«Obereital» scheidet die Geister
15.09.2026 Kilchberg, Zeglingen, RünenbergNamensvorschlag für Fusionsgemeinde kommt unterschiedlich an
Wie soll die aus Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen fusionierte Gemeinde heissen? Während der Vorschlag «Obereital» in Kilchberg auf viel Zustimmung stösst und in Zeglingen gelassen aufgenommen ...
Namensvorschlag für Fusionsgemeinde kommt unterschiedlich an
Wie soll die aus Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen fusionierte Gemeinde heissen? Während der Vorschlag «Obereital» in Kilchberg auf viel Zustimmung stösst und in Zeglingen gelassen aufgenommen wird, fremdeln die Rünenberger damit.
Christian Horisberger/Pascal Kamber
«Obereital» soll die neue Gemeinde also heissen, zu der sich Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen zusammenschliessen wollen. Diesen Vorschlag favorisiert die für die Namenssuche zuständige Facharbeitsgruppe, wie vor einer Woche im Gemeindehaus in Zeglingen bekannt wurde. Damals präsentierten die Arbeitsgruppen ihre bisherigen Ergebnisse einer «Echogruppe». Ihre Begründung: Kilchberg liegt auf der Hochebene des oberen Eitals, Zeglingen an dessen südlichem Ende. Rünenberg befindet sich auf einer Anhöhe zwischen Homburgerund Eital. Einheimischen sage der Name etwas, erklärte der externe Projektleiter Peter Weber vergangene Woche (die «Volksstimme» berichtete). «Es ist kein Fantasiename.»
Unter Dach und Fach ist bei der Namensfindung jedoch noch gar nichts. Rund 250 Vorschläge gingen laut Weber bei einer öffentlichen Umfrage ein. In die engere Auswahl schafften es unter anderem «Obereibach», «Schönegg» und «St. Martin». Bislang handelt es sich lediglich um eine Empfehlung der Arbeitsgruppe. Wie die neue Grossgemeinde heisst, entscheiden am Ende die Einwohnerinnen und Einwohner aus Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen. Aus diesem Grund hat die «Volksstimme» bei ihnen den Puls gefühlt und nachgefragt, was sie von «Obereital» halten.
«Nahe bei den Menschen»
«Ich bin begeistert», «gefällt mir», «gar nicht schlecht»: In Kilchberg fällt das Echo auf den vorgeschlagenen Ortsnamen für eine fusionierte Gemeinde positiv aus. Die drei von der «Volksstimme» telefonisch kontaktierten Personen finden «Obereital» insbesondere deshalb eine gute Wahl, weil sich alle drei Dörfer – und zu einem späteren Zeitpunkt womöglich weitere – darin wiederfinden könnten. «Und weil er nichts mit dem Wisenberg zu tun hat», wie der frühere Gemeindepräsident Marcel Aeschbacher sagt. Der «arme Berg» müsse schon für genügend Organisationen herhalten: Feuerwehrverbund, Naturschutzverein, Schule, Jodlerverein … Er sei auch froh, dass sich die zuständige Kommission nicht für einen Fantasienamen entschieden hat, sondern einen mit Bezug zum Standort der drei Dörfer.
«Der Name tönt gut, ist prägnant und sagt aus, wo sich die Gemeinden befinden», sagt alt Gemeinderat Georges Krieg, «er ist nahe bei den Menschen.» Dies, obwohl im hiesigen Sprachgebrauch vom «oberen Eital» bisher nicht die Rede sei. «Ich habe mich etwas an den Namen gewöhnen müssen», sagt denn auch Gerald Meier vom Verein «Kilchberg läbt». Nun aber finde er ihn toll. Und klug gewählt, weil er keine Gemeinde bevorzuge und Raum für weitere Partner lasse. «Ausserdem wäre mir kein besserer eingefallen.»
Wissend, dass der Ortsname wie auch das Wappen stark emotional besetzt sind, relativiert Marcel Aeschbacher deren Gewicht: «Bei einer Fusion gibt es für die beteiligten Gemeinden viele wichtigere Themen.» Er sei davon überzeugt, dass sich beim Namen und auch beim Wappen ein Kompromiss finden lässt.
Emotionaler Abstieg
In Rünenberg hält sich die Freude über den Vorschlag derweil in Grenzen. Zumindest, wenn man jene fünf Personen als Massstab nimmt, mit denen die «Volksstimme» gestern vor dem Dorfladen gesprochen hat. Ob «fremd», «speziell» oder «gewöhnungsbedürftig»: Der Tenor ist mehrheitlich negativ geprägt. «Ich finde den Namen fürchterlich», sagt Urs Grieder und ergänzt: «Das ist für mich ein Abstieg wie vom Berg ins Tal.» Als Rünenberger fehle ihm schlicht der Bezug zum Eital: «Bei uns sieht man das Tal nicht, von Kilchberg aus wenigstens ein bisschen.» Deutlich besser leben könnte Grieder mit einem anderen Vorschlag: «Obersisgau». Der Sisgau war eine mittelalterliche Landgrafschaft in der Nordwestschweiz. «Zu diesem Namen hätten wir alle einen historischen Bezug.»
Auch Daniela Wenger stutzt beim Vorschlag «Obereital» und fragt sich: «Gehören wir überhaupt zum Eital? Das liegt doch in Tecknau.» Aus diesem Grund bevorzugt die Rünenbergerin eher «St. Martin» – den Namen der Kirche in Kilchberg. Ähnlich klingt es bei Katja Henny: «‹Obereital› hat mit Rünenberg nicht viel zu tun. Ich hätte jetzt eher mit ‹Am Wisenberg› gerechnet.»
Name ist Auslegungssache
Ein paar Meter weiter südlich präsentiert sich in Zeglingen ein anderes Bild: Am oberen Ende des Eitals gehen die Einwohnerinnen und Einwohner gelassener mit dem Namensvorschlag um. «Für mich spielt es keine Rolle, wie die Gemeinde heissen wird. Die Namen der drei Gemeinden bleiben sowieso bestehen», sagt Priska Müller. Auch Werner Schwob findet Gefallen an der Idee, schliesslich liege «sein» Dorf in unmittelbarer Nähe zur Quelle des namengebenden Bachs. «Ich verstehe aber, dass die Menschen in Rünenberg vermutlich mehr Mühe mit dem Namen haben, weil sie nicht im Eital zu Hause sind», sagt Schwob.
Kurt Meier vom Sägerei-Betrieb in Zeglingen sieht es gleich: «Als ich zum ersten Mal von ‹Obereital› hörte, habe ich mich gefragt, ob wir Rünenberg damit nicht ausschliessen würden.» Je mehr er aber darüber nachdachte, desto stärker kam Meier zum Schluss, dass es darum geht, wie man den Namen auslegt: «Rünenberg befindet sich gewissermassen oben am Eital. Wenn wir das so definieren, ist der Name für alle Gemeinden sinnvoll.»

