«Neue» Technik gegen Ewigkeitschemikalie
18.09.2026 BubendorfEin US-Unternehmen testete bei Bachem ein Verfahren zur Reduzierung von TFA
Nach erhöhten TFA-Werten im Frenken- und Ergolztal arbeitet der Pharmazulieferer Bachem daran, die Emissionen am Standort Bubendorf weiter zu senken. Ein im August durchgeführter Pilotversuch mit ...
Ein US-Unternehmen testete bei Bachem ein Verfahren zur Reduzierung von TFA
Nach erhöhten TFA-Werten im Frenken- und Ergolztal arbeitet der Pharmazulieferer Bachem daran, die Emissionen am Standort Bubendorf weiter zu senken. Ein im August durchgeführter Pilotversuch mit UV-Licht liefert nun vielversprechende Resultate.
Pascal Kamber
Vor zwei Jahren sorgten Messwerte aus dem Frenken- und Ergolztal für Aufmerksamkeit: Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hatte dort deutlich höhere Konzentrationen von Trifluoressigsäure (TFA) festgestellt als an den meisten anderen Messstellen der Schweiz. Während das Bafu normalerweise Werte zwischen 1 und 5 Mikrogramm pro Liter misst, waren es an den beiden Messstellen im Baselbiet 14 und 23.
TFA gehört zu den fluorierten Kunststoffen (PFAS), den sogenannten Ewigkeitschemikalien. Sie wird vor allem in der chemischen Forschung und Industrie eingesetzt, etwa bei der Herstellung bestimmter Arzneimittel oder bei Stoffanalysen. TFA baut sich in der Umwelt kaum ab und kann sich deshalb in Gewässern und Grundwasser verbreiten. Sie gilt unter anderem als schädlich für Pflanzen. Welche Folgen eine langfristige Belastung für Menschen hat, ist noch nicht abschliessend geklärt. In Tierversuchen wurden Auswirkungen auf Leber und Fortpflanzung beobachtet.
Aufgrund der alarmierenden Werte führte der Kanton Baselland grossflächige Messungen im Grund- und Trinkwasser durch. Dabei zeigte sich, dass ein Grossteil der TFA von der Bachem AG in Bubendorf stammte. Der Pharmazulieferer nutzt die Chemikalie bei der Herstellung von Peptiden – jene Wirkstoffe, die für Medikamente eingesetzt werden. Bachem ergriff deshalb Massnahmen, um die TFA-Emissionen über das Industrieabwasser weiter zu reduzieren. «Neben technischen Verbesserungen haben wir unsere Mitarbeiter geschult und sensibilisiert», sagt Standortleiter André Casagrande. «So konnten wir den Eintrag um rund 90 Prozent reduzieren.»
Pilotversuch bestätigt Potenzial
Dass die Belastung massiv zurückgegangen ist, bestätigte auch die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion in ihrer Anfang August veröffentlichten Trinkwasserstudie. Der Bericht hält fest, dass dank der Massnahmen die TFA-Konzentration im Trinkwasser des unteren Ergolztals auf aktuell unter 3 Mikrogramm pro Liter gesunken ist. Trotzdem prüfte Bachem parallel weitere Möglichkeiten, um die TFA-Rückstände zu minimieren oder idealerweise ganz zu eliminieren.
So kam die Zusammenarbeit mit Claros Technologies zustande: Das Unternehmen aus Minneapolis (USA) wurde im Jahr 2018 gegründet und hat sich auf modernste PFAS-Tests, analytische Dienstleistungen und neuartige Technologien zur Zerstörung von PFAS spezialisiert. «Wir wollen diese Stoffe nicht verbieten, sondern verhindern, dass sie in die Umwelt gelangen», erklärte Mitgründer John Brockgreitens Mitte August in einem Sitzungszimmer auf dem Bachem-Gelände.
Im Gebäude nebenan installierten derweil sieben Mitarbeiter für einen Pilotversuch eine zwei auf zwei Meter grosse Maschine, mit der Claros den TFA an den Kragen gehen will. Das Gerät bestrahlt das Industrieabwasser mit ultraviolettem Licht und zerstört die Stoffe laut Brockgreitens so zu 99,99 Prozent. «Diese Technik ist nicht neu, wir wenden sie aber gezielt an. Im Vergleich zu anderen Methoden ist sie energieeffizient und einfach einsetzbar», sagte er.
Während zweier Wochen prüften die Claros-Leute ihr Gerät unter realen Bedingungen. Inzwischen liegen erste Resultate vor. «Nach der Behandlung waren nur noch sehr geringe Restkonzentrationen von TFA nachweisbar», sagt Bachem-Mediensprecher Patrick Barth. Der Pilotversuch bestätige somit das Potenzial der getesteten Technologie. «Der nächste Schritt besteht darin, den Prozess auf Industriemassstab zu skalieren und hinsichtlich der Bedingungen bei Bachem zu optimieren», so Barth.
Zusätzlich will Bachem ihre bestehenden Abläufe und Anlagen kontinuierlich verbessern, um die TFA-Emissionen weiter zu senken. Gleichzeitig prüft das Unternehmen fortlaufend zusätzliche Technologien und Lösungsansätze. Auch der Austausch mit dem Kanton und die Messungen finden weiterhin statt. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagt André Casagrande und ergänzt: «Wir preschen vor und wollen federführend sein.»
Das lässt sich Bachem etwas kosten. Gemäss Casagrande investiert der Pharmazulieferer mehrere Millionen Franken in diesen Prozess. «Innovation und Umweltverantwortung gehören für uns zusammen. Wir wollen mit unseren Produkten nicht nur den Menschen helfen, sondern auch eine entsprechende Rolle gegenüber der Umwelt wahrnehmen.»

