Mit dem Klappstuhl durchs Baselbiet
10.04.2026 Porträt, BaselbietEmil Berger – Lehrer und Landschaftsmaler zwischen Schulzimmer und Staffelei
Emil Berger (1890 – 1979) hielt das Baselbiet mit wachem Blick und feinem Gespür fürs Licht fest – unaufgeregt, genau und der Region tief verbunden.
Hanspeter ...
Emil Berger – Lehrer und Landschaftsmaler zwischen Schulzimmer und Staffelei
Emil Berger (1890 – 1979) hielt das Baselbiet mit wachem Blick und feinem Gespür fürs Licht fest – unaufgeregt, genau und der Region tief verbunden.
Hanspeter Gautschin
Emil Berger wurde 1890 in Waldenburg geboren. Das Städtchen im engen Tal prägte seinen Blick früh: die steilen Hänge, die wechselnden Jahreszeiten, das Spiel von Sonne und Schatten zwischen Jurafelsen und Dorfhäusern. Berger wuchs in einer Zeit auf, in der sich das Baselbiet allmählich veränderte – Industrialisierung hier, bäuerliche Tradition dort. Diese Spannungen zwischen Bewahren und Aufbruch begleiteten ihn ein Leben lang.
Berger entschied sich zunächst für einen bodenständigen Beruf: Ab 1912 wirkte er als Primarlehrer in Sissach. Mehr als vier Jahrzehnte unterrichtete er dort Generationen von Kindern. Wer mit Zeitzeugen spricht, hört von einem Lehrer, der nicht nur Rechnen und Schreiben vermittelte, sondern auch die Freude am Zeichnen. Das Schulzimmer war für ihn kein Gegensatz zur Kunst, sondern Teil davon. Bildung und Gestaltung gehörten zusammen.
Gemalt hat Berger vor allem in seiner freien Zeit. Oft sass er mit Klappstuhl und kleiner Staffelei draussen in der Landschaft. Er suchte keine spektakulären Motive. Dorfplätze, Feldwege, Marktszenen, die Ergolz im Abendlicht – das Alltägliche genügte ihm. Seine Bilder leben vom genauen Hinsehen. Das Licht ist nie bloss Effekt, sondern Stimmungsträger.
Natur als zentrales Thema
Ein bekanntes Werk ist der «Sissacher Herbstmarkt» von 1932. Berger zeigt den Budenplatz mit Marktständen und einem Riesenrad, das damals erstmals im Dorf aufgestellt war. Die Proportionen wirken leicht verschoben, das Riesenrad beinahe übergross. Gerade diese Überhöhung verleiht dem Bild Spannung. Man spürt die Faszination des Malers für das neue Element im vertrauten Dorfgefüge. Berger dokumentiert nicht fotografisch, er deutet.
Auch die Natur blieb ein zentrales Thema. In «Garben in der Bützenen» aus den 1940er-Jahren breitet sich eine sommerliche Landschaft aus. Goldene Garben liegen auf dem Feld, dahinter zeichnet sich die Silhouette des Dorfes ab. Die Farbigkeit ist warm, das Licht weich geführt. Das Bild strahlt Ruhe aus. Es erzählt von einer Zeit, in der die bäuerliche Arbeit noch den Rhythmus des Jahres bestimmte.
In späteren Jahren wurde Bergers Malweise freier. Ein Bild aus seinem Todesjahr 1979, gemalt hinter seinem Haus an der Ergolz, überrascht mit kräftigen, ungebrochenen Farben. Eine Spaziergängerin trägt einen leuchtend roten Mantel, die Konturen sind deutlicher gesetzt als in früheren Arbeiten. Hier zeigt sich ein Künstler, der sich nicht auf Bewährtes zurückzog, sondern weiter suchte.
Werk von bleibendem Wert
Berger stellte seine Werke wiederholt aus, auch in Basel. Er war kein Lautsprecher, kein Provokateur. Sein Werk ist leise, regional verankert und gerade deshalb von bleibendem Wert. 1990 erinnerte eine Gedächtnisausstellung im Schloss Ebenrain in Sissach an sein Schaffen.
Emil Berger starb 1979. Seine Bilder bleiben. Sie zeigen das Baselbiet in einer Epoche, die uns heute bereits fern erscheint – ohne Sentimentalität, mit Respekt vor der Landschaft und den Menschen. In einer Zeit rascher Veränderungen bewahren sie einen Blick für das Nahe.
Künstler, Dichter, Macher und Visionäre vs. In unserer Serie stellt Hanspeter Gautschin Menschen aus dem Oberbaselbiet vor, die einst prägend wirkten, heute aber fast vergessen sind. Es sind Künstlerinnen, Dichter, engagierte Macherinnen, stille Visionäre – ebenso wie Unternehmer, Tüftler und Gestalter der Industriewelt, die mit Innovationsgeist und Tatkraft die Entwicklung unserer Region vorantrieben. Persönlichkeiten, die das kulturelle, soziale, sportliche, geistige oder wirtschaftliche Leben des Oberbaselbiets nachhaltig geprägt haben. Mit erzählerischem Gespür und einem feinen Blick für das Wesentliche lässt Gautschin diese Lebensgeschichten wieder aufleuchten – als Erinnerung, Inspiration und als Beitrag zur regionalen Identität.
Hanspeter Gautschin (1956) lebt in Oberdorf und blickt auf eine facettenreiche Laufbahn im Kulturbereich zurück. Als ehemaliger Impresario, Kulturförderer und Museumsleiter erzählt er mit Vorliebe Geschichten über Menschen, Kultur und das Leben im Alltag.

