Nur wenige Apotheken nehmen teil
24.07.2026 BaselbietDie Schulung gegen häusliche Gewalt wird kaum besucht
Seit März 2026 bilden die beiden Basel Mitarbeitende in Sachen Partnerschaftsgewalt weiter: Apotheken sollten zur Anlaufstelle für Opfer von Partnerschaftsgewalt werden. Der Erfolg bleibt bisher jedoch aus.
...Die Schulung gegen häusliche Gewalt wird kaum besucht
Seit März 2026 bilden die beiden Basel Mitarbeitende in Sachen Partnerschaftsgewalt weiter: Apotheken sollten zur Anlaufstelle für Opfer von Partnerschaftsgewalt werden. Der Erfolg bleibt bisher jedoch aus.
Lea Wieser
Apotheken spielen im Alltag vieler Menschen eine wichtige Rolle. Sie fungieren bei allerlei Problemen als zuverlässige Kontaktstelle. Das war die Grundlage des neuen Projekts. Es sollte Apotheken auch für Betroffene von Partnerschaftsgewalt zur vertrauenswürdigen Anlaufstelle machen.
Dazu können Mitarbeitende an einem E-Learning teilnehmen. Ursula Spillmann, die in der Strichcode Apotheke in Sissach arbeitet, ist eine von wenigen Apothekerinnen im Kanton Baselland, welche die Weiterbildung absolviert hat. Sie erklärt, das E-Learning sei insbesondere darauf ausgelegt, die Teilnehmenden zu sensibilisieren. «Es wird gezeigt, in welchen Formen häusliche Gewalt auftritt, wie man sie erkennen kann, und es wird auf psychische Gewalt aufmerksam gemacht.» Man lerne, welche Fragen in einer Situation zu stellen wären und wie man dies am besten tue.
Teilnehmende Apotheken erhalten neben neuer Expertise ein Informations-Kit mit Notfallkarten, Informationsbroschüren sowie ein Gütesiegel, das gut sichtbar am Fenster angebracht werden soll, um Kundinnen und Kunden zu signalisieren, dass die Mitarbeitenden der Apotheke Betroffenen Unterstützung anbieten können. Zudem werden teilnehmende Apotheken auf den Websites der beiden Apotheker-Verbände aufgelistet.
Ursprünglich wurde das Projekt in der Westschweiz vom Kanton Waadt entwickelt. Durch die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt Basel-Landschaft und die Fachstelle Gewaltschutz und Opferhilfe Basel-Stadt wurde das Projekt an das System beider Basel angepasst. Der Basellandschaftliche Apothekerverband sowie der Apothekerverband Basel-Stadt haben das E-Learning gemeinsam mit der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion sowie dem Gesundheitsdepartement Basel-Stadt anschliessend umgesetzt.
Der Kanton zahlt
Auf dem Papier wirkt das Konzept vielversprechend, doch die Realität ist eine andere. Im ganzen Kanton nehmen bisher nur gerade zehn Apotheken am Projekt teil. Das entspricht weniger als einem Fünftel aller Apotheken des Kantons. Im Oberbaselbiet sind die Strichcode Apotheke in Sissach und die Saner Apotheke in Liestal die einzigen beiden auf der Liste. Auch Ursula Spillmann ist erstaunt über die tiefen Zahlen. Insbesondere, da der Kanton die Kosten für das E-Learning der ersten 50 Anmeldungen übernimmt – die Apotheken hätten durch die Weiterbildung demnach nichts als Vorteile.
Die Gründe für die Zurückhaltung? Monica Vitellaro, Geschäftsführerin der Central Apotheke in Sissach, erzählt, sie habe gar nicht gewusst, dass man das E-Learning noch immer besuchen könnte. Aus Zeitgründen habe aus ihrem Betrieb im März niemand die Weiterbildung gemacht. «Wir haben das immer wieder aufgeschoben, bis es irgendwann untergegangen ist», sagt Vitellaro. Es liege absolut nicht daran, dass sie das Projekt nicht gut und wichtig finde, sondern am stressigen Apothekenalltag, in dem akute Probleme nun mal Vorrang haben. «Jetzt, wo ich weiss, dass wir immer noch teilnehmen können und der Kanton das sogar zahlt, will ich mich da aber nochmals dahinterklemmen», sagt Vitellaro.
Eins ist klar: Mit dem Zeit- und Stressproblem ist die Central Apotheke nicht alleine. Auch bei bereits teilnehmenden Apotheken hapert es an der Umsetzung. Spillmann erklärt: «Ziel des E-Learnings ist, dass die Person, die es absolviert hat, ihr Wissen an die Mitarbeitenden weitergibt, damit das gesamte Team der Apotheke für zukünftige Situationen gewappnet ist.» Im schnelllebigen, oft stressigen Alltag von Apothekerinnen und Apothekern sei es nicht einfach, das umzusetzen.
In der Lindenapotheke Frenkendorf hat zwar eine Mitarbeiterin das E-Learning abgeschlossen, es war aber weder der Leitung noch den Mitarbeitenden bewusst, dass sie auf der Liste der teilnehmenden Apotheken standen, weshalb das Team nicht über das Gelernte informiert wurde.
Als weiteren Grund für die zaghafte Teilnahme am Projekt kann sich Ursula Spillmann vorstellen, dass viele Apothekerinnen und Apotheker das Gefühl haben, sowieso nicht wirklich helfen zu können. «Oder sie nehmen nicht teil, weil sie versuchen, sich selbst zu schützen», meint Spillmann. «So oder so, wegschauen ist immer einfacher.»
«Dabei ist die Weiterbildung wirklich sinnvoll», findet Ursula Spillmann. Ein Fall, bei dem sie selbst Unterstützung geleistet habe, beweise, dass die Apotheken auf jeden Fall etwas bewirken könnten. «Dafür braucht es allerdings zunächst Aufwand – und dann Mut», sagt Spillmann. Bei einem Verdacht auf häusliche Gewalt hätte sie seit der Weiterbildung viel weniger Hemmungen, auf die Person zuzugehen und sie diskret darauf anzusprechen.

