Segeln in den Alpen
14.08.2026 PersönlichBeim Setzen des Titels kommt mir gerade ein Witz in den Sinn: Da erzählte einer – er war ein bisschen ein Zwuggel, also eher von kürzerem Wuchs – seinem Kollegen von seiner neuen Freundin und meinte, sie habe eben Augen wie Bergseen. «Jä, so blau?», fragte ...
Beim Setzen des Titels kommt mir gerade ein Witz in den Sinn: Da erzählte einer – er war ein bisschen ein Zwuggel, also eher von kürzerem Wuchs – seinem Kollegen von seiner neuen Freundin und meinte, sie habe eben Augen wie Bergseen. «Jä, so blau?», fragte darauf der Angesprochene.
«Nei, so wyt oobe!»
Aber eigentlich soll es hier auch nicht um Bergseen gehen, auf denen man vielleicht segeln könnte. Vielmehr sind bei mir momentan jene Segler aktuell, welche die namengebende Tätigkeit in der Luft ausüben. Nun sind die Mauersegler, unsere Spyre, ja schon länger wieder Richtung Südafrika weggeflogen, dieses Jahr eher noch früher als sonst. Wer kann es ihnen verdenken, wenn es bei uns schon so heiss ist, dass einige Jungvögel es nicht mehr in den Kästen oder erst recht unter den Ziegeln ausgehalten hatten und aus den Nestern gesprungen waren, bevor sie flügge waren. Ich vermute, dass das dieses Jahr viel häufiger war als auch schon. Die sind dann normalerweise Katzenfutter, wenn sie nicht rechtzeitig gerettet werden.
Man stelle sich das einmal vor: Wenn so ein junger Segler im Juli ausfliegt, ist er ab diesem Moment ein Jahr lang in der Luft, bis er wieder bei uns auftaucht und eine Nistmöglichkeit sucht. Zwar pflanzt er sich nach der ersten Rückkehr noch nicht fort, wenn er aber eine Wohnung findet, ist er im Jahr darauf wieder zurück und hat dann den ersten Nachwuchs. Dazwischen passiert alles in der Luft, auch geschlafen wird im Fliegen. Man vermutet, dass die Segler – ähnlich wie die Delfine – quasi eine Hirnhälfte auf Standby haben während des Schlafens.
Wer jetzt in Gelterkinden in den Himmel schaut, sieht immer noch Segler, besonders in der Nähe des Landi-Silos, manchmal auch bei der reformierten Kirche. Dabei handelt es sich aber um den Alpensegler, sozusagen den grossen Bruder des Spyrs. Er unterscheidet sich im Flugbild kaum, hat aber einen weissen Bauch und ist ein rechtes Stück grösser und bringt es auf fast 60 cm Spannweite. Seit gut einem Monat ist er täglich in Gelterkinden zu sehen, was bei den Hobby-Ornithologen hier für ziemliche Begeisterung sorgt. Einige Exponenten des Natur- und Vogelschutzvereins haben schnell reagiert: Nach Bewilligung durch die Verantwortlichen der Landi hat man einen speziellen Kasten bauen lassen und ihn am Silo montiert.
Nistkastenspezialist Andy Junker hat eine grossartige WG für den Alpensegler kreiert, bei dem man mittels eines Türspions fast alle sechs eingebauten Nistplätze im Blick hat. Der Vogel ist nämlich geselliger als sein kleineres Pendant, sodass nicht jedes Paar auf einem eigenen Kasten besteht. Wie der Name sagt, hat er ursprünglich in den Alpen, und dort in Felswänden gebrütet, heute finden gemäss Vogelwarte 80 Prozent aller Brutpaare in der Schweiz an hohen Gebäuden ihren Nistplatz.
Die zehn Gelterkinder Alpensegler sind vorläufig immer noch mehr an den wenigen Storenkästen des Silos interessiert. Wir sind aber guten Mutes, dass sie früher oder später in ihr feudales Appartement einziehen.
Kuri Wirz, Gelterkinder von Geburt und aus Passion

