Nackt
21.05.2026 PersönlichVerletzlig und fragil chönne mir sy, mir Mensche. Es git Momänt, wo eim das wiider bewusst wird. Derby bini grad so entspannt gsi. Nach zwei Stund Dampfbaad und Whirlpool bini weich und warm zrugg zu de Kabine gschlurft. Amene verschifften Yys-Heiligen im Chlor go uftaue. Das isch e ...
Verletzlig und fragil chönne mir sy, mir Mensche. Es git Momänt, wo eim das wiider bewusst wird. Derby bini grad so entspannt gsi. Nach zwei Stund Dampfbaad und Whirlpool bini weich und warm zrugg zu de Kabine gschlurft. Amene verschifften Yys-Heiligen im Chlor go uftaue. Das isch e gueti Idee gsi. Aber i bi nid der Einzig gsi, wo se gha het. Das Umchleide-Areal isch zwar so gross, wiene Luftschiff-Hangar (wenn in d Wyyti vo de Gäng luegsch, gsehsch, ass d Ärde rund isch), aber e freii Kabiine hani trotzdäm keini gfunde. Verloren imene rutschige Labyrinth us luute Fööhn und nervöse Lüt, wo mögligscht schnäll im Dampf häi welle verschwinde, hani müessen en Entscheidig träffe.
Irgendwenn bini nämmlig usküehlt vor mym Schliessfach gstanden und ha kei anderi Möglichkeit me gseh, ass der Tüechli-Trick. S Tüechli um d Hüfte binde, und husch husch, d Badhose mit der Unterwösch wächsle. I ha konzentriert uf mys Frottee-Tüechli aabegluegt. Bedruckt mit irgend ere Glace-Marken us de 90er Joor, isch es nass an mir aabeghange. Kei Aanig, wohär ich das Tuech ha. So Frottee-Tüechli syn es Mysterium. I glaub, i ha no nie bewusst es Frottee-Tüechli kauft. Die Tüechli chömme zu eim und si verlöien eim wiider. Si füllen eim Badzimmerschränk, bis si platze. Wenn Frottee-Tüechli eusi neui Wäärig weere, denn hätte mir ändlig e grächti Verteilig, hani dänkt, und ha versuecht, die nasse Badhosen unter em Tüechli d Bei durab z rupfe.
Foif Schränkli wyyter, het sich e junge Maa für s glych Manöver entschiide. Är isch vom einten uf en andere Fuess ghüpft und het sich mit der rächte Hand am offene Schliessfach-Tüürli ghebt. Es het ihn hi und här gschwunge derby. In dere missliche Laag häi sich eusi Blick troffe. Und i säg, wies isch: Irgendwie hets öbbis Heilends gha, dä Augeblick. Mir häi eus gseh in dere fragile Situation. Mir häi eus gseh, in euser Scham und in euser Angscht vor em Schyttere. Und das het eus verbunde. I bi nid der Einzig, wo sich in settigi Situatione bugsiert. Mir sy nid elläi. Aber au d Absurditeet vo der ganze Gschicht isch plötzlig klar ersichtlig gsi. Mir häi beidi churz müesse lache. Über eus sälber und über s Läbe.
Und denn isch e Kabine frei worde. Mir häi eus beidi gegesytig der Vortritt welle gee. E soo lang, bis en eelteri Frau vo der Syte cho isch und gfrogt het: «Isch die Kabine no frei?» Und mir häi beidi gsäit: «Jo.»
Är het mer zuegnickt, het sy Täschen us em Schliessfach gno und isch dervo gschlurft. Uf sym Frottee-Tüechli der Pingu, wo mer zuezwinkeret het. I han em hindedry gluegt, bis er irgendwo zwüsche Spiegel und Schliessfächer verschwunden isch. Und trotz dere ganze Gschicht, hets mer denn no uf my Bus glängt. Isch doch au mol schön.
Dominik Muheim ist in Reigoldswil aufgewachsen und lebt in Liestal. Er ist freischaffender Kabarettist und Slam-Poet. Er gewann 2017 den Baselbieter Kulturpreis und war 2024 Träger des «Salzburger Stiers».

