Massnahmen zur Bekämpfung gesucht
04.06.2024 WintersingenBreitenhoftagung mit Neuerungen
Weil einige Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen sind, ist das Bekämpfen des Pflaumenwicklers für die Produzenten eine grosse Herausforderung. Derzeit werden Methoden getestet, um die Schäden in Grenzen zu halten. Um diese ...
Breitenhoftagung mit Neuerungen
Weil einige Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen sind, ist das Bekämpfen des Pflaumenwicklers für die Produzenten eine grosse Herausforderung. Derzeit werden Methoden getestet, um die Schäden in Grenzen zu halten. Um diese Herausforderung und noch mehr drehte sich die Breitenhoftagung von Agroscope.
Otto Graf
Die diesjährige Breitenhoftagung von Agroscope, dem Steinobstzentrum in Wintersingen, wartete mit einer Neuerung auf. Erstmals wurde als Ergänzung zum Rundgang durch die Kulturen eine vom Baselbieter Obstverband organisierte Ausstellung von Maschinen und Gerätschaften durchgeführt, die vorwiegend im Obstbau eingesetzt werden. «Mit dieser Ausstellung», sagte Manuel Boss, Leiter Kompetenzbereich Pflanzen und pflanzliche Produkte bei Agroscope, beim Begrüssen der Teilnehmenden, «wollen wir mit der traditionellen Breitenhoftagung zusätzlich ein jüngeres Publikum ansprechen und den sonntäglichen Event attraktiver gestalten.»
Ob sich die gezeigten Gerätschaften durchsetzen werden, muss der Markt entscheiden. Eine kleine mobile Hebeplattform zum Beispiel erleichtert das Ernten und Abtransportieren zweifellos enorm. Was aber in einer spanischen Aprikosenkultur gut funktionieren mag – für das Ausdünnen des überstehenden Fruchtbehangs vor der Ernte – lässt sich hingegen nicht unbedingt eins zu eins auf eine Zwetschgenanlage hierzulande übertragen. Ericius 3000 nennt sich die Maschine. Sie verfügt über 3000 rotierende und flexible Kunststoffstäbe mit einer Metallkappe am Ende. Die Stäbe durchkämmen wie eine grosse Bürste die Obstbäume.
Pro Arbeitsgang ergab sich, wie die Vorversuche im vergangenen Jahr gezeigt haben, eine Fruchtreduktion um bis zu 20 Prozent. Je nach Ergebnis muss die Aktion wiederholt werden. Rotieren die Stäbe zu schnell, erleiden die am Baum verbleibenden Früchte hagelähnliche Druckschäden. Zudem kann die Maschine im Gegensatz zum menschlichen Auge nicht unterscheiden, welche Früchte am Baum zu belassen sind. Ob sich das Gerät wirtschaftlich einsetzen lässt, ist noch offen. Vorderhand ist die Handarbeit finanziell wesentlich günstiger als die Arbeit der Maschine. Deshalb sind weitere Versuche erforderlich.
Sorgenkind Pflaumenwickler
Ein ernstes Problem, um bei den Zwetschgen zu bleiben, haben die Produzentinnen und Produzenten von Steinobst mit dem Pflaumenwickler, wie Barbara Egger von Agroscope aufzeigte. Erschwerend kommt dazu, dass einige Pflanzenschutzmittel nicht mehr verwendet werden dürfen. Am erfolgversprechendsten ist eine Kombination von Verwirrungstechnik, Pflanzenschutzmitteln und totaler Einnetzung der Anbauflächen. Die Versuche, diesen Schädling zu bekämpfen, laufen seit Jahren.
Der Fokus liege derzeit, wie Egger betonte, auf dem Bekämpfen der zweiten Larvengeneration mit ordentlich bewilligten Wirkstoffen. Als Alternative sei die Bekämpfung der ersten Larvengeneration zu prüfen, sagte die Wissenschaftlerin weiter. Dabei soll auch der Einsatz von Nematoden geprüft werden. Nematoden sind kleine Fadenwürmer, die gegen diverse Schädlinge als natürliche Alternative zu chemischen Mitteln eingesetzt werden. «Es ist und bleibt schwierig. Aber ich bin hoffnungsvoll, dass wir dieses Problem eines Tages in den Griff bekommen», gab Barbara Egger zu verstehen.
An der jährlichen Fachtagung in Wintersingen haben die Kirschen im «Chiirssiland Baselbiet» stets einen hohen Stellenwert. Der bisherige Verlauf und der Reifeprozess lassen eine gute Ernte mit einer geschätzten Menge von 2800 Tonnen Tafelkirschen erwarten. Zu den beliebtesten Frühsorten gehört die Kamala, die kurz vor der Regina reift, gut pflückbar ist und sich durch ein festes Fruchtfleisch und gutes Aroma auszeichnet. Zu den Frühsorten ist auch die aus Kalifornien stammende grosskalibrige Nimba zu zählen.
Schliesslich gab auch der Markt allgemein zu reden. Rund 80 Prozent der Tafelkirschen werden im Grosshandel über Aktionen abgesetzt. Damit die köstlichen schwarzen Knackigen ihrem guten Ruf im Volk gerecht werden, kommt der Qualität der Ware höchste Priorität zu. In diesem Punkt sind sich die Produzenten, der Handel und die Konsumierenden einig. Das höchste Qualitätslabel im Festzelt hat sich ausserdem das vom Frauenverein Wintersingen hervorgezauberte Dessertbuffet erarbeitet.