Lea Wieser
Es ist drei Uhr in der Früh, die Strassen wie leer gefegt, das Parken in der Fussgängerzone war noch nie so leicht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag finden sich in Sissach trotz der späten Stunde zwei Orte, an denen die ganze Nacht reges Treiben ...
Lea Wieser
Es ist drei Uhr in der Früh, die Strassen wie leer gefegt, das Parken in der Fussgängerzone war noch nie so leicht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag finden sich in Sissach trotz der späten Stunde zwei Orte, an denen die ganze Nacht reges Treiben herrscht: das «Lindbergh Pub» und die «Lounge 11».
Im «Lindbergh Pub» haben sich die Fans bereits einige Zeit vor Anpfiff einen Platz mit guter Sicht gesichert. Sogar die Garage gegenüber des Lokals ist geöffnet, um einen Ort für die Leinwand und mehr Zuschauerplätze zu schaffen. Der gesamte Aussenbereich ist gut gefüllt, die Gäste sind höchst fokussiert. Trotz des frühen ersten Treffers der Argentinier bleibt die Stimmung zuversichtlich. Stammgast Tobias Buri sagt: «Natürlich bin ich wach geblieben. Ich bin zwar wegen den Leuten hier und weniger wegen des Spiels, aber lohnen tut es sich so oder so.»
Sonderregelung geschickt genutzt
«Eigentlich dürften wir draussen überhaupt nicht so lange offen haben», sagt Geschäftsführer Lukas Abt vom «Lindbergh Pub». Für die Fussballnacht gab es in vielen Kantonen der Schweiz Sonderregelungen. Während einige, darunter Basel-Stadt, eine Freinacht erliessen, wurden die Sperrstunden in vielen Kantonen kommunal geregelt. So war es auch im Kanton Baselland. Für Aussenübertragungen war ein Einzelgesuch nötig.
Die Sissacher sind dieses Problem geschickt umgangen. Im «Lindbergh Pub» befand sich die Leinwand in der Garage, einem Innenraum. Sie verstiess gegen keine Vorschriften, war aber für die Fans im angrenzenden Aussenbereich ideal einsehbar. Auch der Terrassen-Fernseher war zugelassen, es musste nur ab einer gewissen Uhrzeit die Lautstärke gedrosselt werden. Die Fans in der «Lounge 11» durften sich auch im Freien aufhalten, während bei der Leinwand im überdachten Aussenbereich knapp die Vorgaben der Gemeinde eingehalten wurden.
Voll fokussiert
Die «Lounge 11» ist äusserst gut besucht. Während sich innen grosse Menschentrauben um die Fernseher versammeln, ist der Aussenbereich mit Abstand am vollsten. Die angespannten Fans haben ihren Blick auf den Bildschirm gerichtet. Beim 1:1 tobt die Menge wie verrückt, die Freude ist riesig. Wenig später sorgt Embolos Rote Karte für etwas Ernüchterung. Der Besucher Laurin Weitnauer lässt sich nicht unterkriegen: «Vor Matchbeginn bin ich schon zweimal eingeschlafen. Jetzt, wo das Spiel läuft, ist die Stimmung bombastisch. Das mit Embolo kriegen wir auch hin», sagt er überzeugt.
Ab dem Moment des Platzverweises könnte man die Spannung mit dem Messer durchschneiden. Nicht nur bei den Spielern, auch bei den Fans ist eine Art Überlebensmodus ausgebrochen. «Es geht nur noch darum, dass man den Ball möglichst weit vom Tor fernhält», findet Lena Coray.
Als die Verlängerung beginnt, steht die Sonne bereits über dem Horizont. Während die Hoffnung in den ersten 15 Minuten steigt, wird sie den Schweizer Fans mit dem 2:1 jäh wieder genommen. Statt Nervosität zeichnet sich auf ihren Gesichtern nun eher Trauer ab. Nach dem Treffer zum 3:1 machen sich die ersten auf den Heimweg. Andere nehmen die Niederlage weniger gut auf. So muss etwa die Leinwand nach Argentiniens drittem Treffer ein paar Boxhiebe einstecken.