Premiere auf dem Pausenplatz
11.08.2026 BaselbietBildungsdirektor Markus Eigenmann erlebt in Langenbruck seinen ersten Schulstart im neuen Amt
Fragen stellen, ausprobieren und auch einmal Fehler machen: Dazu ermunterte Bildungsdirektor Markus Eigenmann die neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler in Langenbruck. Ein Grundsatz, ...
Bildungsdirektor Markus Eigenmann erlebt in Langenbruck seinen ersten Schulstart im neuen Amt
Fragen stellen, ausprobieren und auch einmal Fehler machen: Dazu ermunterte Bildungsdirektor Markus Eigenmann die neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler in Langenbruck. Ein Grundsatz, den er auch den Baselbieter Schulen und Gemeinden zugestehen will.
Pascal Kamber
Für mehr als 2500 Kinder war der gestrige Montag im Kanton Baselland ein besonderer Tag: Mit dem ersten Schultag begann für sie die obligatorische Schulzeit. Auch für den Baselbieter Bildungsdirektor Markus Eigenmann bedeutete der Tag eine Premiere: Nach seiner Wahl in den Regierungsrat im vergangenen Herbst durfte er erstmals in seiner neuen Rolle einen Schulstart begleiten. Eigenmann tat dies zusammen mit Beat Lüthy, dem Leiter des Amts für Volksschulen, in Langenbruck – dem seiner Ansicht nach idealen Ort für diesen Anlass. «Wir sind hier in der höchstgelegenen Baselbieter Gemeinde, und hier ist es auch nicht so heiss», erklärte Eigenmann bei seiner Begrüssung mit einem Augenzwinkern.
In Langenbruck wurden sieben Erstklässlerinnen und Erstklässler von ihren neuen Mitschülerinnen und Mitschülern willkommen geheissen. «Ihr gehört jetzt zu den Grossen und dürft nach den spannenden Jahren im Kindergarten in die Schule gehen. Das ist ein riesiger Schritt», sagte der Bildungsdirektor bei seiner Ansprache auf dem Pausenplatz vor den anwesenden Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern und Lehrpersonen. Er ermutigte sie dazu, Fragen zu stellen, Dinge auszuprobieren und Fehler zu machen. «Nur so lernen wir und kommen wir weiter», sagte Markus Eigenmann und überreichte anschliessend allen Erstklässlerinnen und Erstklässlern sowie den neuen Lehrpersonen eine Sonnenblume.
Nach der Begrüssung auf dem Pausenplatz verfolgten die hohen Gäste die erste Lektion des neuen Schuljahrs in der 3. und 4. Klasse. «Es ist immer schön zu sehen, wie eine typische Dorfschule funktioniert», sagte Eigenmann. Die Bedingungen seien auf dem Land wegen der laufend variierenden Klassengrössen nicht immer einfach. In das positive Bild, das sich der neue Bildungsdirektor vor Ort machen konnte, mischten sich auch persönliche Erinnerungen – jene an den eigenen ersten Schultag: «Wir waren mehr als 30 Schüler in der Klasse und hatten eine gestandene Lehrerin, die schon jahrzehntelang unterrichtete und diesen grossen Haufen ziemlich im Griff hatte.»
Direktionswechsel kein Thema
Das Baselbieter Stimmvolk wählte Markus Eigenmann vergangenen November als Nachfolger der zurückgetretenen Monica Gschwind in den Regierungsrat. In der Folge übernahm der Freisinnige von seiner Vorgängerin die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. «Ich hatte einen guten Einstieg in eine gut aufgestellte Direktion mit sehr spannenden Themen», blickt Eigenmann zurück. Er geht deshalb nicht davon aus, dass der gestrige erste Schultag gleichzeitig auch sein letzter als Bildungsdirektor war – im Gegenteil: «Ich durfte viele Leute, Institutionen und auch Schulen kennenlernen und bin hoch motiviert, diesen Job auch in den nächsten Jahren zu machen.»
Angesichts der Herausforderungen, die sich im Baselbieter Bildungswesen stellen, dürfte eine dynamische Herangehensweise keine schlechte Idee sein. Lösungen sind erwünscht – zum Beispiel bei der seit mehreren Jahren diskutierten Frage, wie Trägerschaft, Aufgaben und Finanzierung der Primarschule zwischen Kanton und Gemeinden ausgestaltet werden sollen. Finanzdirektor Anton Lauber erklärte kürzlich im Interview mit der «Volksstimme», dass sich Kanton und Gemeinden auf keine der zwei vertieft geprüften Varianten einigen konnten: «Am Ende blieben Schülerpauschalen und ein Wechsel der Trägerschaft. Beide hätten weitreichende Folgen und wären politisch schwierig umzusetzen.» Statt einer Kostenübernahme durch den Kanton suche man deshalb nach Lösungen, die den Gemeinden mehr Handlungsspielraum geben, so Lauber.
Offen für neue Ansätze
Der Ball liegt nun bei der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion und damit bei Markus Eigenmann. Dieser will mit dem Projekt «Gemeindeschulen +» die Möglichkeiten der Gemeinden ausloten: «Wir wollen herausfinden, wo man die Spielräume im Bereich der Primarstufe noch erweitern kann, damit die Gemeinden die Schule noch etwas freier gestalten können.» Dass dazu Anpassungen des Bildungsgesetzes oder der Verordnung nötig sind, schliesst Eigenmann nicht aus: «Jedes Dorf ist anders. Wir müssen schauen, dass das Bildungsangebot überall gleich ist. Wir streben das gleiche Niveau an, aber die Wege dorthin sind vielleicht verschieden.»
Der Bildungsdirektor hofft, spätestens nächsten Sommer die Resultate dieser Auslegeordnung präsentieren zu können. Er zeigt sich offen für neue Ansätze: «Ich möchte die Schulen und Gemeinden dazu ermuntern, auch einmal etwas auszuprobieren. Dass man einen gezielten Versuch macht, etwas auswertet und dann überlegt, ob das Ergebnis auch für den gesamten Kanton sinnvoll wäre.» Es sind also nicht nur die Schülerinnen und Schüler im neuen Schuljahr gefordert.


