Louis van der Haegen
13.03.2026 BaselbietIm Alter von 91 Jahren ist Louis van der Haegen am 24. Februar im Alters- und Pflegeheim Mülimatt in Sissach verstorben.
Als zu Beginn des Jahres 2022 Louis van der Haegen in der Altersresidenz des Hotels Sonne in Sissach einzog, kam – von der Öffentlichkeit weitgehend ...
Im Alter von 91 Jahren ist Louis van der Haegen am 24. Februar im Alters- und Pflegeheim Mülimatt in Sissach verstorben.
Als zu Beginn des Jahres 2022 Louis van der Haegen in der Altersresidenz des Hotels Sonne in Sissach einzog, kam – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – ein musikalisches Schwergewicht nach Sissach. Bald schon muss dem einen oder anderen aufgefallen sein, dass der ältere Herr in der Öffentlichkeit gerne mit einem Cap mit der Aufschrift «Blues Festival Basel» unterwegs war.
Zu Recht: Im Milleniumsjahr 2000 hat Louis van der Haegen das Blues Festival Basel gegründet; selbstredend übernahm er gleich den Job als Präsident des gleichnamigen Vereins. Auch beim Festival Summerblues Basel packte er tatkräftig an.
Wer war dieser Mann, der in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die Basler Jazz- und Bluesszene wie kaum ein anderer Konzertveranstalter mitgeprägt hat? Geboren im Mai 1934 im Urnerland als Sohn eines Bahnangestellten, besucht er zunächst in Gurtnellen die Schule, bevor er in Luzern Heizungszeichner lernt. Er bildet sich weiter und wird zu einem ausgewiesenen Fachmann im Bereich Sonnenenergie. Bald gehört er landesweit zu den Pionieren, die Solaranlagen propagieren und installieren.
Während seiner Lehrzeit in Luzern kommt er mit Jazz und Blues in Kontakt. Damals, sagte Louis van der Haegen einst zur «Volksstimme», sei er «richtiggehend zum Fan geworden». Selber versucht er es auf der Bassgeige, doch er verkauft diese wieder, um einen Kinderwagen zu finanzieren.
Louis van der Haegen verlegt sich darauf, Konzerte zu veranstalten. Als damals erst 22-Jähriger holt er unter anderem den US-amerikanischen Jazzposaunisten Kid Ory (1886–1973) und den Star-Saxofonisten Sidney Bechet in die Schweiz. Auch nach seiner Heirat mit einer Berlinerin und dem Umzug der jungen Familie in die Region Basel zu Beginn der 1960er-Jahre bleibt er diesem Hobby treu. Zusammen mit Gleichgesinnten gründet er den Jazzclub Aesch/Pfeffingen und engagiert sich als Musikchef beim Jazz-Weekend in Reinach.
Erst als Pensionär beginnt sich Louis van der Haegen auch für andere musikalische Stilrichtungen zu interessieren, zum Beispiel für Country- und Rockmusik. Die Liste der internationalen und nationalen Musikgrössen, die van der Haegen auf Schweizer Bühnen gebracht hat, ist illuster und lang – bis hin zu Legenden wie Allen Toussaint (1938– 2015). Obwohl Van der Haegen nur bruchstückhaft Englisch sprach, war er mit zahlreichen Musikerinnen und Musikern aus den USA und Grossbritannien befreundet.
Aber auch zu regionalen Künstlerinnen und Künstlern wie Othella Dallas (1925–2020) pflegte er einen ausgezeichneten und freundschaftlichen Kontakt. Zur «Volksstimme» sagte Louis van der Haegen einst, er habe wohl um die 1000 Konzerte in seinem Leben organisiert. Im Jahr 2002 wurde dieser Mann, der derart viel für das regionale Musikgeschehen getan hat, mit der «Goldenen JAP-Note» des Jazzclubs Aesch/ Pfeffingen und einige Jahre später mit dem «Swiss Blues Lifetime Achievement Award» geehrt.
Louis van der Haegen ist im Kreise seiner Angehörigen friedlich eingeschlafen.
Robert Bösiger
Am 30. Juni wird auf der Sissacherfluh – dem Lieblingsplatz von Louis van der Haegen im Alter – ein Erinnerungskonzert stattfinden. Auftreten werden mit ihm befreundete Musiker aus der Region Basel. Alle, die ihn kannten und seiner gedenken wollen, sind willkommen.

