Mama treibt Sport
12.03.2026 SportEs gibt diese Vorstellung der sportlichen, ausgeglichenen berufstätigen Mutter. Sie steht früh auf, dreht noch schnell eine Runde auf dem Rennvelo, macht danach Frühstück für die Kinder, performt in ihrem Job und geht nach der Arbeit noch rasch ins Yoga. Ein schönes ...
Es gibt diese Vorstellung der sportlichen, ausgeglichenen berufstätigen Mutter. Sie steht früh auf, dreht noch schnell eine Runde auf dem Rennvelo, macht danach Frühstück für die Kinder, performt in ihrem Job und geht nach der Arbeit noch rasch ins Yoga. Ein schönes Bild. Ein beneidenswertes. Und eines, das mit dem Alltag sehr wenig zu tun hat.
Ich würde viel Sport treiben! Eigentlich. Ich sässe regelmässig auf dem Rennvelo, könnte die Strasse unter den Reifen surren hören, den Kopf leer fahren und den Körper spüren. In meiner Vorstellung gibt es lange Ausfahrten, frische Morgenluft und dieses herrliche Gefühl von Müdigkeit in den Beinen. In der Realität steht das Velo meist sehr dekorativ im Büro. Als stilles Denkmal meiner sportlichen Ambitionen.
Nicht, dass ich keine Lust hätte! Der Wunsch ist da. Sehr sogar. Aber irgendwo zwischen Job, «Znüni-Boxen», Wäschebergen, Tränen trocknen und der verzweifelten Suche nach verschwundenen Turnschuhen verliert sich der Plan einer grossen Velorunde regelmässig … Sport geschieht dann eher in kleineren, ungeplanten Dosen: ein schneller Lauf, wenn sich plötzlich eine Stunde auftut, ein paar Kraftübungen zwischen Legosteinen oder mich abgekämpft aufs Indoor-Velo zwingen, wenn die Kinder schlafen und auch ich mir schon vor Müdigkeit die Augen reibe.
Und dann gibt‘s diese seltenen, beinahe magischen Tage. Wie vergangenen Samstag den einzelnen Tag auf dem Snowboard, an dem alles passte: das Wetter, die Betreuung der Kinder, die eigene Energie. Plötzlich stehe ich wieder oben am Berg, schnalle das Board an und erinnere mich daran, wie sich Freiheit anfühlt. Wie der Schnee unter der Kante knirscht, der Kopf still wird und der Körper schlicht weiss, was er zu tun hat. Solche Tage sind rar – und womöglich gerade deshalb so beglückend.
Natürlich waren auch die Skiferien mit den Kindern schön. Wirklich. Die ersten Kurven, ihr stolzes Winken vom Bügellift, heisse Schokolade in der Berghütte. Es sind andere Momente, andere Glücksgefühle. Nur halt nicht ganz dieselben wie früher, als man einfach losfahren konnte, ohne Kinderhandschuhe zu suchen, ohne Pausenplanung, ohne Diskussionen über kalte Füsse.
Vielleicht ist dies die Wahrheit über Sport im Leben einer berufstätigen Mutter: viel weniger als gewünscht, unregelmässiger, chaotischer, improvisierter. Findet er aber statt, fühlt er sich umso kostbarer an. Und in ruhigen Momenten der Reflexion weiss ich ja auch: Irgendwann wird wieder mehr möglich sein. Sagen wir, so in zehn, zwölf Jahren …
Vera Gmür
Vera Gmür (1985) ist Präsidentin Frauenfussball beim FVNWS. Die Ormalingerin spielte früher selber im Halbprofibereich, heute engagiert sie sich für die Entwicklung des Mädchen und Frauenfussballs in der Region und spielt bei den Seniorinnen des SV Sissach.

