Neue Schangsongs und Mundartgeschichten
15.09.2026 Bezirk LiestalFlorian Schneider begeisterte im Kulturhotel Guggenheim
Mit Sprachwitz, musikalischer Raffinesse und einer gehörigen Portion Schalk hat Florian Schneider in Liestal sein neues Bühnenprogramm «Der Maa vo weiss nit wo» vorgestellt und gleichzeitig sein neues Album ...
Florian Schneider begeisterte im Kulturhotel Guggenheim
Mit Sprachwitz, musikalischer Raffinesse und einer gehörigen Portion Schalk hat Florian Schneider in Liestal sein neues Bühnenprogramm «Der Maa vo weiss nit wo» vorgestellt und gleichzeitig sein neues Album «Schangsongs 5» getauft.
Dani Haus
Gemeinsam mit seinen kongenialen Begleitmusikern Adam Taubitz (Violine) und Roman Bislin (Klavier) lud der Eptinger Chansonnier Florian Schneider am Freitag zur Premiere seines Bühnenprogramms «Der Maa vo weiss nit wo» ein. Mit einem abendfüllenden Programm aus Mundartliedern und freien Erzählungen unterhielt er das zahlreich erschienene Publikum im Liestaler Kulturhotel Guggenheim gekonnt und wurde mit stehenden Ovationen belohnt.
Nach der erfolgreichen Tournee «Chröt im Haber und Chrähien im Chorn» durfte man gespannt sein, was Florian Schneider als Nächstes auftischen würde. «Ich freue mich auf gute Musik und vielseitige Unterhaltung, die zum Lachen und Nachdenken anregt», meinte ein kundiger Zuschauer. Als das Florian-Schneider-Trio dann im stilvoll eingerichteten Eventlokal loslegte, war allen klar: Das neue Programm hat es in sich.
Unter dem Motto «Der Maa vo weiss nit wo» präsentierte Schneider einen stimmigen Mix aus archaischen Country- und Folksongs in Oberbaselbieter Mundart – herb und verschroben, aber voller Poesie, Romantik und Schalk – sowie frei erzählten Geschichten aus dem echten Leben.
Tabus, Charme und Humor
Dabei meisterte er souverän so manches Tabuthema mit seinem eigentümlichen Charme und Humor. Egal, ob er von der Begleitung seines Onkels Hans ins Pariser Rotlichtmilieu als Jugendlicher, von einem Disput mit der Hoteldirektorin anlässlich seines Alkoholkonsums im Rahmen eines Kuraufenthalts im Schwarzwald oder von der Dissertation seines Zahnarztes zum Thema Mundgeruch berichtete oder das Essverhalten eines Bahnreisenden von Florenz nach Zürich parodierte – es durfte herzhaft gelacht werden.
Auch der Kunst der Vulgärsprache schien Schneider sich nicht zu verwehren. Damit führte er das aufmerksame Publikum zurück in seine alte Baselbieter Heimat nach Reigoldswil, wo er als Jugendlicher beim Kirschenklau erwischt worden war.
«Ich lote bewusst Grenzen aus, ohne sie jedoch zu überschreiten», erklärte Schneider später im persönlichen Gespräch. Auf der Bühne brillierte der charismatische Entertainer mit gewieften Sprachspielen, kunstvollen Reimen und geistreichen Zitaten aus der Weltliteratur. Als ausgebildeter Sänger und Schauspieler gelang es ihm souverän, das Momentum zu gestalten, das Publikum in seinen Bann zu ziehen und dessen Kopfkino zu bedienen. Die Dramaturgie seiner Geschichten war dabei ebenso perfekt wie jene der gesamten Darbietung.
Konzert oder Theater, das ist hier die Frage.
Den eigentlichen Rahmen des Bühnenprogramms bildeten die neuen Chansons (genannt Schangsongs). Das im Sommer produzierte Mundartalbum «Schangsongs 5 – Der Maa vo weiss nit wo» enthält zehn Lieder, von denen nahezu alle zur Uraufführung kamen. Titel wie «Hoff numme, i verknall mi nit in di», «Wemme se finde cha», «Der Maa vo weiss nit wo», «Wemme do am Fänschter stoot», «Stütz mi, alti Muetter» oder «Käi Liebeslied» zeugen von einer grossen thematischen und stilistischen Vielfalt.
Nicht nur textlich, sondern auch musikalisch erfüllen Schneiders neueste Kompositionen höchste Ansprüche und überzeugen durch subtilen Ausdrucksgehalt und künstlerische Reife. Ob Liebes- oder Trinklieder, Moritaten oder Balladen – alles ist wohl konzipiert, stimmig und bestens arrangiert.
Hochkarätige Begleiter
Seit den 1990er-Jahren verbindet den ehemaligen Musical-Darsteller eine enge Freundschaft mit dem Geigenvirtuosen Adam Taubitz. Seit mehr als zwei Jahrzehnten musiziert er zudem mit dem vielseitigen Ostschweizer Pianisten, Komponisten und Dozenten Roman Bislin. Beide sind hochkarätige Musiker, die mit ihrem versierten Spiel neben Schneider für den unverwechselbaren Sound des Trios verantwortlich sind.
Die drei Ausnahmekönner verstehen sich auf der Bühne blind, sodass sie jederzeit spontan interagieren und situativ Neues entstehen lassen können. So gelang die musikalische Umsetzung des neuen Liedguts trotz der kurzen Vorbereitungszeit hervorragend. Man wusste die Zuhörenden mit spektakulären Soli und erfrischender Spielfreude zu faszinieren, sei es bei den Schangsongs oder beim Intermezzo «Don’t know where», einem von Bislin im Jazz-Stil komponierten Instrumentalstück für Geige und Klavier.
Prickelnde Plattentaufe
Selbstverständlich durfte auch die offizielle Albumtaufe mit Champagner und Schneiders Tochter Mina nicht fehlen. Nach dem Klassiker «Läb wohl» folgten mit «Lilo» und dem «Chirsilied» zwei beliebte Zugaben, die den Abend würdig ausklingen liessen. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen und ging beglückt nach Hause.
«Ob man das Publikum mit einem neuen Programm erreicht, kann man vorher nie wissen», meinte Schneider nach der gelungenen Premiere erleichtert. Der Abend war ein voller Erfolg!
Weitere Tourneedaten auf www.florian-schneider.ch

