Stützmauern können mehr als nur stützen – ein kreatives Beispiel aus Liestal
Stützmauern sind nötig, um Hänge zu sichern. Leider sind die meisten monofunktional. Dabei könnten diese Wände zusätzlich die Biodiversität fördern und ...
Stützmauern können mehr als nur stützen – ein kreatives Beispiel aus Liestal
Stützmauern sind nötig, um Hänge zu sichern. Leider sind die meisten monofunktional. Dabei könnten diese Wände zusätzlich die Biodiversität fördern und im Sommer einen Beitrag zur Kühlung der Umgebung leisten. Ein gutes Beispiel aus Liestal.
Heinz Döbeli
Das kreative Element einer neu entstandenen Stützmauer an der Erzenbergstrasse in Liestal sind die grossen Löcher, in der Fachsprache «Sickerlöcher» oder «Drainageöffnungen» genannt. In der Regel sind das kleine Löcher von etwa 15 Zentimetern Durchmesser, die meist am Mauerfuss in etwa ein bis zwei Metern Abstand angebracht sind. Fehlen diese Löcher, würde das Sickerwasser schlecht abfliessen und so Druck aufbauen. Das würde die Stabilität der Mauer beeinträchtigen, speziell wenn die nasse Erde hinter der Mauer gefriert. Die Erde würde sich ausdehnen, was zu Rissen führen könnte. Oder die Mauer würde weggedrückt.
Verschiedene Füllungen
Die Bilder zeigen, dass die Sickerlöcher mit verschiedenen Materialien gefüllt sind. In einigen sind Kalksteine verbaut. Diese sind ein Ersatz für Trockensteinmauern, gedacht für Mauereidechsen. Andere Löcher sind mit Holzrugeln verfüllt, mit oder ohne Löcher. Die Funktion ist offensichtlich: Wildbienen.
Mehr Hintergrundwissen braucht es bei den Lehmfüllungen. Auch diese dienen Wildbienen und Grabwespen. Entweder um Bruthöhlen zu bauen oder als Baumaterial.
Wenn noch ein Bewuchs zugelassen wird, könnte diese Mauer zugleich einen Beitrag zu Kühlung der Umgebung leisten. Bei einigen Löchern spriessen geeignete Pflanzen, etwa «Chillemürli» (Zimbelkraut). Weitere Pflanzen können von oben hängend oder von unten kletternd für eine Bedeckung mit Blättern sorgen.
Die Mauer dient als «lebendes Bauwerk» und hat einen hohen didaktischen Wert. Sie zeigt, wie Fugen zwischen den Steinen, Löcher in Hölzern oder Lehmwände von Kleintieren und Pflanzen als Lebensräume genutzt werden.