Metzgete – einmal anders
12.05.2026 BaselbietPOSTSKRIPTUM | In der «Volksstimme» vom 8. Mai ist von den Neubauplänen beim Gasthaus zum «Rössli» in Wintersingen die Rede. In diesem Zusammenhang kam mir ein ganz spezielles Wochenende wieder in den Sinn.
Es war ein ...
POSTSKRIPTUM | In der «Volksstimme» vom 8. Mai ist von den Neubauplänen beim Gasthaus zum «Rössli» in Wintersingen die Rede. In diesem Zusammenhang kam mir ein ganz spezielles Wochenende wieder in den Sinn.
Es war ein Freitagnachmittag und ich hatte mich auf ein Korrektur-Wochenende eingestellt. Kaum hatte ich den ersten Aufsatz in Angriff genommen, läutete das Telefon.
«Grüezi. Ich hätte gerne vier Plätze für Ihre Metzgete reserviert, für heute Abend.»
Relativ überrumpelt gab ich zur Antwort, dass es sich um einen Irrtum handeln müsse. Mein Vater habe zwar ursprünglich Metzger gelernt, aber ich selber hätte keine Beiz.
Kurze Pause.
Darauf, und zwar in relativ heiterem Ton: «Dann wünsche ich Ihnen noch viel Spass. Ihre Telefonnummer steht nämlich im Inserat des Wintersinger ‹Rössli› – für das Metzgete-Wochenende …»
Der Anrufer sollte Recht behalten. Es wurde ein bewegtes Wochenende.
Das Inserat war nämlich nicht nur in der «Volksstimme» erschienen. Bereits am Freitagnachmittag läutete es bei mir im 10-Minuten-Takt. Was tun? Stecker raus und Ruhe? Nein, das geht nicht. Die «Rössli»-Crew kann ja nichts dafür und hat sich, ganz im Gegensatz zu mir, bereits auf drei Tage Hochbetrieb vorbereitet.
Also suchte ich die korrekte Telefonnummer des Lokals und legte sie griffbereit neben meine Aufsätze.
Nach dem dritten Anruf konnte ich die Nummer auswendig, wies die Anrufer auf den Irrtum hin, gab ihnen die korrekte Nummer und versuchte mich weiter an meinen Aufsatz-Korrekturen.
Relativ erfolglos!
Das Telefon läutete nämlich nicht nur am Freitag, sondern auch den ganzen Samstag und bis weit in den Sonntag hinein. Die Metzgete im «Rössli» schien weit herum bekannt und beliebt zu sein.
Am Samstag, gegen 19 Uhr, nahm ich einen weiteren Anruf entgegen.
«Guten Abend, hier ist Frau Speiser vom ‹Rössli› in Wintersingen. Soeben hat uns ein Gast auf Ihren Telefondienst aufmerksam gemacht. Ganz herzlichen Dank dafür, dass Sie sich so für uns einsetzen. Wir selber haben den Irrtum im Inserat nämlich gar nicht bemerkt. Und: Selbstverständlich sind Sie zu unserer nächsten Metzgete herzlich eingeladen!»
Eine nach wie vor lebendige und schöne Erinnerung.
Jörg Rieder
