«Seidenband jetzt!» trägt erste Früchte
21.04.2026 Kultur, BaselbietVernetzung von Museum.BL und Ortsmuseen
Die Ausstellung «Seidenband. Kapital, Kunst und Krise» im Kantonsmuseum in Liestal hat einen neuen Bereich erhalten. Das im vergangenen Juni gestartete Vernetzungsprojekt «Seidenband jetzt!» nimmt Gestalt an.
...Vernetzung von Museum.BL und Ortsmuseen
Die Ausstellung «Seidenband. Kapital, Kunst und Krise» im Kantonsmuseum in Liestal hat einen neuen Bereich erhalten. Das im vergangenen Juni gestartete Vernetzungsprojekt «Seidenband jetzt!» nimmt Gestalt an.
Martin Stohler
Die junge Dame mit modischem Hut zieht gleich beim Eintritt in den Ausstellungsraum im Museum.BL in Liestal die Blicke auf sich. Sie schmückt die Stirnseite eines Gehäuses, das sich als kleines Kino mit einem Grossbildschirm und ein paar Sitzplätzen entpuppt. Dort läuft der Film «Die letzten Heimposamenter» von Yves Yersin, ein Dokumentarfilm aus den Jahren 1972 und 1973, der das Wissen eines Erwerbszweigs festhält, der bei uns inzwischen nicht mehr existiert.
Auf den Aussenwänden des Kinos sind zahlreiche Seidenbändel abgebildet. Fotografien und Bilder aus unterschiedlichen Epochen machen deutlich, wie die heute weitgehend aus der Mode gekommenen Bändel als Schmuck für Hüte, an Trachten und schicken Kleidern eingesetzt wurden.
Auf einer der Seitenwände zeigt ein Touchscreen die Baselbieter Karte, auf der die zwölf Ortsmuseen zu finden sind, die über Bandwebstühle verfügen und am Projekt «Seidenband jetzt!» mitwirken. In acht von ihnen wurden in den vergangenen Monaten kurze Filme produziert, die über den Bildschirm gestartet werden können, wie es vergangene Woche an einem Presserundgang im Museum.BL hiess. Die Filme stünden auch den Ortsmuseen zur Verfügung und könnten von diesen für ihre Zwecke genutzt werden. «In den Filmen kommen Menschen zu Wort, die ehrenamtlich und mit grossem Engagement ihre Freizeit an historischen Bandwebstühlen verbringen», erklärte Simone Ochsner, die Leiterin des Projektteams, auf dem Rundgang. «Dabei begegnen wir Menschen mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen: vom Webfachmann über den Automatiker und die Primarlehrerin bis zum Matrosen.»
Am Beispiel dieser Filme lässt sich auch die Idee des Projekts «Seidenband jetzt!» aufzeigen. Zum einen soll noch vorhandenes Wissen dokumentiert und gesichert werden, damit es weitergegeben werden kann. Zum anderen sollen die Trägerinnen und Träger dieses Wissens – Institutionen sowie Menschen – vernetzt werden.
«Themen-Haspeln»
Das Museum.BL gibt sein Wissen nicht nur in Form von Filmen und Exponaten weiter. Neu kommen an der Ausstellung auch fünf «Themen-Haspeln» zum Einsatz. Wurden früher mit solchen Haspeln die fertigen Bänder zu Schlaufen gehaspelt, können die Besucherinnen und Besucher mit etwas Handarbeit verschiedene Aspekte der Seidenband-Geschichte «abrollen». Die informativen Texte sind bewusst kurz gehalten. Thematisiert werden beispielsweise die Elektrifizierung der Bandweberei, das Verlagssystem oder die Baselbieter Fabrikgesetzgebung.
Ein weiteres neues Element der Dauerausstellung ist eine Koje, in der die Entwicklung des Sammlungsschwerpunkts Bandweberei und der Präsentation der wachsenden Sammlung entlang eines «Zeitstrahls» dargestellt werden. Seit mehr als 50 Jahren sammelt das Museum.BL Wissen zu dem für die Geschichte des Kantons Baselland zentralen Thema.
Der Kauf der Betriebsdokumentation der Bandfabrik Seiler & Co. AG aus Basel und Gelterkinden im Jahr 1975 markiert den Beginn dieser Sammeltätigkeit. Die Firma hatte im Jahr zuvor die Bandherstellung eingestellt. Mit dem Erwerb der umfangreichen Betriebsdokumentation – Musterbücher, Bänder, Entwürfe, Webanleitungen und anderes mehr – wurde der Grundstein für die heutige Sammlung gelegt.
Zwei weitere bedeutende Nachlässe der ehemaligen Bandfirmen Senn & Co. aus Basel und Ziefen sowie Vischer & Co. aus Basel kamen 2019 und 2022 hinzu. Die Neuerwerbungen sind inzwischen katalogisiert und im Lager auf dem Hanro-Areal untergebracht. Es ist geplant, dort Führungen zu veranstalten, die es einem interessierten Publikum ermöglichen sollen, Einblick in die historischen Schätze zu erhalten.
Am Ende des Rundgangs würdigte Esther Roth, die Leiterin des Amts für Kultur, das bisher Erreichte. Dabei zeigte sie den Zusammenhang zwischen dem Projekt «Seidenband jetzt!» und dem Konzept der «kulturellen Grundversorgung» auf.
Zu dessen «Philosophie» gehört, dass durch die Zusammenarbeit von verschiedenen Akteuren – im speziellen Fall zwischen Ortsmuseen, dem Museum.BL und weiteren interessierten Kreisen – an vielen Orten in unserem Kanton niederschwellige Zugänge zur Kultur und Geschichte gefördert werden. Gleichzeitig werden so Themen vernetzt und systematisch bearbeitet, wie dies mit dem Projekt «Seidenband jetzt!» geschieht.


