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06.10.2026 BRIEFEWenn Kinder an Gemeindegrenzen scheitern
Zum Artikel «Am Ende bleibt die Enttäuschung» in der «Volksstimme» vom 24. September, Seite 5
Wir sind eine Bauernfamilie aus Ormalingen und leben unmittelbar an der Grenze zu Hemmiken. Auch ...
Wenn Kinder an Gemeindegrenzen scheitern
Zum Artikel «Am Ende bleibt die Enttäuschung» in der «Volksstimme» vom 24. September, Seite 5
Wir sind eine Bauernfamilie aus Ormalingen und leben unmittelbar an der Grenze zu Hemmiken. Auch unsere bewirtschafteten Flächen machen an der Gemeindegrenze nicht Halt – ein Teil unseres Landes liegt auf Hemmiker Boden. Der Vater ist seit bald 20 Jahren als Brunnmeister für die Gemeinde Hemmiken tätig. Während all dieser Jahre hat er sich mit grossem Einsatz für die Gemeinde engagiert und immer wieder, gerade diesen Sommer, zusätzliche Arbeiten übernommen, teilweise auch ohne dafür eine Entschädigung zu verlangen. Nicht, weil er dafür irgendwann eine Gegenleistung erwartete, sondern weil für ihn das Engagement für eine kleine Dorfgemeinschaft selbstverständlich war.
Umso enttäuschender und schmerzlicher erleben wir heute den Umgang mit unseren Kindern. Sie sind in Hemmiken sozial verwurzelt, haben dort Freunde, Bezugspersonen und ihr vertrautes Umfeld. Zwei unserer Kinder besuchen dort den Kindergarten. Dennoch erleben wir als Eltern, dass unseren Kindern der weitere Besuch von Kindergarten und Schule nicht ermöglicht werden soll. Für uns fühlt sich das an, als würden unsere Kinder von dieser Gemeinde verstossen, zu der unsere Familie seit vielen Jahren eine enge Verbindung hat, da auch vorherige Gene- rationen unserer Familie die Schule in Hemmiken besucht haben.
Natürlich wissen wir, dass ein Gemeinderat gesetzliche Vorgaben, Zuständigkeiten und finanzielle Fragen berücksichtigen muss. Aber wir hätten trotzdem erwartet, dass nicht nur darüber gesprochen wird, wer zuständig ist und wer bezahlen muss, sondern auch darüber, was eine solche Entscheidung für die betroffenen Kinder bedeutet. Denn Kinder sind keine Akten, keine Kostenstellen und keine Verwaltungsfälle. Ein Kind versteht nicht, welche Gemeinde für welche Rechnung zuständig ist. Ein Kind versteht aber sehr wohl, wenn es seine Freunde, seine Klasse, seine Bezugspersonen und sein vertrautes Umfeld verlassen soll.
Besonders nachdenklich macht uns, dass sich der Vater dieser Kinder seit bald zwei Jahrzehnten für genau diese Gemeinde einsetzt. Wir verlangen keine Gegenleistung und keine Sonderbehandlung unserer Kinder. Aber nach so vielen Jahren des Engagements hätten wir zumindest Menschlichkeit und den ernsthaften Willen erwartet, gemeinsam eine kindergerechte Lösung zu finden. Stattdessen bleibt bei uns als Familie das Gefühl zurück, dass unser Einsatz willkommen war – unsere Kinder aber nicht. Vielleicht sollte man sich deshalb auch ausserhalb unseres Falls eine grundsätzliche Frage stellen: Was bedeutet Dorfgemeinschaft eigentlich noch, wenn am Ende Gemeindegrenzen darüber entscheiden, wer dazugehört und wer nicht?
Das Wohl der Kinder sollte dabei immer an erster Stelle stehen. Denn Kin- der sind nicht nur diejenigen, die heute die Folgen solcher Entscheidungen tragen – sie sind auch die Zukunft unserer Dorfgemeinschaft. Und wie wir heute mit ihnen umgehen, prägt die Gemeinschaft von morgen.
Miriam und Urs Rudin, Ormalingen
