PFAS in der Milch – was nun?
10.07.2026 BaselbietBei 30 von 202 Landwirtschaftsbetrieben liegt die Belastung am oder über dem EU-Richtwert
Erstmals ist die Rohmilch aller Baselbieter Milchproduzentinnen und Milchproduzenten auf PFAS untersucht worden. Bei 30 von 202 Betrieben lag die Belastung mit PFOS am oder über dem ...
Bei 30 von 202 Landwirtschaftsbetrieben liegt die Belastung am oder über dem EU-Richtwert
Erstmals ist die Rohmilch aller Baselbieter Milchproduzentinnen und Milchproduzenten auf PFAS untersucht worden. Bei 30 von 202 Betrieben lag die Belastung mit PFOS am oder über dem Richtwert, der in der EU gilt. Konsequenzen hat dies vorerst keine.
David Thommen
PFAS sind als sogenannte Ewigkeitschemikalien bekannt. Sie sind schwer abbaubar und werden seit Jahrzehnten in Industrieprozessen und Konsumprodukten eingesetzt. Einige dieser Stoffe stehen im Verdacht, negative Auswirkungen auf die Gesundheit zu haben, etwa auf Leber, Nieren, das Geburtsgewicht oder die Wirksamkeit von Impfungen. In der Umwelt sind PFAS inzwischen weit verbreitet. Landwirtschaftliche Nutztiere können damit nicht nur über Futtermittel in Kontakt kommen, sondern auch über Boden oder Tränkewasser – etwa dort, wo früher belasteter Klärschlamm ausgebracht oder PFAS-haltiger Feuerlöschschaum eingesetzt wurde.
Das kantonale Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat in Zusammenarbeit mit dem Bauernverband beider Basel zwischen dem 31. Januar und dem 10. Februar dieses Jahres bei sämtlichen 202 Milchbetrieben Rohmilchproben genommen. Die Proben wurden direkt ab Hof im Milchtankwagen oder in Milchsammelstellen erhoben.
15 Prozent betroffen
Bei 172 Proben – also bei 85 Prozent der Baselbieter Betriebe – wurden entweder keine PFAS gefunden oder die Rückstände lagen unter dem Richtwert der EU von 0,020 Mikrogramm pro Kilogramm für PFOS in Milch. Bei 30 Proben hingegen waren PFAS-Rückstände am oder über diesem Richtwert nachweisbar. Wo PFAS gefunden wurden, handelte es sich laut Bericht ausschliesslich um PFOS, also um Perfluoroctansulfonsäure. Die Verwendung dieser Substanz ist in der Schweiz seit 2011 verboten. Auf welchen Landwirtschaftsbetrieben im Kanton die Belastungen gemessen wurden, ist dem Bericht nicht zu entnehmen.
Für Konsumentinnen und Konsumenten ändert sich vorerst nichts. Das Amt hält fest, dass die Milch gemäss den heute gültigen Bestimmungen weiterhin uneingeschränkt abgegeben, verarbeitet und konsumiert werden kann. Der Grund: Für Milch existieren – anders als etwa für Trinkwasser, Fisch, Fleisch oder Eier – noch keine gesetzlichen PFAS-Höchstwerte. Die Europäische Union empfiehlt ihren Mitgliedstaaten allerdings, Milch und Milchprodukte auf PFAS zu untersuchen. Bei einer Überschreitung der Richtwerte soll eine Ursachenanalyse veranlasst werden; die Milch darf aber weiterhin abgegeben und konsumiert werden.
Der Kanton Baselland rechnet offenbar damit, dass das Thema rechtlich relevanter werden könnte. Im Bericht heisst es, die Europäische Union werde anhand der Monitoringdaten voraussichtlich einen neuen Höchstwert für PFAS in der Milch festlegen. Es sei davon auszugehen, dass allfällige neue Höchstwerte ins Schweizer Lebensmittelrecht übernommen würden, damit Schweizer Milch und Milchprodukte weiterhin exportiert werden könnten.
Zweitmessung möglich
Baselbieter Betriebe, bei denen der Richtwert überschritten wurde, können sich nun freiwillig beim Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen melden und eine Zweitbeprobung durchführen lassen. Damit soll überprüft werden, ob sich der erste Befund bestätigt. Ist dies der Fall, empfiehlt der Kanton den Betrieben, gemeinsam mit den kantonalen Behörden die Ursache der Belastung abzuklären. Ziel sei es, bereits vor der Einführung möglicher neuer Höchstwerte nach Lösungen zu suchen, um die PFAS-Gehalte in der Milch zu senken.
Wie einfach dies sein wird, ist offen. PFAS sind langlebig, gelangen über unterschiedliche Wege in die Umwelt und betreffen damit nicht nur die Landwirtschaft. Der Regierungsrat hat deshalb laut einer Mitteilung am 23. Juni eine interdirektionale Arbeitsgruppe PFAS eingesetzt. Die Verwaltung soll bis Ende September einen Projektauftrag ausarbeiten. Damit sollen die kantonalen Aktivitäten und die Mitarbeit in nationalen Arbeitsgruppen koordiniert werden. Betroffene Gruppen wie die Landwirtschaft sollen dadurch einen klaren Ansprechpartner erhalten.
Im Vergleich mit anderen Kantonen ordnet das Baselbiet seine Resultate als durchschnittlich und etwa vergleichbar mit Zürich ein. Was die Befunde konkret für die betroffenen Milchbetriebe bedeuten, bleibt vorerst eine der wichtigsten offenen Fragen. Wir haben Kantonschemiker Peter Brodmann und Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbands beider Basel, jeweils um eine Einschätzung gebeten, siehe unten.

