Pharma frei von US-Zöllen, andere trifft’s hart
04.04.2025 BaselbietDie regionale Wirtschaft könnte in der Rolle als Zulieferer stark betroffen sein
Zwei Wirtschaftsbereiche machen die Region Basel aus: Pharma und die auf Präzisionstechnologien spezialisierten Zulieferer. Sie dürften die am Mittwoch verhängten hohen ...
Die regionale Wirtschaft könnte in der Rolle als Zulieferer stark betroffen sein
Zwei Wirtschaftsbereiche machen die Region Basel aus: Pharma und die auf Präzisionstechnologien spezialisierten Zulieferer. Sie dürften die am Mittwoch verhängten hohen Reziprozitäts-Zölle der Regierung Trump zu spüren bekommen, sagen Fachleute.
Peter Sennhauser
31 Prozent Zoll werden ab Samstag auf Produkte aus der Schweiz fällig, die in die USA eingeführt werden. Damit trifft Donald Trumps Zollwut die Eidgenossenschaft weit stärker als erwartet – und als viele andere Länder. Die Region Basel ist, wie die Schweiz als Ganzes, ein ausgeprägter Export-Wirtschaftsstandort. Allein die Basler Pharmakonzerne führen 50 Prozent ihrer Produktion in die USA aus.
Just dieser Teil der hiesigen Wirtschaft scheint ungeschoren davonzukommen: «Pharmazeutische Produkte sind von den Zöllen ausgenommen», sagt der Sprecher der Bubendörfer Bachem AG, Daniel Grotzky, und verweist auf ein Faktenblatt, welches das Weisse Haus gestern veröffentlichte – freilich ohne weitere Details zu erläutern, wie internationale Korrespondenten bemängelten. Auch sonst ist über die Details der neuen Handelshemmnisse wenig klar. «Wir beobachten die Entwicklung sehr genau», sagt Grotzky. Er bleibt optimistisch: «Medizinische Wirkstoffe sind nichts, was man schnell ersetzen kann.»
Maschinen sind Investitionen
«Unsicherheit ist Gift für die Investitionsgüterindustrie», wiederholt Stefan Brupbacher seit Wochen seine Warnung: Der Direktor des Maschinenhersteller-Verbands Swissmem gibt sich in Medieninterviews besorgt. Denn in unsicheren Zeiten tendiert die Kundschaft der Maschinenindustrie dazu, Neuanschaffungen aufzuschieben.
Dadurch könnte die Schweizer Wirtschaft rasch in Bedrängnis geraten.
Der Leiter der Baselbieter Standortförderung, Thomas Kübler, stimmt zu: «Wir haben damit gerechnet, dass etwas kommt, aber die Ankündigung von 31 Prozent ist eine happige Botschaft. Wir sind als Exportkanton auf den freien Handel angewiesen.» Besonders «unangenehm» sei auch die extreme Differenzierung zwischen den Exportländern. «Denn damit werden nicht einfach alle Produkte in den USA gleich viel teurer, sondern diejenigen der Schweizer Hersteller verteuern sich mehr als das Äquivalent aus einem anderen Land», sagt Kübler.
Als Zulieferer betroffen
Das könnte die Kunden in den USA dazu bringen, sich nach einer günstigeren Variante anderswo umzusehen. «Abschwächend ist dazu festzuhalten, dass alle, die in der Schweiz produzieren, doch eher spezialisierte Produkte anbieten, für die ein Ersatz nicht so leicht zu finden ist», so Kübler. Die USA seien für die Schweiz nach der EU das zweitwichtigste Exportziel, und das gelte auch fürs Baselbiet. Trumps Ankündigung schaffe eine ungute Situation, aber er hoffe noch, dass der Bundesrat in direkten Verhandlungen das Schlimmste abwenden könne.
Die Zölle seien zunächst für die direkt exportierenden Unternehmen ein Problem. Dazu gehört beispielsweise die Uhrenindustrie mit der «Oris». Viele grosse und kleinere Firmen in der Region verdienen ihr Geld mit Exporten, aber auch als Zulieferer der Schweizer Exportindustrie. Das macht sie zu möglichen Opfern des Handelskriegs. Dazu könnte die ganze Feinmechanik- und Präzisionstechnologie von Unternehmen wie der «Ronda», «Renata», «Regofix», aber auch eine auf Isolation und Reinraumtechnologie spezialisierte Allschwiler «Skan» gehören. Konsum- und Alltagsgüter werden im Baselbiet weniger hergestellt, allerdings könnte auch die in den USA bestens bekannte «Ricola», die ausschliesslich in der Schweiz produziert, von den Zöllen hart getroffen werden.
Nach möglichen Strategien befragt, welche die Unternehmen einschlagen könnten, sagt Kübler: «Niemand kann bis nächsten Samstag einen neuen Exportmarkt aufbauen. Langfristig müssen sich aber wohl alle darauf einstellen, stärker zu diversifizieren. Natürlich werden jetzt auch alle nochmals den Kostenblock überdenken und Einsparungen suchen müssen. Und als Drittes schliesslich werden alle mit ihren Kunden in den USA reden und schauen müssen, was man auf sie überwälzen kann.»
Immerhin mache ihm Hoffnung, dass die Konjunkturforscher immer noch von einem Wachstum von 1,2 Prozent für die Schweiz ausgingen, so Kübler. «Und da das Baselbiet leicht besser unterwegs war als die Schweiz, können wir auf etwas mehr hoffen.»
