Neue Hoffnung für Tecknau
28.08.2026 BaselbietRegierung muss Busanbindung an Bahnhof nochmals prüfen
Der Landrat gibt der Petition für die Rückkehr der Buslinie 103 an den Bahnhof Tecknau neuen Schub: Entgegen der Empfehlung der Kommission überweist er das Anliegen deutlich als Postulat. Nun muss die ...
Regierung muss Busanbindung an Bahnhof nochmals prüfen
Der Landrat gibt der Petition für die Rückkehr der Buslinie 103 an den Bahnhof Tecknau neuen Schub: Entgegen der Empfehlung der Kommission überweist er das Anliegen deutlich als Postulat. Nun muss die Regierung über die Bücher.
Pascal Kamber
Die Bushaltestelle am Bahnhof Tecknau liegt sprichwörtlich in einer Sackgasse. Seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember wird die Haltestelle von der Buslinie 103 (Gelterkinden – Oltingen) nicht mehr bedient. Durch den Verzicht auf den Schwenker zum Bahnhof sollte genügend Zeit gewonnen werden, damit die Busse in Gelterkinden Anschlüsse an die Schnellzüge von und nach Basel gewährleisten können.
Dagegen regte sich Widerstand: 651 Personen unterzeichneten eine Petition, die im vergangenen Februar bei der Landeskanzlei eingereicht wurde. Sie verlangt, dass die Bushaltestelle am Bahnhof reaktiviert und im Gegenzug der Halt «Mitteldorf» gestrichen wird. Die zuständige Bau- und Planungskommission hielt wenig vom Vorhaben: Sie empfahl dem Landrat, die Petition lediglich zur Kenntnis zu nehmen – wenn auch denkbar knapp mit 7 zu 5 Stimmen.
An seiner gestrigen Sitzung nahm eine Mehrheit im Landrat jedoch selbst einen Schwenker vor. Das Parlament hiess den Antrag der SVP, die Petition als Postulat zu überweisen, mit 64 Ja- zu 13 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung deutlich gut. Nun muss die Regierung das Anliegen prüfen. «Ich bin sehr erleichtert, dass unser Vorstoss von der Bau- und Umweltdirektion unter Berücksichtigung aller bekannten Begebenheiten nochmals untersucht wird», freute sich die Tecknauer Petentin Maja Coletti, welche die Debatte im Liestaler Stadtsaal mitverfolgte.
SP unterstützt SVP
Auch SVP-Fraktionspräsident Markus Graf sprach im Landrat von einem wichtigen Anliegen aus der Bevölkerung, das man ernst nehmen müsse. «Der Bahnhof Tecknau muss als wichtiger Verkehrsknotenpunkt für das Oberbaselbiet erhalten bleiben. Momentan fahren viele Menschen mit dem Auto nach Gelterkinden, das kann es nicht sein. Vor allem nicht, wenn man den öffentlichen Verkehr fördern will», so Graf. Der Maispracher wies auf die gefährlichen Überholmanöver bei der Haltestelle Mitteldorf hin und darauf, dass für den Kanton mit der Reaktivierung weniger Kosten entstehen: «Am Bahnhof braucht es keine baulichen Massnahmen wie Unterstand oder Ticketautomat, weil diese Infrastruktur bereits vorhanden ist.»
Neben der «Mitte» unterstützte für einmal auch die SP das Anliegen der bürgerlichen Partei. «651 Personen haben die Petition unterschrieben, das ist für das Oberbaselbiet sehr viel», sagte Ernst Schürch. Der Rünenberger Landrat betonte, dass die Haltestelle am Bahnhof ungefähr die Hälfte der Gemeinde Tecknau bediene: «Dort hält auch die S3. Wer aber in Gelterkinden im Dorf oder beim Schwimmbad einsteigt, will nicht zuerst zum Bahnhof Gelterkinden fahren und dann den Zug nach Tecknau nehmen.»
Auch die Grünen stellten sich hinter den Vorschlag der SVP. «Wir müssen liefern und der Bevölkerung dienen. Genau das können wir hier machen», sagte die Gelterkinder Landrätin Anna-Tina Groelly.
Runder Tisch geplant
Gegen die Überweisung als Postulat sprachen sich GLP und FDP aus. «Die Diskussion in der Kommission hat gezeigt, dass eine Lösung nicht möglich ist mit den vorhandenen Zeitfenstern, die sich durch die Bewegungen auf dem Schienennetz ergeben. Daran ändert auch ein Postulat nichts», sagte Rolf Blatter (Aesch). Seine Worte verhallten ungehört, weil mittlerweile bekannt ist, dass der Lösungsvorschlag des Petitionskomitees für eine fundierte Überprüfung zu knapp bei der Bauund Planungskommission eingegangen ist.
Somit ist nun der Regierungsrat gefordert – und das am besten unverzüglich. Im Landrat wurde angeregt, die Bushaltestelle am Bahnhof Tecknau rasch zu reaktivieren und nicht erst mit dem nächsten Leistungsauftrag für den öV ab 2029. Gespannt sein darf man, ob der Kanton an seiner bisherigen Überzeugung festhält, dass die Rückkehr zum Bahnhof die Schnellzuganschlüsse in Gelterkinden gefährdet. Die Petitionäre halten dagegen und sagen, dass die Busse gemäss dem von ihnen ausgearbeiteten Fahrplanmodell auch mit der Reaktivierung rechtzeitig in Gelterkinden ankommen.
Immerhin: Matthias Liechti (Rümlingen), der am 1. Oktober seine Tätigkeit als Bau- und Umweltdirektor aufnimmt, zeige sich laut Maja Coletti bereit für einen runden Tisch mit SBB, Postauto und der Gemeinde Tecknau.

