Weshalb die Biber gelegentlich Bäume fällen
Seit Februar dürfen Biber in der Schweiz unter bestimmten Bedingungen geschossen werden – etwa, wenn sie erhebliche Schäden anrichten. Im Baselbiet ist das derzeit kein Thema: Der durch Biber erzeugte Schaden an der ...
Weshalb die Biber gelegentlich Bäume fällen
Seit Februar dürfen Biber in der Schweiz unter bestimmten Bedingungen geschossen werden – etwa, wenn sie erhebliche Schäden anrichten. Im Baselbiet ist das derzeit kein Thema: Der durch Biber erzeugte Schaden an der Vegetation ist überschaubar.
Brigitt Buser
Als der Bundesrat Anfang Februar neue Regelungen zur Wolfsregulierung in Kraft setzte, wurde auch die rechtliche Lage für den Biber angepasst: Künftig können Kantone einzelne Tiere abschiessen lassen – allerdings nur als letzte Massnahme, wenn erhebliche Schäden entstehen und sich diese nicht anders verhindern lassen.
Im Baselbiet ist dies momentan jedoch nicht notwendig, wie Holger Stockhaus vom Amt für Wald und Wild beider Basel sowie Dominik Hügli von der Biberfachstelle Baselland betonen: Biber regulierten sich in der Regel selbst. Eine Tötung wäre nur in akuten Gefahrensituationen denkbar – und das auch nur im Einzelfall.
Die Spuren der Tiere sind an verschiedenen Orten in der Region sichtbar. Kürzlich entdeckten Spaziergänger entlang der Ergolz – in der Nähe des Hundesportplatzes bei Itingen – angenagte Bäume. Ein Gehölz war sogar bis auf den Wurzelstrunk abgenagt. Laut Biberfachmann Hügli ist das nichts Ungewöhnliches: «Biber halten keinen Winterschlaf und sind deshalb auch im Winter auf Nahrungssuche.» An Gewässern, die im Winter zufrieren, und in Baunähe legen sie einen Vorrat an, ein sogenanntes «Nahrungsfloss». Dazu häufeln die Biber Äste und Zweige im Wasser auf, die sie mit Zweigen fixieren und durch ihr Eigengewicht unter Wasser drücken, sodass sie sich mit Wasser vollsaugen. Friert das Gewässer, ist das Floss gesichert. Wo die Gefahr eines Zufrierens nicht vorhanden ist, legt der Biber nur ein reduziertes Nahrungsfloss an.
Warum werden Bäume gefällt?
Wird der Biber von Hunger aus seinem Bau getrieben, muss er sich spätestens im Spätwinter auf Nahrungssuche machen, wobei er nur wenige Wildpflanzen und blattreiche Triebe von Sträuchern oder Wurzeln von Wasserpflanzen vorfindet. Daher ist er auf saftige Baumrinden und Knospen angewiesen.
Ist genügend Rinde vorhanden, raspelt er diese mit seinen langen und scharfen Schneidezähnen ab, mit denen die Tiere sechsmal mehr Druck ausüben können als wir Menschen. Dies tun sie in der Regel nur bei vorhandenen Weichhölzern wie Pappeln und Weiden – also kaum Pflanzen, die für uns Menschen einen grossen Nutzen haben.
Ist trotzdem zu wenig Futter vorhanden, kann es vorkommen, dass der Biber einen Baum fällt. Dies ist die einzige Möglichkeit, um an Rinde oder Knospen zu gelangen – denn Biber können nicht klettern. Bei der Nahrungssuche im Winter sind Biber aufgrund fehlenden Schutzes durch Gras oder Laub noch mehr der Gefahr ausgesetzt, Beute von grossen Greifvögeln oder des Fuchses zu werden. Daher fällen Biber lieber einen Baum in Baunähe, als schutzlos dem Bachufer entlang nach Nahrung zu suchen.