Neues Leben für das ehemalige Ökozentrum
07.07.2026 LangenbruckGenossenschaft sucht Mieter für Halle und Büroräume
Die Genossenschaft Erzenberg will das ehemalige Ökozentrum neu beleben. Ein Teil der Räume ist bereits vermietet, für den Rest werden noch passende Nutzer gesucht. Im Zentrum stehen Gemeinschaft und ...
Genossenschaft sucht Mieter für Halle und Büroräume
Die Genossenschaft Erzenberg will das ehemalige Ökozentrum neu beleben. Ein Teil der Räume ist bereits vermietet, für den Rest werden noch passende Nutzer gesucht. Im Zentrum stehen Gemeinschaft und Gemeinnützigkeit.
Elmar Gächter
Vor rund zwei Jahren hat das Ökozentrum Langenbruck seinen langjährigen Standort verlassen und auf dem Hanro-Areal in Liestal eine neue Bleibe gefunden. Seit den 1980er-Jahren war die Non-profit-Organisation mit der Stiftung für angepasste Technologie und Sozialökologie als Trägerschaft am Schwengiweg oberhalb des Passdorfs ansässig, um von dort aus umweltschonende sowie energie- und rohstoffsparende Projekte anzutreiben. Neue Eigentümerin der Gebäude, die der Kanton Baselland Anfang der 1950er-Jahre als Kinderheim bauen liess, ist seit 2025 die Genossenschaft Erzenberg.
Sie besitzt im Gebiet Schwengi seit ihrer Gründung 1987 bereits das Areal des ehemaligen Sanatoriums, hat darauf das alte «Doktorhaus» renoviert sowie zwei neue Wohngebäude erstellt. Mit dem Zukauf des ehemaligen Ökozentrums will sie sowohl weiteren Wohn- als neu auch günstigen Raum für Aktivitäten im öffentlichen Interesse anbieten.
«Seitdem wir wussten, dass das Ökozentrum wegzieht, hatten wir selbst ein Auge auf die Liegenschaft geworfen. Nachdem sich die Verhandlungen zwischen der Eigentümerin und einem Kaufinteressenten zerschlagen hatten, ging alles sehr schnell und wir konnten die Gebäude zu einem vorteilhaften Preis von der Stiftung erwerben», sagt Hans Weber. Er ist seit der ersten Stunde Vorstandsmitglied der Genossenschaft und selber mit seiner Familie Mieter einer Wohnung. Das Nutzungskonzept umfasst vier Trakte, drei zu Wohnzwecken, einen mit einem Aufbau für Büro- und Gewerberäume sowie eine Halle mit Hallenkran, die das Ökozentrum vor rund 10 Jahren erstellen liess.
Alle Gebäude der Genossenschaft sind laut Weber in einem energetisch sehr guten Zustand und annähernd energieautark. Geheizt wird mit Holz aus dem Wald der Genossenschaft, von Waldbesitzern des Dorfs und zugekauften Pellets; Wärme und Strom liefern die Solar- und PV-Anlagen. Die ehemalige Liegenschaft des Ökozentrums steht auf einer Fläche von rund 1 Hektar Land, das dem Kanton Baselland gehört und im selbstständigen Baurecht zur Verfügung gestellt wird.
Gut die Hälfte der gesamten Gebäudefläche ist bereits vermietet; der Rest noch nicht belegt. Gesucht werden Interessenten in den Bereichen Gesundheit, Kultur, Design, Permakultur und Handwerk sowie Forschungs- und Bildungsaktivitäten. «Da es sich um eine Zone für öffentliche Anlagen handelt, können nur Aktivitäten stattfinden, die im öffentlichen Interesse liegen. Unternehmen, die allein finanziellen Interessen dienen, sind deshalb bei uns fehl am Platz», so Hans Weber. Mit dem Musikfestival Rümlingen, dem die Genossenschaft heuer Räume zur Verfügung stellt, ist vorerst ein temporärer Nutzer gefunden worden.
Gemeinschaftsgedanken
Die bestehenden Mietverhältnisse sind im Sinne einer Zwischennutzung auf drei Jahre befristet. Die Genossenschaft will sich diese Zeit nehmen, um dann zu entscheiden, was und in welche Richtung in die Gebäude investiert werden soll.
Sicher ist, dass der Gemeinschaftsgedanke auch künftig an vorderer Stelle stehen soll. Gemeinschaftsküche und Essraum, Holzwerkstatt und Gymnastikraum sowie Wäscheraum und Schopf sollen nicht nur gemeinsam genutzt, sondern auch unterhalten werden. «Wir haben keine Verwaltung und keinen Hauswart angestellt, sondern machen weitgehend alles selbst und so profitieren alle Mietparteien von günstigen Mietzinsen», betont Weber. Die Genossenschaft stellt das nötige Kapital bereit, um gute gemeinschaftlich nutzbare Ideen zu unterstützen, etwa den Anstoss zu einem Carsharing-Modell, bei dem alle mitmachen können.
Seit jeher ist die Idee eines Mehrgenerationenwohnens fest in der Genossenschaft verankert. «Als wir das erste grosse 6-Familien-Haus auf dem Areal des ehemaligen Sanatoriums errichteten, wohnten dort überwiegend junge Familien. Als die Kinder ausgeflogen waren, bauten wir ein rollstuhlgängiges Stöckli, erstellt mit flexibel nutzbaren kleineren Wohnungen.» In der grossen Gemeinschaftsküche, die noch weitgehend aus der Zeit des Kinderheims stammt, findet jeden Dienstag ein Mittagstisch statt, der von zwei ehrenamtlich tätigen Frauen geführt und an dem neben Schulkindern auch Erwachsene teilnehmen können.
Für die Genossenschaft hat der ökologische Gedanke einen hohen Stellenwert. Die rund 6 Hektar Land, die beim Kauf der Parzelle des Sanatoriums erworben wurden, werden nach Prinzipien der Biodiversität bewirtschaftet. «Da Gewinnstreben für uns nicht im Vordergrund steht, können wir nach dem Grundsatz «alles aus dem eigenen Garten» arbeiten. Die Wohnungen sind stark gefragt, was sich daran zeigt, dass in fast 40 Jahren Bestehen der Genossenschaft bei insgesamt sehr wenigen Mieterwechseln keine Wohnung auch nur einen Monat lang unbesetzt blieb.»
Für Hans Weber steht fest: «Der Genossenschaftsgedanke bietet grosse Vorteile. Erstens sind die Mieten günstig und zweitens kann man sich sinnvoll einbringen und fühlt sich in der Gemeinschaft aufgehoben, besonders auch, wenn man altersbedingt oder als Familie mit Kindern manchmal für Unterstützung dankbar ist.»


