Pfl icht, Kosten und offene Risiken
10.02.2026 PolitikAndi Trüssel, Landrat SVP, Frenkendorf
Die Solar-Initiative ist ein gefährliches Experiment auf dem Rücken der Bevölkerung. Statt auf Planung, Koordination und Versorgungssicherheit setzt sie auf flächendeckenden Zwang. Die Folgen sind ...
Andi Trüssel, Landrat SVP, Frenkendorf
Die Solar-Initiative ist ein gefährliches Experiment auf dem Rücken der Bevölkerung. Statt auf Planung, Koordination und Versorgungssicherheit setzt sie auf flächendeckenden Zwang. Die Folgen sind absehbar: ein überlastetes Stromnetz, explodierende Kosten und ein massiv erhöhtes Blackout-Risiko.
Der forcierte Ausbau der Solarenergie klingt auf den ersten Blick überzeugend. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Stromversorgung mehr ist als installierte Leistung. Photovoltaik produziert vor allem im Sommer und tagsüber. Im Winterhalbjahr, wenn der Strombedarf hoch ist, liefert sie weniger als ein Drittel ihrer Jahresproduktion. Das zentrale Problem liegt deshalb nicht bei der Jahresmenge, sondern bei der Verfügbarkeit zur richtigen Zeit.
Hinzu kommt die Belastung der Stromnetze. Wenn viele Solaranlagen gleichzeitig Strom einspeisen, entstehen lokale Lastspitzen. Die Verteilnetze müssen dann für kurze Spitzenzeiten massiv verstärkt werden. Solche Infrastrukturen sind teuer. Die Kosten dafür tragen nicht der Kanton oder die Initianten, sondern alle Stromkunden über höhere Netztarife. Für KMU bedeutet dies steigende Betriebskosten und zusätzliche Unsicherheit.
Zudem ignoriert die Initiative die Realität des Stromsystems im Winter. Die Schweiz ist in der kalten Jahreszeit bereits heute auf Stromimporte angewiesen. Gleichzeitig steigen Verbrauch und Elektrifizierung weiter, etwa durch Wärmepumpen und Elektromobilität. Wer einseitig auf Sommerstrom setzt, ohne gesicherte Winterkapazitäten zu schaffen, verschärft die Abhängigkeit vom Ausland und erhöht das Risiko von Engpässen.
Häufig wird eingewendet, Batterien könnten dieses Problem lösen. Batterien sind sinnvoll, um den Eigenverbrauch zu erhöhen oder kurzfristige Schwankungen auszugleichen. Für die saisonale Speicherung von Sommerstrom bis in den Winter (2040, 15 Terawattstunden) sind sie jedoch keine Lösung. Beispielrechnungen zeigen, dass dafür mehr als 100 000 Grossbatterien (130 Megawattstunden) nötig wären. Der dafür benötigte Platz entspräche in etwa der Fläche des Kantons Graubünden (630 Quadratkilometer). Selbst bei stark sinkenden Preisen würden die Investitionskosten weit mehr als 2000 Milliarden Franken betragen. Das ist weder finanzierbar noch praktikabel.
Was geschieht, wenn Einspeisung und Netz nicht im Gleichgewicht sind, zeigte sich jüngst auf der Iberischen Halbinsel. Je höher der Solaranteil am Strommix ist, umso instabiler wird das Netz. Der grossflächige Stromausfall in Spanien verdeutlichte, wie empfindlich Stromsysteme auf Überlastungen und fehlende Steuerung reagieren. Das Blackout wurde durch einen Solaranteil von mehr als 60 Prozent verursacht. Das Blackout in Spanien lässt grüssen, nicht als Panikbild, sondern als Warnung, Ausbau und Netzstabilität gemeinsam zu denken.
Dabei wird oft ausgeblendet, dass der Ausbau erneuerbarer Energien bereits heute durch bundesrechtliche Vorgaben und kantonale Förderprogramme vorangetrieben wird. Für bestimmte Neubauten bestehen schon Solarpflichten. Anreize ermöglichen einen gezielten Ausbau dort, wo er technisch sinnvoll und wirtschaftlich tragbar ist. Zusätzlicher Zwang erhöht dagegen Kosten, Bürokratie und Konflikte. Die Solar-Initiative blendet dies ebenso aus wie die Umweltbelastungen in Lieferländern der Solartechnologie, etwa durch Rohstoffabbau und Produktion in China oder im Kongo. Darum braucht es ein klares Nein.

