Pleiten, Pech, Pinsa und Pins
26.02.2026 Fasnacht, Sissach«Dr Glöggeliwagä» trotzt den «Fake News»
Gewohnt zuverlässig zum Sissacher Umzug ist auch die neueste Ausgabe des «Glöggeliwagä» erschienen. Es ist – Ausrufezeichen – die 88. Ausgabe. Wie immer steckt die Fasnachtszeitung ...
«Dr Glöggeliwagä» trotzt den «Fake News»
Gewohnt zuverlässig zum Sissacher Umzug ist auch die neueste Ausgabe des «Glöggeliwagä» erschienen. Es ist – Ausrufezeichen – die 88. Ausgabe. Wie immer steckt die Fasnachtszeitung voller Seitenhiebe und bietet reichlich Stoff zum Schmunzeln.
Neofütt
Die fünf Tage der Sissacher Fasnacht – sie beginnt mit dem Umzug einen Tag vor und endet mit dem «Chluuri» einen Tag nach «Basel» – können schon sehr lang werden. Da bietet «dr Glöggeliwagä» seit bald 90 Jahren allen eine willkommene Abwechslung, die sich auch etwas Fasnachtsfieber in der Stube wünschen, wenn es ihnen draussen zu warm für Fasnacht wird.
Doch der Warnhinweis für die 36 Seiten, die uns die Fasnachtsgesellschaft Sissach (FGS) auch dieses Jahr wieder vorsetzt, gilt weiterhin: Seine «Gwundernase» kurz in die altehrwürdige Zeitung zu stecken, geht nicht. Die Lesenden – die geschlechtsneutrale Bezeichnung wird dieses Mal bis zum Gehtnichtmehr durchgezogen – bleiben da hängen, lesen dort weiter. Plötzlich ist ein halber Tag, ein vergnüglicher, verstrichen und die Zeit zum Schnitzelbank-Abend, zum Gugge-Konzert vor der «Volksstimme» oder dem «Chluuri» drängt.
Hat uns zwei Tage zuvor bereits der «Gurlifiengger», die Fasnachtsbeilage besagter «Volksstimme», mehrere Oberbaselbieter Themen der vergangenen Tage humorvoll aufbereitet, so setzt der «Glöggeliwagä» (um die originale, nicht originelle Orthografie zu übernehmen) noch den einen oder anderen drauf. Beide finden sich im Gegensatz zu den «drey scheenschte Dääg» in Basel ganz ohne Trump und Konsorten zurecht. Was die können, können wir längst. Die Ereignisse vor der Haustür von «Ammel» bis Zunzgen mit Schwerpunkt «Sissech» reichen da vollauf.
Konsequent finden sich die Berichte aus den Nachbardörfern wie gewohnt unter der Ressortbezeichnung «Ussland»: etwa das Philosophieren zur ausgefallenen 1.-August-Feier in «Geldverschwinden», das Verschwinden des harmlosen und bald armlosen Holz-Ungetüms in «Dürne» oder der gar nicht erst erbaute Trailpark in «Üttige». Die Wirren um die Zunzger Jagdgesellschaften, die sich aufeinander eingeschossen haben, finden in der aktuellen Ausgabe ebenfalls angemessen Platz. Als Sissach-Süd wird das Dorf, das die Sissacher Lehrer neu zu ihrem Gratis-Parkplatz erkoren haben, meistens bezeichnet.
Chlausen-Ehre an Zunzger
Dorthin ist auch Rölli aus dem «Sissecher» Kamber-Clan vor einer gefühlten Ewigkeit emigriert. Gleichwohl fällt ihm in diesem Jahr die Ehre zu, mit einem doppelseitigen Porträt in die «Galerie berühmter Sissacher Chläuse» aufgenommen zu werden. Dazu reichen, erst recht bei einem Abtrünnigen, seine Verdienste um das Eishockey nicht aus. Als leidenschaftlicher Tambour hat er aber an der hiesigen «Fasnecht» Traktorspuren hinterlassen.
An Rölli Kamber zeigt sich eine grosse Stärke dieser Fasnachtszeitung. Sie stellt nicht verdienstvolle Persönlichkeiten in den Vordergrund, die bereits das ganze Jahr über im Rampenlicht stehen. Dass in «Sissech» Ständerätin Maya Graf, Noch-Regierungsrat Isaac Reber (Rücktritt nächstes Mal mit Fasnächtlern absprechen, bitte!) oder etwa Hockey-Gott Kevin Schläpfer von klein auf da wohnen, bemerkt man kaum. Ins Licht werden Leute und Ereignisse gestellt, die entweder viel Insiderwissen oder reichlich Sitzleder an den Stammtischen erfordern. Damit steckt im dicksten Lob an die anonymen Lokaljournalistenkollegen zugleich die auch grösste Kritik.
Bitte merken
Letztlich gilt das auch für die Sujets. Das zurückliegende Jubiläumsjahr wird dezent abgehandelt. Natürlich: Um die «Sonne» und ihre Pinsa in der Dauerschleife lässt sich kein Bogen schlagen. Und in den Zweizeilern auf der Seite «Wärbig», mit denen sich die Redaktion bei ihren Kleinsponsoren bedankt, wird das Gasthaus ausdrücklich ausgeklammert mit dem Hinweis: «Prässefreiheit isch eus wichtig.»
Sieht man von den Seitenhieben auf die offenbar in Unmengen vorhandenen unverkauften Pins ab, die sich auf die ganze Zeitung verteilt immer wieder finden, findet sich auch das «Sissecher» Doppel-Jubiläum – vom Umfang, nicht vom Zynismus her – zurückhaltend kommentiert. Gut beraten ist übrigens, wer sich das kurze, englische Wort für Anstecknadel bis zum Schluss merkt. Denn auf der 36. und letzten Seite wartet wie gewohnt ein kleines Kreuzworträtsel, in dem das Gelesene abgefragt wird und auch mal retour oder ums Eck geschrieben werden muss. Miniplakette?

