Oberbaselbieter Firmen im Rampenlicht der Swissbau
23.01.2026 BaselVon Insektenschutz über Leuchten bis zum Holzrahmenhaus: Lokale Unternehmen zeigen Innovation, Handwerkskunst und Nachhaltigkeit
Die Swissbau in Basel ist die wichtigste Schweizer Baumesse – und für einige Oberbaselbieter Firmen ein Schaufenster, um Produkte und ...
Von Insektenschutz über Leuchten bis zum Holzrahmenhaus: Lokale Unternehmen zeigen Innovation, Handwerkskunst und Nachhaltigkeit
Die Swissbau in Basel ist die wichtigste Schweizer Baumesse – und für einige Oberbaselbieter Firmen ein Schaufenster, um Produkte und Handwerkskunst einem breiten Publikum zu präsentieren. Ein Rundgang zeigt, wie G&H, Firalux, Flexo und PM Mangold Innovation, Nachhaltigkeit und Qualität verbinden.
Luana Güntert
Die Swissbau in Basel ist gross, unübersichtlich und thematisch breit. Wer hier unterwegs ist, braucht einen Plan. Für die «Volksstimme» lautet er: gezielter Rundgang zu den Firmen aus dem Oberbaselbiet, die an der wichtigsten Schweizer Baumesse ausstellen.
Noch bevor die Messe um 9 Uhr öffnet, beginnt der Rundgang. Mit dem Hallenplan in der Hand gehts zuerst zum Stand der G&H Insektenschutzgitter GmbH aus Buckten. Das Messeteam ist vollständig vor Ort, die Produkte montiert, die Präsentation steht. Bevor der Besucherstrom einsetzt, bleibt Zeit für ein erstes Gespräch – und für den Start des Rundgangs.
Seit 1999 ist das Unternehmen an der Swissbau präsent – kaum ein anderer Aussteller kennt die Entwicklung der Messe so gut wie Inhaber und Geschäftsführer Roger Hammernick. Entsprechend nüchtern fällt seine Einschätzung aus: Die Erfolge an der Swissbau seien in den vergangenen Jahren kleiner geworden, nicht wegen mangelnden Interesses am Produkt, sondern wegen veränderter Rahmenbedingungen. Seit die Messe grösstenteils nicht mehr am Samstag stattfindet, fehlen vor allem Privatpersonen, die konkret bauen oder sanieren wollen. Weniger Besucher bedeuten weniger Aussteller
– ein Kreislauf, den er als «Hamsterrad» bezeichnet.
Trotzdem: Für G&H lohnt sich die Präsenz bislang noch. Insektenschutzgitter seien ein Produkt, das man sehen, anfassen und vergleichen wolle. Gerade dafür eigne sich eine Messe besonders. Entsprechend richtet sich der Auftritt in Basel primär an Wiederverkäufer – Schreiner, Storenmonteure oder Fensterbauer, vom grösseren Betrieb bis zum Einoder Zwei-Mann-Unternehmen.
Am Stand zeigt G&H, wie kontinuierlich an den Produkten gearbeitet wird. «Innovation geschieht fortlaufend», sagt Hammernick, «nicht zuletzt, weil zertifizierte Produkte regelmässig getestet werden müssen.» Präsentiert wird unter anderem ein katzensicheres Insektenschutzgitter aus Polyester, siebenfach verstärkt. Je nach Einsatzort lassen sich unterschiedliche Gitterstärken kombinieren: unten robuster und weniger durchsichtig, oben leichter und transparenter. Getestet werden neue Entwicklungen jeweils über rund zwei Jahre – unter anderem von Mitarbeitenden mit Katzen.
Sorgen bereitet Hammernick hingegen ein Trend, den er seit einiger Zeit beobachtet: Viele Kundinnen und Kunden betonten zwar, sie wollten Schweizer Produkte kaufen, bestellten dann aber dennoch im Ausland. Viele Anbieter verschwänden schrittweise vom Markt. Wenn dann Reparaturen anstehen, seien Schweizer Firmen plötzlich wieder gefragt. Besonders im ländlichen Raum spüre G&H allerdings weiterhin eine Wertschätzung für einheimische Produkte. Um im Gespräch zu bleiben, setzt das Unternehmen neben Schweizer Messeteilnahmen auf Radiowerbung.
Auch das Umfeld der Messe hat sich verändert. Heute seien deutlich mehr ausländische Firmen vertreten als früher, so der Geschäftsführer. Mit diesen komme G&H kaum in Kontakt – man arbeite bewusst mit Schweizer Partnern zusammen. Dass die Zahl der Aussteller insgesamt stark zurückgegangen ist, beobachtet Hammernick ebenfalls mit Sorge. Früher hätten rund 2000 Firmen an der Swissbau ausgestellt, heute seien es nicht einmal mehr 1000. Nach der diesjährigen Messe will G&H entscheiden, ob dies der letzte Auftritt in Basel war. Die Standmieten seien gleich geblieben, die Besucherzahlen gesunken. «Irgendwann ist die Teilnahme nicht mehr rentabel.»
Auch die allgemeine Stimmung in der Baubranche beobachtet Hammernick besorgt, er bezeichnet sie als «eher nervös». Weltpolitische Unsicherheiten, Stellenabbau bei Grossfirmen und eine vorsichtigere Kundschaft seien spürbar. Gebaut werde weiterhin – aber zurückhaltender als auch schon. «Das trifft letztlich alle, vom Sanitärbetrieb bis zum Solaranlagenbauer.»
Design und Digitalisierung
Vom ersten Stock führt der Rundgang weiter zum Stand der Firalux Design AG aus Böckten ins zweite Obergeschoss. Das Unternehmen ist in der ganzen Schweiz tätig und auf Einbauspots und Aussenleuchten spezialisiert. Während bei G&H der Morgen noch ruhig begonnen hatte, ist die Swissbau nun im vollen Gange. Manuel Fabry, Leiter Marketing und digitale Entwicklung, empfängt die «Volksstimme» am Stand.
Nach einigen Jahren Messepause ist Firalux dieses Jahr erneut vertreten. «Wir sind wieder dabei, um uns mit verschiedenen Kundengruppen wie Architekten oder Bauherren auszutauschen», erklärt Fabry. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens präsentiert Firalux eine neue Kollektion, die an den Werten des Firmengründers und Innenarchitekten Goffredo Loertscher orientiert ist. «Ihm lagen Design, Formgebung und Farben am Herzen», sagt Fabry. Heute arbeitet das Unternehmen vor allem im Standard-Ausbau von Büros, Wohnhäusern und Gewerbebauten, doch die Jubiläumskollektion zeigt den Hang zum Design. Insgesamt werden 40 neue Leuchten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Besonders beliebt sei gemäss Fabry die Tischleuchte «Celestina».
Ein klarer Trend in der Branche ist die Digitalisierung des Lichts. Firalux greift dies auf: Am Stand sind die von der Messe gestellten Lampen abmontiert und eigene Leuchten mit Sensorik und Software installiert. Sie messen die Umgebung und passen Lichtfarbe sowie Intensität automatisch an. Fabry sieht darin grosses Potenzial – für Kleiderläden, Museen oder private Haushalte: «Die Leuchten können automatisch gedimmt, abgeschaltet oder getimed werden, je nach Bedarf.»
Auch Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle im Alltag des Böckter Unternehmens. Seit der Einführung von LED setzt Firalux konsequent auf energieeffiziente Lösungen. Sensorik und digitale Steuerung machen die Nutzung sparsamer, und auch bei der Produktentwicklung liegt der Fokus auf Energieeffizienz und Qualität.
Im Gegensatz zu G&H nimmt Fabry die Baubranche nicht als nervös wahr. «Wir dürfen sehr zufrieden sein und haben viele Aufträge», sagt er. Die Messe bietet dem Unternehmen nicht nur Gelegenheit zur Präsentation, sondern auch zur direkten Kundenansprache.
Irgendwann sind sie gefragt
Zurück im ersten Stock führt der Rundgang zum Stand der Flexo, vertreten in der Region Basel von der Schweizer Dienstleistungen GmbH in Niederdorf unter Inhaber Ruedi Müller. Das deutsche Unternehmen hat sich auf Handläufe für Innenund Aussenbereiche spezialisiert – ein Thema, das mit der alternden Bevölkerung zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Am Stand fällt sofort ein einstöckiger Hauslift auf, daneben stehen Rollstühle und Rollatoren, um den Lift aus der Sicht von Mobilitätseingeschränkten zu testen. «Dieser Hauslift wurde in den vergangenen vier Jahren entwickelt», erklärt Müller. «Er lässt sich über ein Stockwerk in jedes bestehende Einfamilienhaus einbauen und ermöglicht es älteren oder eingeschränkten Menschen, lange zu Hause zu bleiben – ohne vom Rollstuhl auf den klassischen Treppenlift umsteigen zu müssen.»
Neben dem Lift zeigt Flexo auch eine breite Palette an Handläufen, die sowohl funktional als auch gestalterisch überzeugen sollen. Müller betreibt sein Unternehmen nun im siebten Jahr und ist von der konstanten Auftragslage überrascht. «Als ich die Firma übernommen habe, dachte ich, dass doch jeder einen Handlauf hat», sagt er und lacht. Viele Menschen merken jedoch erst im Alter, wie wichtig Handläufe werden. «Irgendwann braucht auch ein junges Ehepaar einen Handlauf», sagt er lachend. Ein regelrechter Nachfrage-Boom sei oft im Winter zu beobachten, sobald es zum ersten Mal schneit und glatt wird. Zudem reagiere Flexo zeitnah auf Reha-Aufträge: Kliniken empfehlen Patienten das Unternehmen nach Unfällen oder Krankheiten, sodass schnell bei Kundinnen und Kunden zu Hause ein Handlauf montiert werden kann.
Die Messe dient Müller zudem dazu, Unternehmen und Architekten auf das Thema aufmerksam zu machen. «Viele denken, Handläufe seien nicht schön», sagt er. Dabei liessen sich Funktion und Design durchaus verbinden. Neue Vorschriften, wie beidseitige Handläufe an Fluchttreppen, schaffen zusätzliche Nachfrage, was Flexo zugutekommt. Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: Flexo setzt bewusst auf hochwertige Produkte aus Deutschland mit kurzen Transportwegen.
Live dabei beim Handwerk
Nach dem Mittagessen in einem der gemütlichen Bistros im Innern des Messegebäudes geht der Rundgang weiter – diesmal auf die andere Seite der runden Halle, in den Bereich «Treffpunkt Handwerk». Hier stehen nicht Produkte im Vordergrund, sondern die Fähigkeiten der Handwerker selbst. Besucher können vor Ort beobachten, wie aus verschiedenen Materialien fertige Elemente entstehen.
Besonders ins Auge sticht das doppelstöckige Holzhaus von PM Mangold. Im Gebäudeinnern kann Handwerkern aus verschiedenen Branchen und von verschiedenen Firmen zugeschaut werden: Ein Plattenleger arbeitet an den Fliesen, ein Maler an den Wänden. Das Haus wird kommende Woche – ohne Innenausbau – in Ormalingen für einen Kunden errichtet. Auf dem Dach sind Solarzellen installiert, zudem zeigt ein modernes Leckortungssystem, wie Technik und Handwerk zusammenkommen. Innen können Besucher Leitungen für Bad und Küche begutachten – ein Mix aus Praxis und Anschauung.
PM-Mangold-Geschäftsführer David Schreiber erklärt den Ansatz: «Wir sind zum zweiten Mal an der Messe dabei. Letztes Mal erhielten wir – obwohl wir nur einen kleinen Infostand hatten – viele konkrete Aufträge von Privatpersonen. Das motivierte uns, dieses Jahr mit dem Haus präsent zu sein.»
Schreiber erklärt, warum Holzrahmenbau noch im Kommen ist: «Viele kennen diese Bauweise noch nicht. Wir möchten zeigen, dass man damit flexibel, nachhaltig und individuell bauen kann.» PM Mangold deckt dabei alle Bedürfnisse ab – vom Tiny House bis zum mehrstöckigen Wohnhaus.
Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: «Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der in der Öffentlichkeit zunehmend akzeptiert wird. Viele möchten heute in einem Haus aus heimischem Holz wohnen», so Schreiber. «Während der Pandemie hatte die Branche mit Lieferengpässen zu kämpfen, da amerikanische und kanadische Unternehmen den europäischen Holzmarkt leer kauften – dieses Problem haben wir heute nicht mehr.»
Für PM Mangold ist Ausbildung zentral: Aktuell beschäftigt das Unternehmen 27 Lernende. Deshalb war es Schreiber ein Anliegen, dass auch die Lernenden in den Auftritt in Basel integriert werden. So zeigen Svenja Zurfluh und Tyler Kamann live vor Ort gemeinsam mit zwei Betreuern zwei typische Zimmermannsarbeiten: die Herstellung eines Zimmermannknotens und einer Leonardo-Brücke, eines selbsttragenden Bogenkonstrukts aus Holz.
«Handwerk ist nach wie vor gefragt. Auch nach der Lehre bestehen viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden», erklärt Schreiber. Die Lernenden bekommen nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern erleben auch den Stolz des Handwerks – sichtbar beim Abschluss des Rundgangs: Mit Nebel, Musik und dem traditionellen «Zimmermannsklatsch» wird die Leonardo-Brücke feierlich aufgestellt. Ein Moment, der Handwerkstradition spür- und sichtbar macht.
Der Rundgang über die Swissbau zeigt: Die Messe ist mehr als ein Schaufenster für Produkte. Sie ist ein Erlebnis für Handwerk, Innovation und Design. Oberbaselbieter Firmen wie G&H, Firalux, Flexo und PM Mangold zeigen, dass man mit Kreativität, Qualität und Kundennähe bestehen kann. Zwischen Hallen, Ständen und Werkstätten wird deutlich: Technik, Nachhaltigkeit und Handwerkskunst sind in der Schweiz fest verankert – und die Swissbau ein Ort, an dem man dies nicht nur sehen, sondern erleben
Die Messe Swissbau
lug. 592 Aussteller und Partner präsentieren diese Woche in der Messe Basel von Dienstag bis Freitag ihre Produktneuheiten und Lösungen. Die Messe wird so zum Treffpunkt der Schweizer Bau- und Immobilienwirtschaft. Erstmals wieder am Samstag geöffnet sind die neu inszenierte «Trendwelt Innenausbau» sowie der «Swissbau Focus».
Um die Stadt Basel drehte es sich beim offiziellen Startschuss der Swissbau 2026. Mit dem Verweis auf das Leuchtturmprojekt Globus Basel als Beispiel für nachhaltige Sanierung eröffnete Ständerat und Präsident des Dachverbands Bauenschweiz Hans Wicki die Messe.
Persönlicher Austausch, Wissenstransfer und praxisnahe Produkterlebnisse stehen mehr denn je im Zentrum der Swissbau, wie die Messe mitteilte. Das Angebot für das Fachpublikum war selten so variantenreich: Vom Ausbau eines doppelstöckigen Holzhauses in Halle 1.0 (siehe PM Mangold) bis zur atmosphärischen Designwelt in der Halle 1.2. In Halle 1.1 bietet eine neue Kooperation mit dem Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband SMGV zahlreiche Einblicke in Techniken und Materialien des kreativen Fachbereichs. Highlights des Marktplatzes sind die Objektausstellung des «Schweizer Preises für Putz und Farbe», Live-Trainings zweier Schweizermeisterinnen für die «WorldSkills» in Shanghai und eine Maler-Gipser-Werkstatt für dekorative Putzstrukturen.
Die Kollaborationsplattformen Swissbau Focus in Halle 1.0 und Swissbau Lab in Halle 1.1 stehen für den fachübergreifenden Austausch mit Expertinnen und Meinungsbildnern über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Trends der Branche. «Swissbau Focus» überzeugt durch ein hochkarätiges Programm mit Wissensvorsprung. Zukunftsfähige Lösungen entdecken und ausprobieren kann der Fachbesucher im «Swissbau Lab». Kreislaufwirtschaft, Klimawandel, Nachhaltigkeit sowie der Wandel im Bauprozess bilden die zentralen Leitthemen aller Programmpunkte.
In der Halle 1.2 trifft das Swissbau-Publikum neu auf eine Erlebniswelt aus Badinnovationen, trendigen Oberflächen, stimmungsvollen Beleuchtungen und hochwertigen Objekteinrichtungen. Die gemeinsame Ebene für den Innenausbau bietet Raum für Entdeckungen und einen vertieften Austausch mit renommierten Herstellern und neuen Marken. Zusammen mit dem «Swissbau Focus» ist die «Trendwelt Innenausbau» auch morgen Samstag geöffnet.







