität und neue Destinationen bei der Ferienplanung eine immer wichtigere Rolle spielen.
Wendy Maltet
Die Koffer werden gepackt, die letzten Schultage sind gezählt: Mit Beginn der Sommerferien zieht es auch dieses Jahr viele Menschen aus der Region in die Ferne. Doch wohin reisen die Oberbaselbieterinnen und Oberbaselbieter dieses Jahr? Eine Umfrage bei drei Reisebüros zeigt: Die Reiselust ist ungebrochen, die Ansprüche haben sich jedoch verändert.
Einigkeit herrscht bei den beliebtesten Reisezielen. Spanien, Italien, Portugal und Griechenland gehören auch diesen Sommer zu den gefragtesten Destinationen. «Für diese Sommerferien zählen Destinationen im westlichen Mittelmeer zu den beliebtesten Reisezielen der Schweizerinnen und Schweizer», sagt Sebastian Kickmaier von Knecht Reisen AG in Gelterkinden. Besonders hoch im Kurs stünden Mallorca, das spanische Festland, Portugal und die Kanarischen Inseln.
Ähnliches beobachtet auch Amélie Schnidrig von Dertour Suisse für Rotstab Reisen in Liestal. Besonders gefragt seien «gut erreichbare und als sicher wahrgenommene Destinationen im westlichen Mittelmeerraum». Alexandra Zubler vom Reisebüro Sissach bestätigt diesen Trend: «Spanien, Italien, Griechenland» seien derzeit die meistgebuchten Ferienziele ihrer Kundschaft.
Ferien im Norden
Neben den Klassikern zeichnen sich neue Reisetrends ab. Auffällig ist die wachsende Beliebtheit von Destinationen in Nordeuropa. Der Begriff «Coolcation», eine Kombination aus den englischen Wörtern «cool» und «vacation», beschreibt Ferien in Regionen mit milderen Temperaturen. Während Südeuropa zunehmend unter Hitzewellen leidet, suchen viele Reisende angenehmere Klimazonen.
«Länder wie Norwegen, Schweden oder Finnland profitieren vom Wunsch vieler Kundinnen und Kunden nach milderen Temperaturen und naturnahen Erlebnissen», erklärt Sebastian Kickmaier. Auch Rotstab Reisen beobachtet eine steigende Nachfrage nach Island, Norwegen, Schweden und Schottland. Zubler bestätigt diese Entwicklung.
Daneben gewinnen weitere Alternativen an Bedeutung. Besonders auffällig ist der Balkan-Boom. Albanien, Montenegro, Bulgarien und Kroatien verzeichnen laut Rotstab Reisen eine deutlich steigende Nachfrage. Reisende schätzten die authentischen Erlebnisse, die oft noch weniger überlaufenen Ferienregionen sowie das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis.
Während europäische Ziele weiterhin dominieren, bleibt auch die Lust auf Fernreisen gross. Knecht Reisen verzeichnet eine starke Nachfrage nach Kanada, Namibia und Costa Rica. Vor allem Namibia profitiere vom neuen Direktflug ab Zürich. «Die anhaltend hohe Nachfrage nach Fernreisen zeigt, dass die Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer weiterhin ungebrochen ist», sagt Kickmaier.
Sicherheit als wichtigster Faktor
Gleichzeitig beeinflusst die weltpolitische Lage die Reiseplanung stärker als noch vor einigen Jahren. Alle drei Reisebüros berichten von einer zunehmenden Verunsicherung der Kundschaft. Fragen nach Sicherheit, Stabilität und Flexibilität seien heute fester Bestandteil jeder Beratung.
«Der Beratungsbedarf ist deutlich gestiegen», sagt Kickmaier. Kundinnen und Kunden erkundigten sich vermehrt nach der aktuellen Situation in einzelnen Ländern sowie nach flexiblen Umbuchungs- oder Stornierungsmöglichkeiten. Auch Rotstab Reisen beobachtet, dass Reisende verschiedene Optionen sorgfältiger vergleichen und stärker auf politische Stabilität achten. Besonders deutlich fällt die Einschätzung von Alexandra Zubler aus. Seit der jüngsten Eskalation im Iran habe sich die Nachfrage spürbar verändert. «Nach Kriegsanfang im Iran ist die Buchungsnachfrage extrem eingebrochen. Kunden warten lieber ab oder fahren mit dem Auto irgendwohin», sagt sie. Zudem hätten die zeitweisen Ausfälle wichtiger Drehkreuze im Nahen Osten zu zusätzlicher Verunsicherung geführt.
Entsprechend gehören einige früher beliebte Destinationen in diesem Jahr zu den Verlierern. Sowohl Knecht Reisen als auch Rotstab Reisen nennen die Türkei als Reiseziel mit rückläufiger Nachfrage. Weniger gefragt seien zudem Ägypten, Zypern und weitere Destinationen in geografischer Nähe zum Nahen Osten. Zubler spricht sogar von praktisch ausbleibenden Anfragen für Dubai oder andere Ziele in der Golfregion.
Auch die USA stehen stärker im Fokus politischer Überlegungen. Während Knecht Reisen von einer «selektiv etwas zurückhaltenderen» Nachfrage spricht, formuliert Zubler deutlicher: «Die Buchungsnachfrage für die USA ist komplett anders, seit Trump wieder das Land regiert.»
Diese Unsicherheit zeigt sich auch im Buchungsverhalten. Während Fernreisen häufig lange im Voraus geplant werden, beobachten die Reisebüros gleichzeitig eine Zunahme kurzfristiger Entscheidungen. Viele Kundinnen und Kunden möchten sich möglichst lange alle Optionen offenhalten. Flexible Tarife und Pauschalangebote gewinnen dadurch an Bedeutung.
Bei allen Unsicherheiten bleibt eine Erkenntnis bestehen: Die Menschen wollen verreisen. «Schweizerinnen und Schweizer reisen weiterhin», sagt Schnidrig. Gleichzeitig werde heute jedoch stärker auf Sicherheit, Erreichbarkeit und Flexibilität geachtet. Der Sommer dieses Jahres zeigt damit vor allem eines: Nicht die Reiselust hat sich verändert, sondern die Kriterien, nach denen Ferienziele ausgewählt werden.
