Nestlé-Shop in Liestal
30.04.2026 BRIEFEDie bittersüsse Pille
Zum Artikel «Nestlé zieht in die Hauptstadt ein» in der «Volksstimme» vom 23. April, Seite 5
Vergangene Woche konnten wir in der Zeitung lesen, dass man sich freue, einen Nestlé-Laden im ...
Die bittersüsse Pille
Zum Artikel «Nestlé zieht in die Hauptstadt ein» in der «Volksstimme» vom 23. April, Seite 5
Vergangene Woche konnten wir in der Zeitung lesen, dass man sich freue, einen Nestlé-Laden im «Stedtli» zu begrüssen. Ist das wirklich ein freudiges Ereignis?
Seit dem Skandal der 1970er-Jahre – «Nestlé tötet Babys», als in Afrika ganze Generationen an Müttern vom Wert der Pulvermilch «made by Nestlé» überzeugt und vom Stillen mit Muttermilch abgebracht wurden, was zu einer erhöhten Kindersterblichkeit und vermehrter Armut führte – boykottiere ich diese Marke.
Wohlgesagt muss man dabei sehr genau hinsehen, denn viele Firmen wurden durch Nestlé aufgekauft und dem Konzern einverleibt. In der Schweiz wehrt sich Nestlé vehement gegen die Konzernverantwortung und will von gesetzlich festgelegten und einklagbaren Sorgfaltspflichten bezüglich Menschenrechte und Umweltschutz in fernen Ländern nichts wissen. Wenn sie sich an minimale Standards halten würden, hätten sie ja nichts zu befürchten, oder?
Der heutige Kampf geht ums Wasser, das, wie wir alle wissen, zunehmend knapp wird und weltweit Krisen auslöst
– zum Beispiel um die Nutzung von grossen Flüssen, die durch verschiedene Länder fliessen. Ungeachtet der Tatsache, dass der Zugang zu Wasser ein Menschenrecht ist, scheut sich Nestlé nicht, Quellen, die der Allgemeinheit gehören, auszubeuten und deren Wasser abgefüllt zu verkaufen – die lokale Bevölkerung geht leer aus, lebt mit rationiertem Wasser, muss sparen. Beispiele wie Vittel, eine Stadt in Frankreich, gibt es einige – die Grundwasserspiegel sinken, die Niederschläge werden weniger, aber Nestlé streicht ihre Milliardengewinne rücksichtslos ein! – Wollen wir zulassen, dass diese ethisch höchst bedenkliche Firma hier ihr Marketing betreibt und ihr Greenwashing als nachhaltig anpreist? Boykottieren Sie Nestlé – die Konsumentinnen und Konsumenten haben viel mehr Macht, als sie glauben!
Ariane Rufino dos Santos, Sissach
