Postraub, Fantasien und Geflüster
29.01.2026 Kultur, KienbergNeues Stück der Theaterfreunde überzeugt auf ganzer Linie
Mit der Komödie «MI$$ION MILLION» sind die «Theaterfreunde Kienberg» vor voll besetztem Haus in ihre 102. Theatersaison gestartet. Dabei geht es um das Geld aus einem Postraub, das bei allen ...
Neues Stück der Theaterfreunde überzeugt auf ganzer Linie
Mit der Komödie «MI$$ION MILLION» sind die «Theaterfreunde Kienberg» vor voll besetztem Haus in ihre 102. Theatersaison gestartet. Dabei geht es um das Geld aus einem Postraub, das bei allen unglaubliche Fantasien auslöst.
Otto Graf
Man nehme 1 Million Franken, zwei Handvoll Personen, einige der Zehn Gebote in der Bibel, in denen es um die zwischenmenschlichen Beziehungen und um das Stehlen geht, sowie einen Raubüberfall auf eine Poststelle und mache daraus eine Story, die weltweites Aufsehen erregt. Das sind die Fakten der jüngsten Kienberger Theaterproduktion. Schon der Titel «MI$$ION MILLION» lässt erahnen, dass sich das Geld wie ein roter Faden durch die Komödie aus der Feder von Hans Gmür zieht.
Es geht nicht um Dollars, wie die Schreibweise des Titels vermuten lässt, sondern um Schweizer Franken in zehn Bündeln mit je 100 Noten zu 1000 Franken Nennwert. Genau diese Summe hat sich der Posträuber Hannes Gfeller bei seinem dreisten Überfall auf das Postbüro Kienberg unter den Nagel gerissen. Doch auf der Flucht kracht er nach wenigen Metern mit seinem Auto in das «Güggelimobil» der Grillmeisterin Rosa Goldener. Also setzt der kühne Räuber seine Flucht ohne Auto zu Fuss mit dem Geld unter dem Arm fort und landet dabei in der Wohnung des auf Alarmanlagen spezialisierten Jakob Morf.
Dort vergnügt sich dessen Gattin Lisa Morf mit dem echten Postbeamten Benno Stierli. Da die Nachbarin Frieda Wehrli von ihrem Fenster aus mit dem Feldstecher, der sogar den ungetrübten Blick durch geschlossene Vorhänge bis auf die nackte Haut erlaubt, das Geschehen beobachtet, wissen bald das ganze Dorf, das Oberbaselbiet und das Fricktal, was sich im beschaulichen Kienberg zugetragen hat. Die enorm hohe Summe erweckt natürlich Begehrlichkeiten nach dem Geld, dessen Verbleib angesichts der sich überschlagenden Ereignisse zunächst unklar ist.
An der Nase herumgeführt
Die Polizei mit Kommissarin Eva Hubacher, Wachtmeister Edi Hubacher und dem höchst pflichtbewussten Aspiranten Peter Sturzenegger ermittelt nach allen Seiten. Dass die Verdächtigen mit ihren Aussagen die Polizei auf falsche Fährten leiten wollen, erstaunt nicht. Die ausgefeilte Technik der Türöffnungssysteme Morf hat ihre Tücken und tut ihr Übriges. Verwechslungen, unwahre Behauptungen sowie die gegenseitigen Anschuldigungen und Bezichtigungen nehmen chaotische Ausmasse an.
Die Dame vom «Güggeligrill» stellt eine unverschämt hohe Forderung für die beim Unfall im Strassengraben gelandeten Poulets. Auch Angelina Kunz, die lebenslustige Serviertochter aus dem «Sternen», rechnet mit einer ansehnlichen Raubdividende. Das Geld wechselt dabei fast im Minutentakt gewaltsam, zufällig oder einvernehmlich die Hand. Aber alle Player haben den Hintergedanken, sich bald ein unbeschwertes Leben in der Karibik leisten zu können.
Die Medien von der «Volksstimme» bis «CNN» rücken Kienberg in den Fokus des Weltgeschehens. Dem Polizei-Aspiranten, seines Zeichens Grenadier, ist jedes Mittel recht, um den Raub aufklären zu können. So lässt er eine Föhre, auf der sich ein Tatverdächtiger versteckt hat, fällen. Doch auch das löst die Probleme nicht.
Regisseur Rolf Marti hat den Dreiakter des bekannten Autors Hans Gmür in einigen Passagen auf die lokalen Verhältnisse umgeschrieben und dabei auch einige Personen und Begebenheiten eingebaut, die im Original nicht vorkommen. Dabei ist ein Stück entstanden, das eine Geschichte mit allen Details aus der Region erzählt. Manches ist dabei erfunden, was aber gerade deswegen den Reiz der Komödie ausmacht.
Das Publikum war begeistert und kam in den Genuss eines unbeschwerten Abends. Nach der Premiere am Samstag und der Nachmittagsvorstellung folgen an den nächsten beiden Wochenenden vier weitere Aufführungen. Während der Verein Theaterfreunde Kienberg jeweils für das Stück verantwortlich ist, sorgen der STV und der DTV Kienberg für das leibliche Wohl ihrer Gäste – eine Praxis, die sich seit Jahren bewährt. Besonders geehrt wurde heuer Peter Rippstein, der seit 45 Jahren für das Bühnenbild zuständig ist.
Weitere Aufführungen in der MZH Kienberg am Samstag, 31. Januar, abends, am Sonntag, 1. Februar, nachmittags, sowie am 6. und 7. Februar, jeweils abends. Vorverkauf via www.theater-kienberg.ch oder 079 882 37 87, jeweils Montag bis Mittwoch von 19.30 bis 20.30 Uhr.

