Schürzenjäger?
09.10.2026 PersönlichAlle zwei Jahre ist Cousin- und Cousinentreffen angesagt bei der liebsten Liebsten. Weil ihre Mutter das jüngste von zehn Geschwistern war, wären da streng genommen 26 Menschen teilnahmeberechtigt. Es ist aber Usus, dass die Partnerinnen und Partner auch dabei sein dürfen, und da ...
Alle zwei Jahre ist Cousin- und Cousinentreffen angesagt bei der liebsten Liebsten. Weil ihre Mutter das jüngste von zehn Geschwistern war, wären da streng genommen 26 Menschen teilnahmeberechtigt. Es ist aber Usus, dass die Partnerinnen und Partner auch dabei sein dürfen, und da dieses Jahr eine Cousine im Zillertal federführend war und der Termin in den Herbstferien lag, konnten sogar unsere beiden Töchter mitkommen.
Unsere Ankunft im Zillertal hätte nicht klischeehafter sein können, schallten uns doch aus der Gartenbeiz gegenüber unserem
Gästehaus schon die ersten Lieder, begleitet von Handorgel und Gitarre, entgegen.
Am Abend vor dem eigentlichen Anlass trafen sich einige schon zum gemeinsamen Nachtessen, weil die weite Anreise die meisten dazu bewogen hatte, ein paar Tage im Tirol zu verbringen. Da ging es schon laut und lustig zu, wozu auch der gut gelaunte Kellner einiges beitrug. Unsere Mädchen hatten das erste Mal Gelegenheit, die «auswendig gelernten» Namen mit den richtigen Gesichtern zu verbinden.
Tags darauf ging’s dann so richtig los, und die angereiste Sippe traf sich zum Auftakt im Haus der nach Österreich ausgewanderten Tante der oben erwähnten Geschwister. Sie ist eine von zwei Damen dieser Generation, die noch am Leben sind. Grosses Hallo, grosses Wiedersehen bei Tee, Kaffee und unter anderem vom familieneigenen Koch feingeschnittenem Tirolerspeck. Letzterer hatte sich verschlafen, was wiederum niemanden zu verwundern schien. Auch wenn man nicht mehr so eng miteinander zu tun hat, kennt man offenbar doch noch die Hauptcharakterzüge seiner Verwandtschaft. Es reichte aber allen auf den nächsten Bus, der uns in gut halbstündiger Fahrt zu einem Stausee führte. Dort war eine Führung in die Staumauer angesagt: ein eindrückliches Bauwerk aus 44 riesigen Betonklötzen mit einem Volumen, das dem Dreifachen des Empire State Buildings entsprechen soll. Dass die Führung von Kathrin aus Sachsen, und nicht von einer Einheimischen geleitet wurde, kam den meisten entgegen, sind doch die waschechten Zillertaler nicht eben leicht zu verstehen. Nicht allen war’s wohl in den Gängen tief unter dem Boden, zumal der See und die Umgebung natürlich oberirdisch viel mehr an Schönheit zu bieten hatten. Dort gab’s dann auch ein «Klassenfoto».
Bald stiegen wir wieder in den Bus und liessen uns durch die schöne Bergwelt ins Tal chauffieren, wo es auf die Zillertalbahn ging. Kurze Aufregung im Bähnli, als sämtliche Handys einen Alarmton von sich gaben, was offenbar einem landesweiten Test geschuldet war.
Nächste Station war die Brauerei Zillertal mit grosszügigen Informationsräumlichkeiten, wo unter anderem die Erklärung des Brauvorgangs mit Projektionen auf drei riesige Sudkessel unterstützt wurde. Eindrücklich! Weniger grosszügig war dafür der Pfyff (tirolerisch fürs Herrgöttli), der im Ticket inbegriffen war.
Beim Schnitzelznacht klang der Anlass am Abend aus, wo auch noch in den Alben der vergangenen Treffen geschmökert und das nächste Treffen festgelegt wurde. Ein Hoch auf die Familie!
Kuri Wirz, Gelterkinder von Geburt und aus Passion

