Raus aus dem Eptinger Schatten
04.06.2026 BubendorfDas Ehepaar Friedmann im «Heimelig» in neuer Rolle
Nach vielen Jahren als Säulen im «Bad Eptingen» führen Simone und Emmanuel Friedmann seit diesem Monat in Bubendorf erstmals ihr eigenes Restaurant. Vieles ist neu im «Heimelig», manches aber auch ...
Das Ehepaar Friedmann im «Heimelig» in neuer Rolle
Nach vielen Jahren als Säulen im «Bad Eptingen» führen Simone und Emmanuel Friedmann seit diesem Monat in Bubendorf erstmals ihr eigenes Restaurant. Vieles ist neu im «Heimelig», manches aber auch altvertraut.
Jürg Gohl
«Wie damals», bemerkt Simone Friedmann halb fragend, halb sagend und giesst dem Gast Himbeersaft über die Vanille-Glace. Der Mann, der vor dem Restaurant «Heimelig» in Bubendorf sitzt, war trotz des Zweigängers zuvor gegen die süsse Versuchung machtlos und nickt der Gastgeberin zu.
Beiden ist klar, was mit «damals» gemeint ist. Lange Jahre zählten sie und ihr Ehemann Emmanuel Friedmann im «Bad Eptingen» bis zu ihrem Abgang zu den Stützen im Betrieb – sie in der Bedienung, er als Chefkoch. Diese Vergangenheit wird nicht nur durch das besagte Dessert offensichtlich, man stösst in der gesamten Speisekarte auf Vertrautes. Wie einst am Fuss des Bölchens werden auch im «Heimelig» Klassiker wie die «Fischvariationen», die Hummersuppe oder der rohe Thunfisch mit Wasabi angeboten, um nur ein paar Fisch-Beispiele zu nennen.
Vieles davon steht gar nicht erst auf der Karte. Frühere Stammkunden kennen, schätzen und bestellen diese Speisen aus Gewohnheit.
Der Chefkoch muss sich nicht fürchten, deshalb der «Werkspionage» bezichtigt zu werden, schliesslich hatte er sie selber einst im «Bad Eptingen» eingeführt. «Wenn schon», entgegnet er, «dann muss die Frage umgekehrt gestellt werden.»
Neu herausgefordert
Doch für das Wirte-Ehepaar hat sich auch sehr viel verändert, seit sie das «Heimelig» übernommen und darin am Montag erstmals Gäste empfangen haben. Es tritt aus dem Schatten des früheren Arbeitgebers. «Wir sind jetzt selbstständig mit allen Sonnen- und Schattenseiten», sagt Simone Friedmann. So müssen sie statt mit dem grossen Team von zuvor mit einer Küchen- und einer Bedienungshilfe auskommen, und neu bleibt die ganze Büroarbeit an ihnen hängen.
Statt in einem riesigen Gasthaus mit grossem Namen arbeiten sie in einem Restaurant, in dem drinnen wie draussen knapp 30 Personen verköstigt werden können. «Dafür ist es uns möglich, dem neuen Haus unsere eigene Handschrift zu verpassen», sagt die Chefin, die trotz aller Routine eine halbe Portion Nervosität nicht verbergen kann.
Dass die Friedmanns ihren alten Traum vom eigenen Restaurant verwirklichen konnten, ist einem Zufall zu verdanken. Eben hatten sie nach dem Besitzerwechsel ihre Stellen in Eptingen gekündigt, eröffnete ihnen das Vorgängerpaar bei einem Besuch im «Heimelig», dass es sich zurückziehen werde. Ein halbes Jahr später wechselte der Schlüssel die Hände und am 1. Juni öffneten sich die Türen erstmals für die Gäste.
In den ersten Tagen ist das Gasthaus praktisch ausgebucht, und der Wirt hofft, dass dies nicht nur an einer Anfangseuphorie liege. Immerhin ist alleine in Bubendorf die Auswahl für Feinschmecker beträchtlich, zumal das «Talhaus» auch – ebenfalls mit früheren «Eptingern» als Zugpferden – in eine neue Runde geht.
Nicht zu vergessen natürlich die «Osteria Tre». Und mit dem «Le Murenberg» befindet sich sogar das am besten bewertete Gourmet-Restaurant des Kantons im gleichen Gemeindebann wie das «Heimelig», das selber an der Murenbergstrasse liegt. «Kein Problem», beschwichtigt Emmanuel Friedmann. Mit Dennis Schmitt, seinem Berufskollegen dort, der wie er ein Elsässer ist, pflegte er eine gute Freundschaft. Der «Murenberg»-Chef war jedenfalls der Erste, der die Friedmanns angerufen und ihnen einen erfolgreichen Start gewünscht habe.

