Rekordfrühe Weinernte
03.09.2026 BaselbietDie Reben haben den Sommer bisher gut überstanden
Trotz Hitze und Trockenheit ist mit einem sehr guten Weinjahrgang 2026 zu rechnen. Die Oechslegrade sind hoch und die Pflanzen blieben von Pilzkrankheiten und Schädlingen weitgehend verschont. Das teilten die regionalen ...
Die Reben haben den Sommer bisher gut überstanden
Trotz Hitze und Trockenheit ist mit einem sehr guten Weinjahrgang 2026 zu rechnen. Die Oechslegrade sind hoch und die Pflanzen blieben von Pilzkrankheiten und Schädlingen weitgehend verschont. Das teilten die regionalen Weinproduzenten an einem Treffen mit den Medien mit.
Thomas Gubler
Dass das laufende Jahr punkto Hitze und Wasserknappheit bisher rekordmässig verlief, ist hinlänglich bekannt. Jetzt fügen die Nordwestschweizer Winzerinnen und Winzer den bisherigen Höchstwerten noch einen neuen Rekord hinzu: Kaum je setzte nämlich die Weinernte so früh ein wie 2026.
«Rund anderthalb Monate früher als auch schon», sagte der Präsident der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn, Andreas Buser, an der Medienorientierung zum Weinherbst 2026 am Dienstag auf dem stadtnahen St. Margarethengut in Binningen. Auf dem Weingut Jauslin in Muttenz beispielsweise sind bereits 30 Prozent der Trauben geerntet, wie Betriebsleiter Urs Jauslin bekannt gab.
Und wenn nicht alles täuscht, dann ist auch mit einem sehr guten Jahrgang 2026 zu rechnen. Urs Jauslin freut sich jedenfalls jetzt schon auf die neuen Weine. «Diese werden mit Sicherheit speziell», so der Muttenzer Winzer. Die Oechslegrade seien sonnenbedingt auf hohem Niveau, was eine sehr gute Aromatik verspricht. Defizite könnte es allenfalls beim Säuregehalt geben. Doch kann hier zur Not beim Keltern mit Weinsäure «nachgeholfen» werden.
Allerdings darf man dieses Jahr nicht von Rekordmengen ausgehen. Denn obschon die Rebe «ein Kind des Südens» sei, wie Rebbaukommissär Urs Weingartner einen seiner Vorgänger zitierte, zollte auch sie der Hitze Tribut. An trockenheitsgestressten Standorten seien die Beeren etwas kleiner als üblich. Und möglicherweise könnten die Trauben durch den Wassermangel etwas saftärmer sein, was die Pressausbeute verkleinern würde.
Bewässerung unabdingbar
Zwar sei eine Bewässerung nur für neu gepflanzte Stöcke überlebenswichtig, zur Ertragssicherung aber gleichwohl vielerorts notwendig gewesen. Überhaupt könne man sich mittlerweile die Neupflanzung von Rebstöcken ohne gleichzeitige Installation einer Bewässerungsanlage kaum mehr vorstellen. «Nach einer Neupflanzung nur auf Regen zu hoffen, ist ein Risiko und kann teuer werden», so Urs Weingartner.
Tatsächlich verzeichnen die Rebbaustandorte zwischen April und August im Durchschnitt nur 30 Prozent der normalen Niederschlagsmenge. «Alles in allem sind die Reben aber mit einem blauen Auge davongekommen», sagte der Rebbaukommissär.
Die Hitze und die Trockenheit hatten aber auch ihre Vorteile. Der Druck seitens der Pilzkrankheiten war gering. Den «Falschen Mehltau» habe man, so Urs Weingartner, dieses Jahr gut unter Kontrolle bringen können. Auch der «Echte Mehltau» habe keine für ihn idealen Bedingungen vorgefunden. Und dank der frühen Reife dürften die meisten Trauben auch gelesen sein, bevor sich die Kirschessigfliege einnisten kann. Anders als im vergangenen Jahr blieben die Rebbaugemeinden der Nordwestschweiz dieses Jahr bisher weitgehend von Hagelschlägen verschont.
Auch wenn der Weinjahrgang 2026 noch längst nicht «in trockenen Tüchern» ist, so vermittelten die Nordwestschweizer Weinproduzenten am Dienstag im Hofrestaurant «Schällenursli» auf dem St. Margarethengut gleichwohl den Eindruck, als ob sie die veränderten Klimabedingungen zwar nicht im Griff haben, aber immerhin unermüdlich versuchen, mit diesen zurechtzukommen. Und auch was den europaweiten Rückgang des Weinkonsums betrifft, so besteht bei den qualitätsbewussten Nordwestschweizer Winzern weiterhin Zuversicht. «Die Stimmung in unserer Region ist gar nicht so schlecht. Wir sehen das nicht so negativ», sagte Verbandspräsident Andreas Buser.

