Mahajanga, Madagaskar
20.02.2026 Persönlich«Stadt, die gesund macht.» Ich glaube nicht, dass diese Stadt wirklich ein Gesundbrunnen ist. Es handelt sich bei diesem Slogan um die wortwörtliche Übersetzung aus dem Madagassischen. Gegründet wurde Mahajanga von einem Herrn Andrianandisoaridy. Diesen Namen können ...
«Stadt, die gesund macht.» Ich glaube nicht, dass diese Stadt wirklich ein Gesundbrunnen ist. Es handelt sich bei diesem Slogan um die wortwörtliche Übersetzung aus dem Madagassischen. Gegründet wurde Mahajanga von einem Herrn Andrianandisoaridy. Diesen Namen können Sie sofort wieder vergessen. Ich habe ihn nur deshalb notiert, weil viele madagassische Namen unglaublich lang sind. Die heutige Hauptstadt der Madagassen heisst Antananarivo, Regierungschef ist Herintsalama Rajaonarivelo.
Sollten Sie das Wort Mahajanga noch nie zuvor gehört haben, so ist dies weiter nicht schlimm. Ich kannte diese Stadt bis vor Kurzem auch nicht. Mahajanga ist die viertgrösste Stadt der Insel Madagaskar und hat mehr als 200 000 Einwohner. Bemerkenswert: Man akzeptiert hier weder Kredit- noch Debitkarten. Und auch keine US-Dollars oder Euros. Und schon gar keine Schweizer Fränkli. Malagasy Ariary müssen es sein.
Natürlich könnte ich jetzt bei einer Bank meine mitgeführten Banknoten in die einheimische Währung umtauschen. Dieser Vorgang ist jedoch eine äusserst kräftezehrende Angelegenheit und kann durchaus zwei Tage dauern. Um es wie ein Mitreisender zu sagen: Forget it. Vergiss es. Etwas, was ich auch sofort gemacht habe und den Weg zum grössten (Umfang 21 Meter), ältesten (mehr als 1000 Jahre) Baobab-Baum unter die eigenen Füsse genommen habe. Wir haben den Affenbrotbaum und uns angeschaut und der vielen Sklaven gedacht, die unter diesem Baum ihren letzten Atemzug getan haben. Die Details wollten wir gar nicht wissen. Wir waren nur froh, dass der Baum nicht sprechen konnte.
Vielleicht sind die Sklaven auch an der Pest gestorben. Diese tritt auf der Insel leider auch heute immer wieder sporadisch auf. Ich finde diese Tatsache so kurz vor der eidgenössischen Bargeldinitiative äusserst interessant. Nein, nicht die Pest. Ich kann an dieser Stelle nur wiederholen, was mir schon des Öfteren auf Reisen ans Ende der Welt passiert ist: Es gibt Länder, die wollen keine Plastikkarten und kein «komisches Geld». Die wollen einheimische Moneten. Beinahe hätte ich es vergessen: Man hat vielfach auch keinen Zugang zum Internet.
Falls Sie zu den Kreditkartenverweigerern gehören und das böse Plastik nicht mitnehmen wollen: Angesichts einer grösseren Reise rate ich Ihnen dringend, alle Vorurteile gegenüber dem Teufelszeug über Bord zu werfen. Denn gewisse Dienstleistungen – dazu gehören Übernachtungen, Automieten und Flüge – können ohne Plastikkarten nicht im Voraus gebucht werden.
Sollten Sie in Liberia eine grössere Menge Kokosnüsse gekauft haben und diese über Ihr Rubel-Konto in Zypern bezahlen wollen, müssen Sie vorher Ihre Bank informieren. Ohne Informationen wird die Bank Ihr Konto und damit Ihre Kreditkarte sperren.
Diese kurze Geschichte sollten sich sowohl die Befürworter als auch die Gegner dieser unausgegorenen Initiative hinter die Ohren schreiben. Es ist keine Anleitung zum Abstimmen, es soll einfach ein wenig nachdenklich stimmen.
Der Autor, Kolumnist Hanspeter Gsell, lebt seit mehr als 40 Jahren in Sissach.

