Putzig, stachelig und bedroht
09.01.2026 SchweizDer Igel ist das Tier des Jahres 2026
Pro Natura hat den Igel zum Tier des Jahres 2026 ernannt. Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) lebt mit uns im Siedlungsraum. Damit dies auch weiterhin so bleibt, benötigt es zwingend mehr naturnahe Gärten, Friedhöfe und ...
Der Igel ist das Tier des Jahres 2026
Pro Natura hat den Igel zum Tier des Jahres 2026 ernannt. Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) lebt mit uns im Siedlungsraum. Damit dies auch weiterhin so bleibt, benötigt es zwingend mehr naturnahe Gärten, Friedhöfe und Grünanlagen.
Brigitt Buser
Seit 2022 befindet sich der Igel auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten in der Schweiz und gilt als «potenziell gefährdet». Grund dafür sind verdichtete Siedlungsräume mit aufgeräumten Gärten und vermehrtem Einsatz von Rasenrobotern während der Nacht. Aber auch die Klimaerwärmung mit zunehmend heissen Sommern macht dem stacheligen Säugetier zu schaffen. Die prekäre Situation wurde erkannt: Unzählige freiwillige Helfer setzen sich für den Igel ein und kümmern sich um unterernährte, dehydrierte, verletzte oder kranke Tiere. Nicht zuletzt wegen seiner zunehmend schwierigen Lebensumstände hat Pro Natura den Braunbrustigel, den einzigen in der Schweiz heimischen Vertreter aus der Igel-Familie – zum Tier des Jahres 2026 gekürt.
Mitte des letzten Jahrhunderts ist unser Igel, der als Lebensraum Klein strukturen wie Hecken, Holz- und Steinhaufen oder Feuchtgebiete bevorzugt, aus ausgeräumten landwirtschaftlichen Gebieten zunehmend in den Siedlungsraum gewandert.
In «unaufgeräumten» Gärten, Obstgärten, Friedhöfen, Parks oder einfach mit Wildpflanzen bewachsenen Ecken und Brachland in locker überbautem Siedlungsraum fand er neue Lebensräume mit einem dichten Netz von Unterschlupfmöglichkeiten und ein reiches Nahrungsangebot. Igel sind reine Insektenfresser und bevorzugen, da nachtaktiv, neben Larven (Raupen, Maden) auch adulte Tiere wie Laufkäfer, Ohrwürmer, Regenwürmer oder Aas.
Gefahr durch Mähroboter
Mit dem zunehmenden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und dem verdichteten Bauen in Siedlungsgebieten und mehr und mehr versiegelten Flächen wie Plätzen und Strassen ist nicht nur das Nahrungsangebot aus dem Siedlungsraum verschwunden, sondern auch das einst dichte Netz an Unterschlupfmöglichkeiten wird löchriger. Letztere benötigt er dringend als sichere Tagesverstecke. Igel wechseln ihren Standort öfter: Sie benötigen ein Nest für die Geburt der Jungen, ein Domizil für die Umsiedlung des Nachwuchses, wenn Gefahr droht, oder trockene Winterquartiere. In locker aufgeschichteten Asthaufen, dahintrocknenden Holzbeigen und im Hohlraum unter Gartenhäusern, die er ebenfalls gerne als Unterschlupf nutzt, findet er massenhaft Nahrung.
Wurde vor gut einem Jahrzehnt der Rasen tagsüber noch mit dem Rasenmäher gemäht, sind während der Vegetationszeit heute vermehrt nachts Mähroboter unterwegs. Sie stellen neben Fadenmähern und dem Strassenverkehr die grössten Gefahren für den Igel dar. Durch die für uns bequeme Art des Rasenschneidens erleiden Igel auf der nächtlichen Suche nach Nahrung unsägliche Qualen und den Tod.
Damit dies nicht geschieht, sollten Rasenroboter nur tagsüber in Betrieb gesetzt werden, lautet die Empfehlung von Pro Natura. Beim Einsatz
von Fadenmähern ist vorab die für den Schnitt vorgesehene Böschung, den Krautsaum in der Nähe von Hecken oder Unterschlupfmöglichkeiten nach Igeln abzusuchen. Damit Igel genügend Nahrung haben, sollten Gärten, Grünanlagen, Friedhöfe und Parks igelfreundlicher gestaltet sein. Neben dem Verzicht auf Insektizide hilft hier das Anlegen von bereits erwähnten Kleinstrukturen, Wasserstellen mit seichtem Ufer, Pflanzen von Wildstauden und -sträuchern und/oder im Nutzgarten ausgelegte Bretter, unter denen in den Abendstunden Käfer usw. hervorkrabbeln.
Ist sein Lebensraum intakt, so kann sich ein jeder Gartenbesitzer an lauen Sommerabenden daran erfreuen, wie das putzige Stacheltier auf der Suche nach Nahrung durch den Garten tippelt.
Winterlager für 50 Tiere im «Igelnest»
bbu. Der Verein Igelnest Oberbaselbiet betreibt in Tenniken und Ormalingen jeweils eine Igel-Auffangstation. Gemäss Sandra Strub vom Tenniker Igelnest befinden sich in den beiden Stationen noch jeweils 6 Igel in Pflege, die unterernährt sind und/oder unter Milben- und Pilzbefall leiden.
Zudem würden sich rund 50 Igel in einem gesicherten Aussengehege befinden.
Grund dafür ist, dass diese Tiere erst im Spätherbst aus den Igelstationen entlassen werden konnten – zu spät, um sich in der freien Natur noch ein Winterlager bauen zu können. So können sie in diesem Gehege ihren Winterschlaf in Sicherheit halten. Im Frühling werden sie nach dem Aufwachen gut gefüttert in die Freiheit entlassen.

