Nutzung des Waldes
05.11.2026 BRIEFEDer Wald braucht auch Grenzen
Zum Artikel «Ein Netz für zwei Räder» in der «Volksstimme» vom 3. November, Seite 3
Fast 300 000 Franken kostet das Projekt «Bike Baselland 2030». Ein attraktives Mountainbike-Wegnetz soll ...
Der Wald braucht auch Grenzen
Zum Artikel «Ein Netz für zwei Räder» in der «Volksstimme» vom 3. November, Seite 3
Fast 300 000 Franken kostet das Projekt «Bike Baselland 2030». Ein attraktives Mountainbike-Wegnetz soll entstehen, auch der Tourismus soll profitieren. Bei mir löst diese Aussicht wenig Begeisterung aus. Muss wirklich jeder Landschaftsraum für zusätzliche Freizeitangebote erschlossen und touristisch vermarktet werden? Der Wald ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen und für viele Menschen ein Ort der Ruhe. Wer dort zu Fuss unterwegs ist, möchte die Natur geniessen, ohne auf schmalen Wegen ständig damit rechnen zu müssen, einem Mountainbike Platz machen zu müssen. Wandernde sind keine Hindernisse auf einer Sportstrecke. Gerade ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern müssen sich auf Wanderwegen sicher und entspannt bewegen können.
Natürlich haben auch Mountainbikende berechtigte Freizeitinteressen. Daraus ergibt sich für mich aber kein Anspruch darauf, auch schmale Waldpfade befahren zu können. Dass gerade solche Wege ein Angebot besonders attraktiv machen sollen, stimmt mich skeptisch. Wo das Kreuzen kaum möglich ist, genügt der gut gemeinte Appell an gegenseitige Rücksichtnahme nicht. Dort braucht es klare Grenzen. Ein offizielles Routennetz könnte helfen, die Nutzung zu lenken. Glaubwürdig ist dieses Versprechen aber nur, wenn gleichzeitig feststeht, welche Wege und Waldgebiete vom Bikeverkehr freigehalten werden, wie diese Regeln durchgesetzt werden und wer dafür verantwortlich ist. Neue Angebote zu schaffen und die Einhaltung der Grenzen anschliessend dem guten Willen zu überlassen, wäre zu wenig.
Die Forderung von Jagd Baselland nach einem Nachtfahrverbot unterstütze ich ausdrücklich. Wildtiere brauchen Rückzugsräume und ungestörte Zeiten. Ihr Lebensraum darf nicht rund um die Uhr unseren Freizeitwünschen zur Verfügung stehen. Ich erwarte deshalb, dass bei diesem Projekt der Schutz des Walds und die Sicherheit der Wandern- den Vorrang vor touristischen Interessen erhalten. Eine ernsthafte Mitsprache muss auch bedeuten, dass man zu einer gewünschten Route Nein sagen kann. Der Wald muss nicht immer mehr bieten. Wir sollten ihm auch etwas lassen: Ruhe.
Hanspeter Gautschin, Oberdorf
