Notfällungen bringen Preise unter Druck
09.10.2026 BaselbietTrockenheitsschäden im Wald werden das Holz-Angebot im Frühling sprunghaft ansteigen lassen
Jeder sechste Baum in den Wäldern beider Basel dürfte durch die Trockenheit dieses Jahres schwer geschädigt worden sein, schätzt das zuständige Amt. ...
Trockenheitsschäden im Wald werden das Holz-Angebot im Frühling sprunghaft ansteigen lassen
Jeder sechste Baum in den Wäldern beider Basel dürfte durch die Trockenheit dieses Jahres schwer geschädigt worden sein, schätzt das zuständige Amt. Holzhändler und Förster sehen die Auswirkungen unterschiedlich dramatisch.
Peter Sennhauser
Fabian Jenni von der Energieholzund Holzernte-Firma Jenni Holz AG in Diegten zeigt eine gewisse Skepsis gegenüber der Schätzung der Experten des Kantons, wonach die Menge an geschlagenem Holz dieses Jahr das Vier- bis Fünffache eines normalen Jahres oder 800 000 Kubikmeter übertreffen könnte. Diese Menge müsse man dann erst abwarten, kommentiert er einen entsprechenden Artikel der «bz Basel» von gestern Donnerstag.
Die Zeitung bezieht sich auf einen internen Rapport des Amts für Wald und Wild. Demnach ist in der Region Basel jeder sechste Baum stark «gebräunt» – das zeigten Satellitenbilder, sagt der Sprecher der Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion, Julien Kurt. Was genau das bedeute, sei frühestens im Frühling klar; die Aussage, dass jeder sechste Baum todgeweiht sei, stimme so nicht.
Entsprechend will sich auch der Sissacher Revierförster Thomas Tanner nicht auf eine bestimmte Grösse festlegen. Aber dass es zu viel Holz sein wird, als dass der Markt alles aufnehmen könne, daran hat er keine Zweifel: «Der Holzpreis gibt ja jetzt schon nach», so Tanner. Und: Je länger die absterbenden Bäume stehen blieben und verdorrten, desto unverkäuflicher werden sie. Was Laien kaum bewusst ist: Das Holz beginnt zu modern und verliert seinen Energiewert bis zur Unverkäuflichkeit.
Der bei Jenni für den Holzeinkauf zuständige Fabian Jenni bestätigt auch, dass grosse Mengen an Holz im Frühling für sein Unternehmen nicht mehr interessant seien: Namentlich das Brennholz brauche er im Herbst/Winter, der Hauptabnahmezeit. Wobei das anhaltend warme Wetter die Nachfrage aktuell ausbremse. Einen regelrechten Absturz der Holzpreise erwartet er aber nicht.
Vier Jahre lang weniger ernten?
Revierförster Tanner sieht das anders. Die Regeln der Marktwirtschaft hätten sich nach jedem Sturm bewahrheitet – «und jetzt ist es halt kein Sturm, sondern die Trockenheit», so Tanner. Für ihn steht deswegen die Frage im Vordergrund, was mit den abgestorbenen Bäumen geschehen soll, falls sich das Worst-Case-Szenario des Kantons im Frühling bewahrheitet: So viel Holz könne man gar nicht schlagen und noch weniger verkaufen – es sei verloren. Dann doch eher stehen lassen, sagt er: Für die Natur sei stehendes Totholz jedenfalls besser als liegendes. Womit die Frage nach der Haftung für Sicherheitsrisiken auftauche und die, wer letztlich entscheide, was zu tun sei. Aktuell liege der Ball bei den Gemeinden, von denen einige bereits die Sperrung ganzer Waldgebiete ins Auge fassten.
Fabian Jenni versichert, zu einem Kollaps des Brennholz-Preises werde es nicht kommen, zumal die Auswirkungen der Trockenheit eine regionale Angelegenheit seien; sie seien in der Nordwestschweiz grösser als in den übrigen Gebieten der Schweiz. Tanner widerspricht: Die Probleme der Hitze und der Trockenheit beträfen ganz Europa.
Für die hiesige Forstwirtschaft stelle sich eine weitere Frage: Was ist in den Folgejahren, wenn dem Wald jetzt tatsächlich die vierfache Menge Holz eines Jahres verloren ginge? Waldwirtschaft müsse nachhaltig sein, also müsste man in den kommenden Jahren die gleiche Menge an grünem Holz schonen, die jetzt absterbe, so Tanner. So betrachtet werde sich das kurzfristige Überangebot in eine nicht zu befriedigende Nachfrage verwandeln.
Gefährlicher Holzschlag
Nicht nur Sportler, Pilzsammlerinnen und Spaziergänger sind im dürregeschädigten Wald Gefahren ausgesetzt: Auch die Forstmitarbeitenden erleben grösser Risiken, gerade beim Fällen betroffener Bäume. Namentlich die häufig mehr als 100 Jahre alten Buchen sind zu schwer, um mit schwerem Gerät («Harvester») gefällt und entastet zu werden.
Eine traditionelle Fällung mit Motorsäge, Axt und Keilen aber birgt erst recht die Gefahr, dass dürre Äste abbrechen und herunterfallen. Gemäss dem Bericht des Amts für Wald und Wild kommt es derzeit schon so zu vermehrten Abbrüchen und dazu, dass auch «grüne» Bäume umfallen.
