Mein Reha-Alltag
05.02.2026Zwei Monate ist es her, seit ich mit dem Snowboard ins Sicherheitsnetz geflogen bin, mir die Schulter verletzt habe und operiert werden musste. Die erste Etappe mit «Norbert» – dem Abduktionskissen – habe ich nun überstanden. Keine Angst, ich habe dem Stützkissen ...
Zwei Monate ist es her, seit ich mit dem Snowboard ins Sicherheitsnetz geflogen bin, mir die Schulter verletzt habe und operiert werden musste. Die erste Etappe mit «Norbert» – dem Abduktionskissen – habe ich nun überstanden. Keine Angst, ich habe dem Stützkissen zwar einen Namen gegeben, aber keine Gespräche mit ihm geführt.
Nach wie vor ist es immer noch undenkbar, dass ich von der Reha nach Hause gehen könnte. Das Hauptproblem ist das Rollstuhlfahren. Ich kann und darf den linken Arm noch nicht belasten, schon alleine deswegen wäre ich nicht selbstständig. Da ich mich gegen einen Elektrorollstuhl wehrte, erhielt ich einen Rollstuhl, bei dem ich mit meinen Beinen trippeln kann und mich so voranbringe. Dies ist anstrengend, da meine Beinrückseite aufgrund meiner Behinderung schwächer ist, aber somit auch das perfekte Training. Mit dem rechten Arm kann ich weiterhin Rollstuhl fahren, grössere Strecken lege ich aber trotzdem nicht zurück. Dies wird noch für ein paar Wochen so bleiben.
Das zweite Problem ist die bestehende Inkontinenz. Wenn meine Blase voll ist, muss ich einen Katheter durch die Harnröhre in die Blase einführen, um diese zu leeren. Zudem muss ich für die Darmentleerung ein spezielles «System» durchführen – da erspare ich Ihnen aber die Details. Für beides benötige ich zwei Hände und die hatte ich bisher nicht. Langsam werde ich in diesen Bereichen wieder selbstständiger, das bedeutet mir sehr viel.
Der Schulter selber geht es deutlich besser. Leider liegen aber Nervenverletzungen vor, die sich nur langsam erholen. Aufgrund dieser Verletzungen habe ich noch nicht wirklich die Kontrolle über den linken Arm. Zu Beginn ging gar nichts – dies war ganz schön beängstigend. Vergangene Woche habe ich nun aber stetig Fortschritte gemacht und erhalte jeden Tag ein paar Zentimeter mehr an Bewegung zurück. Die Chancen für eine vollständige Genesung stehen gut. Es handelt sich nämlich um die peripheren Nerven, die sich regenerieren können. Nerven sind aber sehr eigenwillig, daher ist eine klare Prognose nicht möglich.
Gerade lernen wir in der Reha den Nerven, über eine Muskelstimulation per elektrischen Impulsen, was sie zu tun haben, um sie so zu unterstützen. Es geht voran und das zählt. Mein Therapieplan ist voll mit unterschiedlichen Terminen wie Physio-, Ergo-, Schmerz- und Elektrotherapie, Kraftraum, Personal Training, Massage, Visite, gelegentlichen Untersuchungen und mehr. Ich trainiere viel, um meinen Arm wieder zurückzubekommen und gleichzeitig den restlichen Körper fit zu halten. Ich bleibe dran und möchte bald zurück aufs Board – wann es soweit sein wird, ist noch unklar.
Romy Tschopp
Vom Rollstuhl aufs Snowboard: Die Sissacherin Romy Tschopp (1993) ist die erste Schweizer Para-Snowboarderin, die an Paralympischen Spielen teilnehmen konnte. Sie wurde 2023 Vizeweltmeisterin im Snowboardcross.

