Mythos und Geschichte in Jakob Probsts Werk
27.03.2026 BaselbietPlanet Probst – Freier Umgang mit den Traditionen
Diana, Ikarus, David und Goliath, ein Faun, Henry Dunant, Heini Strübin, Kolumbus – in Jakob Probsts Werk begegnen wir wiederholt Namen aus der Welt der Mythen und der Geschichte. Was sagt uns das? Floh Probst so aus der ...
Planet Probst – Freier Umgang mit den Traditionen
Diana, Ikarus, David und Goliath, ein Faun, Henry Dunant, Heini Strübin, Kolumbus – in Jakob Probsts Werk begegnen wir wiederholt Namen aus der Welt der Mythen und der Geschichte. Was sagt uns das? Floh Probst so aus der Gegenwart zu Vergangenem, entführt er uns so aus der Realität durch deren mythische Überhöhung?
Machen wir mit seiner Statue der Diana die Probe aufs Exempel. Ausser dem Namen, welcher der Statue angeheftet wurde, deutet wenig darauf hin, dass wir es hier mit der antiken Jagdgöttin zu tun haben. Von ihrem Gefolge keine Spur, nichts, das an eine der Geschichten erinnern könnte, welche die Göttin in der Überlieferung umranken. Offensichtlich will Propst mit seiner «Diana» nicht alte Mythen heraufbeschwören, sondern den Moment höchster Kraftanstrengung und Konzentration zeigen, die es braucht, um den Bogen zu spannen und das Ziel zu treffen.
Entscheidender Moment
Vergleichbares lässt sich bei Probsts «Ikarus» beobachten. Weder gibt es Anspielungen auf die Flucht von Dädalus und Ikarus aus Kreta, noch gibt es einen Hinweis auf das unüberlegte, übermütige Verhalten von Ikarus. Letzterer flog bekanntlich trotz Mahnungen seines Vaters zu nahe an die Sonne, worauf das Wachs seiner Flügel schmolz und er abstürzte.
Was Probst am Sturz des Ikarus interessiert, ist der Moment des Aufschlags. Nehmen wir zum Vergleich dazu eine historische Persönlichkeit, Heiri Strübin aus Liestal. Strübin war Gastwirt der «Sonne» und später auch Schultheiss des Städtchens. Von der Teilnahme an der letzten Schlacht der Eidgenossen und ihrer Verbündeten gegen Karl den Kühnen bei Nancy am 7. Januar 1477 brachte Strübin eine teilvergoldete Silberschale als Beute mit nach Hause. Probst stellt Strübin mit geschultertem Langschwert und erbeuteter Schale dar. Damit definiert er auch einen bestimmten Zeitpunkt beziehungsweise Zeitraum: Strübins Rückkehr aus dem Krieg. Dass dieser erfolgreich verlief, geht aus Strübins selbstsicherer Haltung hervor: Breitbeinig steht er auf dem Brunnen beim alten Zeughaus, und das geschulterte Schwert gibt zusätzlichen Halt im Raum.
Hat Jakob Probst ikonografische Studien für seine Brunnenfigur betrieben? Höchstwahrscheinlich gibt es kein Porträt von Heiri Strübin, und wenn doch: Hätte Probst sich bei der Arbeit an seinem Strübin beeinflussen lassen? Aus seinen Erzählungen über die Teilnahme am Wettbewerb für eine Büste von Papst Pius II. wissen wir, dass Probst erst richtig in Fahrt kam, als er die erhaltenen Kopien, Münzen und Medaillen mit Abbildungen des Papstes beiseite legte und sich sagte: «Jetzt machst du einen Papst, wie du ihn siehst!»
Säende Geste
Einen Schritt weiter ging Jakob Probst beim Denkmal für Ferdinand Hodler. Hier verzichtete er ganz auf eine Darstellung Hodlers. Stattdessen schuf er einen Krieger, der jenen glich, die Hodler auf seinem Gemälde «Rückzug von Marignano» dargestellt hatte. Ähnlich ging Jakob Probst beim Henry-Dunant-Denkmal vor, wo ein Engel Dunant vertritt.
Eine andere Frage stellt sich bei Probsts schöner Plastik «Die Säerin», die in der Riehener Mohrhaldenanlage mit säender Geste über die Wiese schreitet. Sie wirkt wie eine Erscheinung zwischen Sein und Traum. Sie trägt zwar ein Kleid und ist doch mehr nackt als angezogen. Ist dies ein Tribut an die Schönheit ihres Körpers oder eine Marotte des Künstlers ohne tieferen Sinn? Ob Jakob Probst uns auf unsere Frage eine Antwort gegeben hätte? Oder ob er darüber einfach gelacht hätte?
Martin Stohler



