Politik befasst sich wieder mit Klimaschule
06.02.2026 GelterkindenSVP-Landrat Markus Graf befürchtet ideologischen Unterricht
Nach kritischen Fragen von FDP-Landrat Stefan Degen im November 2024 zu einer Veranstaltung zum Klimawandel gibt es erneut Kritik aus der Politik an der als «Klimaschule» zertifizierten Sekundarschule ...
SVP-Landrat Markus Graf befürchtet ideologischen Unterricht
Nach kritischen Fragen von FDP-Landrat Stefan Degen im November 2024 zu einer Veranstaltung zum Klimawandel gibt es erneut Kritik aus der Politik an der als «Klimaschule» zertifizierten Sekundarschule Gelterkinden.
Tobias Gfeller
Die Themen Natur, Umwelt und Klima spielen an der Sekundarschule Gelterkinden seit Jahren eine grosse Rolle. Das langfristige Ziel war die Zertifizierung als «Klimaschule» durch den Verein «MyBluePlanet», der sich für ein nachhaltiges Handeln und Netto-Null-Emissionen einsetzt.
2021 werteten erste und zweite Klassen während einer Woche die Schulraumumgebung ökologisch auf und befassten sich mit den Themen Biodiversität, Ernährung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Am Aktionstag «Impulse Day» beschäftigte sich die Schule im Jahr 2022 auf spielerische Art und Weise mit den Themen Ressourcen, Klimawandel, Ernährung und Energie. Dazu gab es ein «Klimazmittag». Im Oktober 2023 absolvierte die gesamte Schülerschaft der Sekundarschule Gelterkinden den «Impact Day Energie».
Im vergangenen September wurde die Schule zur «Klimaschule» zertifiziert. «Es ist uns ein grosses Anliegen, den Schülerinnen und Schülern Lebenskompetenzen zu vermitteln, die ihnen eine positive Zukunftsperspektive eröffnen», schreibt Schulleiter Roger Leoni auf der Website klimaschule.ch.
Die Sekundarschule Gelterkinden ist die einzige Schule im Baselbiet, die als Klimaschule zertifiziert ist.
In bürgerlichen Kreisen stösst das Engagement der Sekundarschule auf Skepsis. 2024 stellte der damalige Gelterkinder FDP-Landrat Stefan Degen kritische Fragen zu einer Veranstaltung zum Klimawandel, die seiner Meinung nach und auch nach Meinung der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) des Kantons Baselland nicht ausgewogen besetzt war.
SVP-Landrat und Fraktionschef Markus Graf (Maisprach) reichte vergangene Woche eine Interpellation ein, mit der er vom Regierungsrat Antworten zur Ausgestaltung der Klimaschule fordert. Graf sieht auf den Webseiten der Sekundarschule Gelterkinden und der Klimaschule «eine gewisse Ballung von Fürsprechern aus dem rot-grünen Lager sowie einschlägiger NGOs». Graf befürchtet eine einseitige Betrachtungsweise des Klimawandels und einen ideologischen Unterricht.
«Kein ideologischer Unterricht»
Mit der Interpellation wolle er keine Grundsatzkritik an der Sekundarschule Gelterkinden äussern, versichert Markus Graf auf Anfrage. «Die Schule macht auch tolle Sachen. Mir geht es darum, zu erfahren, was hinter der Klimaschule genau steckt.» Der SVP-Landrat aus Maisprach möchte unter anderem wissen, wie an der Schule sichergestellt wird, dass die verschiedenen politischen Lösungsansätze gleichmässig gewichtet werden.
«Wird auch auf die Gefahren der heute angestrebten (und von den auf der Website abgebildeten Referenzpersonen propagierten) Energiewende hingewiesen, konkret Energiemangel und der damit verbundene potenzielle wirtschaftliche Abstieg?», fragt er in seiner Interpellation. Weiter will er wissen, ob den Schülerinnen und Schülern klar gemacht wird, «dass viele der geforderten Massnahmen zum Klimawandel einen enormen Verzicht von zumindest grossen Teilen der Bevölkerung bedingen würden».
Schulleiter Roger Leoni ist überrascht, dass zum jetzigen Zeitpunkt ein Vorstoss im Landrat eingereicht wird, da die Bildungsziele und -angebote der Sekundarschule Gelterkinden in Sachen Klimaschule seit Jahren bekannt sind. Für Leoni sind eine positive Zukunftsperspektive für Schülerinnen und Schüler sowie die Selbstwirksamkeit über die Handlungsorientierung die Kernelemente der Klimaschule in Gelterkinden. «Es findet kein ideologisch gefärbter Unterricht statt. Wir orientieren uns an wissenschaftlichen Fakten.» Auf die einzelnen Fragen der Interpellation möchte Leoni an dieser Stelle nicht weiter eingehen, da die Beantwortung im Landrat noch ausstehend ist. «Wir sind offen für Gespräche mit der Bildungsdirektion und auch mit Markus Graf, wenn dies gewünscht wird.»
Auf der Website der Klimaschule äussert sich Schulleiter Roger Leoni ausführlicher: «Mit den Schülerinnen und Schülern sollen Zukunftsvisionen entwickelt und konkrete Projekte umgesetzt werden. Das Hinterfragen, Diskutieren und Entwerfen von Lösungen befähigt sie, sich mit ihren Haltungen und Sichtweisen auseinanderzusetzen. Gemeinsam gestalten wir den Weg der Zukunft.»
Auf der Website der Schule selber heisst es zur Klimaschule weiter: «Wir entwickeln konkrete erlebnis- und handlungsorientierte Bildungsaktivitäten und integrieren Themen der nachhaltigen Entwicklung und Klimaerwärmung in den Unterricht.» Im Klimarat werde den Schülerinnen und Schülern der Rahmen geboten, «sich zu engagieren und konkrete, sinnstiftende Projekte umzusetzen – auf dem Weg in eine lebenswerte, zukunftsfähige Welt».

