Südanfl ug führt über die Region
03.09.2026 BaselbietIn Bretzwil und Reigoldswil werden Flugzeuge zum Gesprächsthema
Veränderte Windverhältnisse sorgen am Euro-Airport zunehmend für Landungen aus südlicher Richtung. Die Anflugroute führt über das hintere Frenkental: In Bretzwil und Reigoldswil werden die ...
In Bretzwil und Reigoldswil werden Flugzeuge zum Gesprächsthema
Veränderte Windverhältnisse sorgen am Euro-Airport zunehmend für Landungen aus südlicher Richtung. Die Anflugroute führt über das hintere Frenkental: In Bretzwil und Reigoldswil werden die Flugzeuge vor allem abends wahrgenommen.
Melanie Frei
Dass Flugzeuge auf dem Weg nach Basel im Raum Wasserfallen gut sicht- und hörbar sind, hängt mit dem Verlauf der Anflugroute zum Euro-Airport in Mulhouse zusammen. Katrin Joos Reimer beschreibt die Route als verlängerte gerade Route zwischen der Landepiste des Flughafens und dem Raum Oensingen. Dort würden die ankommenden Flugzeuge für den Anflug nach Basel-Mülhausen eindrehen. Als Präsidentin des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen beschäftigt sich Joos Reimer auch mit dem Fluglärm in der Region.
Die genannte Route führt über das hintere Frenkental. Damit lässt sich erklären, weshalb die Flugzeuge auch in Lauwil, Bretzwil und Reigoldswil wahrgenommen werden, obwohl die Gemeinden deutlich weiter vom Flughafen entfernt liegen als zum Beispiel Allschwil oder Binningen: Gemäss Keystone-SDA bezifferte Allschwil den Anteil der Südlandungen im Juli auf 43,7 Prozent.
Die Gemeinde sprach Mitte August von einem «besorgniserregenden Höchststand der Lärmbelastung in der Region» und forderte gemeinsam mit weiteren betroffenen Gemeinden ein Einschreiten der Behörden und des Euro-Airports. Auch Binningen ging an die Öffentlichkeit.
Gemeinderat Philippe Meerwein (SP), der dort für die Fluglärmthematik zuständig ist, kritisierte Anfang August die hohe Südanflugquote sowie die aus seiner Sicht ungenügende Einhaltung des Nachtflugverbots.
Verkehr über Oberbaselbiet
Es sind vor allem die Flugzeuge am späteren Abend, die in Bretzwil auffallen. «Der Flugverkehr hat nach meinem Eindruck zugenommen und ist lauter geworden», sagt Gemeindepräsident Urs Freiburghaus auf Anfrage. Auch einzelne Einwohner hätten im Dorf bereits darüber gesprochen. Bei der Gemeinde sei bislang allerdings keine formelle Beschwerde eingegangen. Auch im Gemeinderat oder an einer Einwohnergemeindeversammlung sei der Fluglärm bisher kein Thema gewesen.
Ähnliches schildert der Reigoldswiler Vizegemeindepräsident Thomas Moser: Er höre die Flugzeuge besonders im Tal in Richtung Wasserfallen, wo er wohnt. Vor allem am Abend würden sie ihm auffallen. Auch in «seinem» Dorf werde der Fluglärm ab und an thematisiert. Eine Abklärung bei der Gemeindeverwaltung habe jedoch ergeben, dass bislang ebenfalls keine Reklamationen eingegangen seien.
Auch in Lauwil ist der Flugverkehr bekannt. Die Anflugroute führe bereits seit Langem über das Dorf, sagt Gemeindepräsident Raymond Tanner. Beschwerden seien deswegen keine eingegangen. Manche Flugbegeisterte verfolgten das Geschehen vielmehr mit Interesse: Sie setzten sich mit ihren Stühlen vor das Haus und schauten auf dem Mobiltelefon nach, welches Flugzeug gerade über das Dorf hinwegfliege und woher es komme.
Nordwind führt zu Südlandungen
Wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA unter Berufung auf ein Interview des Euro-Airport-Direktors Tobias Markert mit CH Media berichtete, dürften die Südlandungen langfristig zunehmen. Grund dafür seien veränderte Windverhältnisse.
Traditionell hätten in der Region jeweils Westwindlagen dominiert. Die Messdaten des französischen Wetterdiensts Météo-France deuteten jedoch auf eine Veränderung hin: Die Hauptpiste des Euro-Airports verläuft in Nord-Süd-Richtung. Bei starkem Wind aus Norden müssen die Flugzeuge laut Markert aus Sicherheitsgründen von Süden her landen. Im Juli habe der Wind besonders häufig aus Norden geweht und sei oftmals stärker als üblich gewesen. Deshalb sei die Zahl der Südlandungen in diesem Monat aussergewöhnlich hoch ausgefallen.
Im bisherigen Jahresverlauf 2026 liegt der Anteil der Südanflüge laut Markert bei rund 20 Prozent. Ein bilaterales Abkommen zwischen Frankreich und der Schweiz sieht einen Zielwert von 8 Prozent vor. Dieser Wert sei den Fluglotsen im Tower bekannt, sagte Markert. Sie seien darum bemüht, den Anflug möglichst lange von Norden her aufrechtzuerhalten. Nordanflüge seien aus betrieblichen Gründen günstiger. Ausserdem dauere die Umstellung der Flugrichtung rund eine halbe Stunde.
Bereits 2025 erreichte die Zahl der Südlandungen einen Höchststand. Wie die «Basler Zeitung» am 15. August auf Grundlage von Berechnungen des Schutzverbands berichtete, landeten im vergangenen Jahr 5178 Flugzeuge von Süden her am Euro-Airport – so viele wie noch nie.
Im Oberbaselbiet hat die wahrgenommene Zunahme bisher keine politischen Reaktionen ausgelöst. Die Aussagen aus Bretzwil, Reigoldswil und Lauwil zeigen jedoch, dass die Flugzeuge auch hier auffallen und in der Bevölkerung zum Gesprächsthema geworden sind.
Ob neben den Überflügen auch die messbare Lärmbelastung zugenommen hat, lässt sich allein aufgrund dieser Wahrnehmungen noch nicht feststellen.

