«Mehr tun, als nur Geld verwalten»
15.02.2024 TurnenSeit geraumer Zeit hat der Bezirksturnverband Waldenburg mit Personalmangel zu kämpfen. Die Hälfte der Vorstandsämter ist aktuell vakant. Wird es dem Waldenburger Verband so gehen wie dem Liestaler und Arlesheimer, die es seit Jahren nicht mehr gibt?
Luana ...
Seit geraumer Zeit hat der Bezirksturnverband Waldenburg mit Personalmangel zu kämpfen. Die Hälfte der Vorstandsämter ist aktuell vakant. Wird es dem Waldenburger Verband so gehen wie dem Liestaler und Arlesheimer, die es seit Jahren nicht mehr gibt?
Luana Güntert
Schon ein Blick auf die Website des Bezirksturnverbands (BTV) Waldenburg lässt einen die Stirn runzeln: Fünf von zehn Ämtern im Vorstand sind momentan vakant. Wird sich 14 Jahre nach dem BTV Arlesheim und 10 Jahre nach dem BTV Liestal auch der kleinste Verband im Kanton auflösen müssen? «Nein», sagt Michel Degen. Trotzdem sei die Situation im Vorstand gemäss dem Verbandspräsidenten «prekär».
«Unsere Aktivitäten gingen mangels Vorstandsmitglieder zurück und momentan sind wir eher am Verwalten und Aufrechterhalten», so Degen. Aktuell organisiere der BTV nur noch die Bezirksmeisterschaften im Faustball und Unihockey, der letzte grössere Anlass liegt Jahre zurück. Das regionale Jugend-Turnfest, das im Frühling in Bennwil stattfindet, werde hauptsächlich vom TV Bennwil geplant, der BTV wirke nur unterstützend. Schon vor der Pandemie sei der Vorstand eher schlecht als recht aufgestellt gewesen, was sich während der vergangenen Jahre noch zugespitzt hat.
Sissach als Vorbild
Für Degen ist klar, dass der schlecht aufgestellte Vorstand kein Problem des BTV Waldenburg ist, sondern ein gesellschaftliches. Es gebe viele Menschen, die nicht ehrenamtlich tätig sein wollen. «Bei uns im Vorstand engagieren sich die meisten noch in anderen Organisationen. Aber solche Leute werden immer rarer.» Zudem ist Degen der Meinung, dass viele Personen die Corona-Pandemie noch nicht verdaut hätten.
Trotzdem sagt Degen, dass es im Kanton auch positive Beispiele gibt: «Der BTV Sissach ist sehr gut aufgestellt. Auch beim Laufentaler Turnverband läuft es rund.» Grundsätzlich wolle auch der kantonale Verband, dass die Bezirksturnverbände aufrechterhalten werden, da die Vereine aus den Liestaler und Arlesheimer Verbänden nun etwas «aussen vor» stünden, da sie keine eigenen Anlässe im Bezirk mehr haben. «Es gibt aber auch Vereine in diesen Bezirken, die der Meinung sind, dass es auch ohne Verband gut läuft», ergänzt Degen.
Hilft der Workshop?
Trotz der ungünstigen Lage sieht Degen vorsichtig optimistisch in die Zukunft des BTV Waldenburg. Besonders, weil er spürt, dass die Vereine hinter dem Verband stehen. «Dies vor allem, um die Jugendarbeit zu fördern und Anlässe auf die Beine zu stellen.» Da nur eine Bekenntnis zum Verband aber nichts bewirkt, hat der Vorstand den runden Tisch ins Leben gerufen. Dies ist ein dreiteiliger Workshop, der bereits 2023 und im Januar zweimal stattgefunden hat und heuer im August zum dritten Mal durchgeführt wird. «Dort setzen wir uns mit den Verantwortlichen aus den Vereinen zusammen und suchen nach Lösungsansätzen», sagt Degen. «Aus fast allen Vereinen hatten wir Leute da.» Es hätten sich auch schon Personen gemeldet, die Interesse an einem Amt im Vorstand haben.
Für die Besetzung der Vorstandsposten hat sich der BTV nun eine Deadline gesetzt: «Im Oktober findet unsere Delegiertenversammlung statt. Bis dahin wollen wir Lösungen gefunden haben», so Degen. Für den Verband gebe es aber mehr als fünf willige Ehrenamtliche zu suchen, denn auch das Amt des Präsidenten wird frei. «Das habe ich schon vor ein paar Jahren angekündigt.» Er habe das Amt nun viele Jahre übernommen und da er noch in anderen Organisationen verpflichtet ist – zum Beispiel im Vorstand des Bezirksschützenverbands Waldenburg –, möchte er das Amt abgeben.
«In den vergangenen Jahren habe ich als Präsident zusammen mit dem Vorstand nicht viel bewirkt», so Degen. Es müsste eigentlich mehr laufen und ein Vorstand sollte mehr tun, als Geld zu verwalten. Deshalb sollte nun «etwas gehen». Denn auch wenn die Auflösung des Verbands eigentlich kein Thema ist, sagt der Liedertswiler: «Wenn gar nichts mehr geht, müssen wir ihn auflösen, auch wenn es mich reuen würde. Ich hoffe, dass dieser Druck nun etwas bewegt.»
Was wäre, wenn …?
Für den Fall, dass sich der BTV Waldenburg doch auflösen sollte, hat Degen verschiedene Szenarien im Kopf. Eine Fusion mit dem benachbarten Sissacher Verband sei aber kein Thema. «Der BTV Sissach will keine Vereine mehr aufnehmen und ich verstehe das.» Momentan sei der Vorstand gut besetzt und der Verband könne regelmässig Anlässe auf die Beine stellen. Das liege aber auch an der Überschaubarkeit.
Für Degen sei eher eine Öffnung der Bezirksgrenzen denkbar. «So könnten wir uns mit Vereinen aus dem Bezirk Liestal zusammenschliessen.» Natürlich müsste dann der Name des Verbands geändert werden, was aber keine Rolle spielen würde. Eine andere Möglichkeit wäre es, dass der Waldenburger Verband bestehen bleibt und man mit einer Statutenänderung auswärtige Vereine eintreten liesse.
Was mit dem Bezirksturnverband Waldenburg geschieht, wird die Zukunft zeigen. «Nun hoffe ich, dass die Motivation der Personen am Workshop eine Sogwirkung hat und etwas geht», sagt Degen.