Mumie hinter der Wand
27.05.2026 Bezirk LiestalTemporeiche Spurensuche in Ina Hallers neuem Krimi
Heute Abend stellt Ina Haller ihren achten Samantha-Krimi in der Buchinsel in Liestal vor. Eine mumifizierte Leiche, alte Familienkonflikte und falsche Fährten treiben die Handlung rasant voran. Eine Buchbesprechung.
...Temporeiche Spurensuche in Ina Hallers neuem Krimi
Heute Abend stellt Ina Haller ihren achten Samantha-Krimi in der Buchinsel in Liestal vor. Eine mumifizierte Leiche, alte Familienkonflikte und falsche Fährten treiben die Handlung rasant voran. Eine Buchbesprechung.
Anna Wegelin
Es ist März, Helga und Hans-Peter Hofstetter stehen kurz vor ihrer Goldenen Hochzeit. Doch zum Feiern ist ihr nicht zumute, denn er erlitt einen schweren Schlaganfall und hat eine fortschreitende Altersdemenz. Hans-Peter wohnt im Pflegeheim in Aesch – in Liestal waren alle Plätze belegt.
Das gemeinsame frühere Zuhause der Familie Hofstetter, in dem auch der Sohn Freddy aufwuchs, ist ein Bauernhof irgendwo in der Umgebung von Liestal. Er gehört Hans-Peter, der seinen Bruder Andreas ausbezahlte, als dieser vor 25 Jahren auswandern wollte. Eigentlich sollte Freddy den Hof traditionsgemäss weiterführen. Der machte jedoch die Hotelfachschule, weshalb sein Vater den Kontakt zu ihm ganz kappte. Trauriger Familien-Knatsch, wie er leider gang und gäbe ist.
Nun hat Helga den Hof – ohne das Wissen von Hans-Peter – dem Freddy übertragen, und er und sein langjähriger Freund Tom Flückiger wollen daraus einen Wellness-Ort machen. Sie sind gerade daran, das Wohnhaus aus den 1970er-Jahren, das inzwischen in einem üblen Zustand ist, von Grund auf zu sanieren. Als Freddys und Toms gemeinsamer Jugendfreund Joel Gyger und seine Lebenspartnerin Samantha Kälin einen Hammer vorbeibringen für den Abbruch einer besonders zähen Doppelwand, fällt ihnen nach dem ersten Schlag eine mumifizierte Leiche entgegen. Und danach ist nichts ist mehr wie vorher.
Schnörkellose Sprache
Ein Ötzi; eine Tote am Fusse des beliebten Aussichtsturms auf dem Liestaler Schleifenberg; Brandstiftung, Einbruch, Leibesattacke und Entführung mit Knebelung; und zum Schluss noch ein Toter im Stall – auch in Ina Hallers achtem Baselbieter Krimi «Liestaler Lügen» mit Samantha alias Sammy als Hauptfigur überschlagen sich die Ereignisse in atemberaubendem Tempo.
Mit ihrer schnörkellosen Sprache, ihren plastischen Beschreibungen mit präzisen Details zu Orten und Figuren, Situationen und Stimmungen, und mit ihrer schieren Lust am Legen falscher Fährten hat die produktive Autorin, die mit ihrer Familie bei Aarau lebt und gerne auf abenteuerliche Outdoor-Reisen geht, eine ureigene Handschrift als Autorin von Kriminalromanen gefunden, die in Liestal und dem Baselbiet angesiedelt sind.
Hallers Figuren sind ganz normale Menschen, mit ihren Ticks und «Sörgeli», ihren sonnigen und schattigen Seiten. Die Autorin ergründet die Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen und beschreibt, wie der Alltag von einem Moment auf den anderen aus den Fugen geraten kann. Mit schwerwiegenden Folgen und ganz so, wie uns das Leben manchmal spielt.
Im Zentrum steht auch dieses Mal nicht etwa ein Ermittler von Amtes wegen beziehungsweise Jan Nussbaum von der Polizei Basel-Landschaft, sondern Sammy, eine ganz normale Frau mit einer speziellen Biografie. Sammy arbeitet als Qualitätsmanagerin in einem familiengeführten Kosmetikunternehmen im Liestaler Schildareal und bewohnt mit ihrem Partner Joel ein Mietshaus an der Seltisbergerstrasse vor Ort. Sie hat die besondere Gabe, in Kriminalfälle verwickelt zu werden und dabei selber in den Kreis der Verdächtigen zu geraten.
Wie Haller auf das Baselbiet kam
Hallers Samantha-Krimis führen vom Aargau im Erstling «Rüebliland» aus dem Jahr 2019 nach Liestal und querbeet durchs Baselbiet bis ins ferne Ausland. «Liestaler Lügen» spielt wiederum im und ums «Stedtli» und führt zum grossen Parkplatz auf der Windentalhöhe oder zur Schalberghöhle über der Aescher Klus, mit einem Abstecher nach Zermatt. «Ich muss einen Schauplatz spüren, bevor ich die Handlung dorthin verpflanze», erklärt die Autorin.
Wie ihrer Hauptfigur Sammy, die vor zwei Jahren nach Liestal zog, sei ihr das Baselbiet zuerst «etwas fremd» vorgekommen, abgesehen vom «Chienbäse» und der Bölchenfluh. «Aber dann gehe ich mit Sammy einen Ort zusammen anschauen, zum Beispiel den Liestaler ‹Eiffelturm›.» Und heute fühle sie sich schon fast «ein wenig heimisch» im Baselbiet, so Haller. Für den Faktencheck sorgen die zahlreichen Hinweise ihrer Fangemeinde per E-Mail und eine einheimische Freundin, «meine Informantin», so Haller schmunzelnd.
Auf die Frage, weshalb sie Sammy und Joel nach Liestal zügeln liess, antwortet die Autorin, das habe sich einfach so ergeben. Die Heldinnen ihrer beiden Krimireihen, Andrina aus Aarau und Sammy aus Liestal, durften sich auf keinen Fall begegnen, erzählt Haller: «Also suchte ich einen Ort, den ich von daheim schnell erreiche. Denn ich muss ja eine Umgebung spüren können für das atmosphärische Drumherum, und im Baselbiet habe ich Samanthas ideale Wahlheimat gefunden.»
Ina Haller: «Liestaler Lügen», Kriminalroman. 288 Seiten, Broschur. Emons Verlag, Köln.
Buchvernissage: Mittwoch, 27. Mai, 19.45 Uhr, Buchinsel, Lüthy + Stocker AG, Rathausstrasse 8, Liestal. Anschliessend Apéro.


