Sammlung von kulturhistorischer Bedeutung
23.04.2026 Bezirk LiestalDas Harmonium- und Orgelmuseum beeindruckt durch die Vielfalt seiner Exponate
Ein kleines Paradies hat der unlängst verstorbene Dieter Stalder mit seinem Harmonium- und Orgelmuseum aufgebaut, wie ein Besuch dieser Welt antiker Tasteninstrumente zeigt. Die Zukunft der mehr als 200 ...
Das Harmonium- und Orgelmuseum beeindruckt durch die Vielfalt seiner Exponate
Ein kleines Paradies hat der unlängst verstorbene Dieter Stalder mit seinem Harmonium- und Orgelmuseum aufgebaut, wie ein Besuch dieser Welt antiker Tasteninstrumente zeigt. Die Zukunft der mehr als 200 Instrumente ist unklar.
Stephan Imhof
Jedes Musikinstrument hat seinen Platz in der Geschichte, so auch das fast in Vergessenheit geratene Harmonium. Doch der im Januar dieses Jahres im 82. Lebensjahr verstorbene, ehemalige Sekundarlehrer und Konzertorganist Dieter Stalder hat dagegen sehr viel unternommen.
Das Luther-Zitat «Wer sich die Musik erkiest, hat ein himmlisch Gut gewonnen» steht in bunt geschwungenen Lettern an einer Hausorgel. Diese Liebe zur Musik und vor allem zu Orgel und Harmonium, dessen Blütezeit in den Jahren zwischen 1840 bis 1930 war, flammte schon früh in Stalders Kindheit auf. Per Inserat gelangte er später an mehr als 20 Angebote, die der eifrige Sammler wegen ihrer Verschiedenheit alle annahm. Aus Platzmangel musste bald ein Neubau für ein Museum her, was er mit seiner Frau plante und im Garten direkt neben dem Wohnhaus in Liestal kurzerhand realisierte. Die Eröffnung fand im Jahr 1992 statt.
Waren zu Beginn Harmonien ausgestellt, kamen später Hausorgeln dazu. Seit dem Jahr 2010 heisst die Institution offiziell «Schweizerisches Orgel- und Harmoniummuseum» und gilt als erstes klingendes Museum dieser Art in der Schweiz. Verteilt auf drei Stockwerke wird die Besucherin respektive der Besucher in eine längst vergangene Welt eingeführt. Geht man durch die schmalen Gänge, reihen sich die zum Teil grotesken Kästen dicht aneinandergedrängt vor einem auf. Im Untergeschoss stehen die Harmonien, viele mit kunstvoll verzierten Vorderseiten. In den oberen Stockwerken befinden sich hauptsächlich Orgeln, darunter Raritäten wie eine Toggenburger oder Sumiswalder Hausorgel, französische Hausorgeln, sogar eine englische Salonorgel und alte Vorformen des Harmoniums. Jedes Exemplar ist in Bezug auf Herkunft, Bauart und weiteren Angaben fein säuberlich angeschrieben.
Harmonium oder Orgel?
Ein ganz besonderes Exponat gelangte sogar vom französischen Königshaus in das Museum. Gemäss der Beschriftung handelt es sich um ein Kombinationsinstrument, das im oberen Manual mit Pfeifen und im unteren Manual mit Druckwindzungen vom damals führenden Hersteller Fourneaux in Paris hergestellt wurde. Gehörte es zuerst der Gattin des Bürgerkönigs Louis Philippe I., gelangte es nach dessen Sturz 1848 an Kaiser Napoleon III. Dessen Gattin, Kaiserin Eugenie de Montijo, schenkte es schliesslich einer Hofdame, die wegen einer Liebschaft mit dem Kaiser ins Exil musste. Nach ihrem Tod entdeckte man es auf dem Estrich eines Pfarrhauses.
Es wurde im Jahr 1936 restauriert und gelangte später auf Umwegen in die Schweiz. Doch wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Harmonium und Orgel? Dieser besteht vor allem in der Klangerzeugung: Bei einer Hausorgel wird die Luft durch Pfeifen geblasen, während beim Harmonium Metallzungen durch Druck- oder Saugluft zum Schwingen gebracht werden.
Viele der Instrumente seiner Sammlung konnte Stalder günstig beschaffen. Manchmal gelangte er sogar gratis zu schönsten Exemplaren, primär aus privaten Haushalten oder von Kirchgemeinden. In unzähligen Arbeitsstunden hat er viele davon sorgfältig restauriert und wieder spielbar gemacht.
Eine Fachperson ist gefragt
Die Sammlung umfasst übrigens auch von Stalder gebaute Instrumente. Das Originelle daran: Man denkt, man stünde vor einem Kleiderschrank oder einem Sekretär, was sich nach dem Öffnen der Türen und dem Anblick einer Tastatur, Pfeifenreihen oder Fusspedalen als Trugschluss erweist.
Ergänzt wird die eindrückliche Ausstellung mit weiteren Gegenständen. Darunter etwa antike Marionetten, in Vitrinen ausgestellte Figuren aller Art, prächtig verzierte Orgelstanduhren, Leuchter mit Engelsskulpturen, von Dieter Stalder gemalte Bilder und vieles mehr. Dieses Museum beinhaltet kulturhistorische Schätze, die es zu erhalten gilt. Es besteht auch eine grosse Notensammlung für Harmonium und Orgel aus der entsprechenden Epoche.
Wie es mit dem Museum weitergehen soll, ist derzeit unklar. Um es zu übernehmen, muss man sich mit Orgeln und Harmonien auskennen, ein Fachmann oder eine Fachfrau ist somit dringend gefragt. Als Vorsorge sind alle ausgestellten Instrumente im Detail beschrieben, damit sich ein potenzieller Nachfolger gut einlesen könnte. Möglich wäre auch eine Schenkung an die Stadt Liestal, doch diese lehnte das Angebot bisher ab. Ideen und Angebote sind gefragt.



