«Mehr Rücksicht auf abgelegene Dörfer»
21.05.2026 BaselbietFDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger verlässt den BLT-Verwaltungsrat
Nach acht Jahren tritt FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger aus dem Verwaltungsrat der Baselland Transport AG zurück. Im Interview spricht die Thürnerin über die Zukunft des ...
FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger verlässt den BLT-Verwaltungsrat
Nach acht Jahren tritt FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger aus dem Verwaltungsrat der Baselland Transport AG zurück. Im Interview spricht die Thürnerin über die Zukunft des öffentlichen Verkehrs, gerade für abgelegene Dörfer im Baselbiet.
Tobias Gfeller
Frau Schneeberger, die Baselland Transport AG (BLT) möchte auf der Waldenburgerbahn einen Betrieb komplett ohne Wagenführer realisieren. Würden Sie sich wohlfühlen als Fahrgast, wenn das «Waldenburgerli» ohne Personal verkehrt?
Daniela Schneeberger: Im ersten Moment hätte ich wohl – wie viele andere auch – ein leicht mulmiges Gefühl – wie bei allen grossen Innovationen. Gleichzeitig habe ich grosses Vertrauen in die Technik und in die Sicherheitsstandards, die in der Schweiz gelten. Das teilautomatisierte Fahren ist ein bedeutender Fortschritt und zeigt, dass wir im regionalen Verkehr innovativ vorangehen. Entscheidend ist, dass die Sicherheit gewährleistet ist und die Fahrgäste vertrauen können.
Sie waren acht Jahre lang Mitglied des Verwaltungsrats der BLT.
Welche Ereignisse – positiv wie negativ – waren für Sie als Verwaltungsrätin prägend?
Es war eine sehr spannende Zeit, Corona war eine anspruchsvolle Zäsur. Dennoch, die Jahre waren geprägt von einem starken Modernisierungsschub. Besonders hervorheben möchte ich die Weiterentwicklung der Waldenburgerbahn hin zu einem teilautomatisierten Betrieb sowie den Roll-out der neuen Tina-Trams. Insgesamt hat sich die BLT in diesen Jahren technologisch und organisatorisch stark weiterentwickelt – sei es bei Fahrzeugen, digitalen Angeboten oder kundenfreundlichen Anwendungen. Die BLT will vorwärtsmachen und den Fahrgästen einen modernen, attraktiven öffentlichen Verkehr bieten. Dies eben ganz im Sinne ihres Slogans «Wir machen vorwärts».
Welche Anliegen konnten Sie als Verwaltungsrätin der BLT einbringen und was davon wurde umgesetzt?
Es geht nicht darum, eigene Einzelanliegen durchzusetzen, sondern gemeinsam und konstruktiv die strategische Ausrichtung des Unternehmens zu bestimmen und die Geschäftsleitung zu begleiten. Die Geschäftsleitung leistet aus meiner Sicht hervorragende Arbeit und es war unsere Aufgabe, diese Arbeit strategisch zu unterstützen und zu überwachen.
Wo sehen Sie bei der BLT noch Verbesserungs- und Entwicklungspotenzial?
Das ist keine Frage, die ich als scheidende Verwaltungsrätin beantworten möchte – das ist Aufgabe der aktiven Gremien hier, Vorstellungen zu äussern. Sicher ist, es gibt noch viel zu tun – der öffentliche Verkehr hat noch sehr viel Potenzial und die BLT verdient den Support der Politik.
Der Landrat möchte abgelegene Dörfer im Baselbiet nachts besser ans ÖV-Netz anbinden. Wie beurteilen Sie diesen Entscheid?
Wenn Menschen auch später am Abend zuverlässig nach Hause kommen, stärkt das die Lebensqualität und hilft, die Gemeinden lebendig zu halten. Gerade für kleinere Orte braucht es kreative und kosteneffiziente Lösungen – etwa Rufbusse oder flexible Angebote. Entscheidend ist, dass wir niemanden abhängen. Als Einwohnerin einer Gemeinde im oberen Baselbiet ist mir dieses Anliegen besonders wichtig. Eine gute Erschliessung der Randregionen ist entscheidend für die Attraktivität des Baselbiets.
Die Kosten des öffentlichen Verkehrs steigen stetig, nicht nur aufgrund des Angebotsausbaus. Wie kann der öV mittelfristig finanziert werden? Braucht es aus Ihrer Sicht einen Ausbaustopp?
Der öffentliche Verkehr ist ein zentraler Standortfaktor und trägt wesentlich zur nachhaltigen Entwicklung bei.
Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: Ausbau und auch Unterhalt kosten Geld. Deshalb braucht es eine sorgfältige Prioritätensetzung und laufende Effizienzsteigerungen. Einsparungen sollten aber nicht auf Kosten der Randregionen erfolgen. Einen generellen Ausbaustopp halte ich für den falschen Weg.
Mehrere Linien, darunter auch Buslinien und die Waldenburgerbahn im Baselbiet, haben einen niedrigen Kostendeckungsgrad. Der Bund möchte die Schraube anziehen und die Schwellen für Subventionen erhöhen. Wie beurteilen Sie dieses Vorhaben? Sollten die Kantone stärker zur Kasse gebeten werden, um stark defizitäre Linien zu finanzieren?
Grundsätzlich ist es richtig, auf Effizienz zu achten. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass der öV auch eine Service-public-Aufgabe erfüllt – gerade in ländlichen Regionen. Der Vorschlag des Bundes zeigt, dass die Finanzierung des regionalen Personenverkehrs unter Druck steht. Wenn strengere Vorgaben kommen, wird man über die Finanzierung breiter diskutieren müssen: Das kann höhere Beiträge der Kantone bedeuten, punktuell auch Anpassungen bei den Tarifen oder zusätzliche Effizienzgewinne im System. Wichtig ist, dass wir ausgewogene Lösungen finden und die Versorgung in den Randregionen weiterhin sicherstellen.

