Logistikbranche wandelt sich
20.03.2026 RegionKI soll Produktivität der Firmen steigern, Platzbedarf erhöht sich
Die Digitalisierung der Logistikbranche schreitet rasch voran: Eine US-Firma präsentierte ein Tool, das die Produktivität im Frachtgeschäft um 300 bis 400 Prozent erhöhen soll. Experte Roman ...
KI soll Produktivität der Firmen steigern, Platzbedarf erhöht sich
Die Digitalisierung der Logistikbranche schreitet rasch voran: Eine US-Firma präsentierte ein Tool, das die Produktivität im Frachtgeschäft um 300 bis 400 Prozent erhöhen soll. Experte Roman Mayer bezeichnet die Ankündigung als übertrieben, aber für die Branche interessant.
André Frauchiger
Im angelsächsischen Raum, aber auch in den Nachbarstaaten der Schweiz, löste Mitte Februar eine Ankündigung eines kleineren US-Unternehmens einen richtigen Hype in der Logistikbranche aus. Die Mitteilung, es habe ein IT-Tool namens «SemiCab» entwickelt, das die Produktivität im Frachtgeschäft massiv erhöhen könne, löste sogar an der Börse heftige Reaktionen aus. Unter anderem die britische Zeitung «The Guardian» vermeldete in Grossbuchstaben die sensationelle Neuigkeit der US-Firma, ihr Produkt vermöge in einer Logistikfirma das Frachtvolumen um 300 bis 400 Prozent zu erhöhen – bei gleichbleibendem Personalbestand.
Eine Sensation? In den Schweizer Medien wurde diese Verlautbarung kaum zur Kenntnis genommen. Misstrauen hiesige Logistikfirmen dieser Nachricht? Ist eine solche Steigerung des Frachtvolumens utopisch?
Die «Volksstimme» befragte dazu Roman Mayer von der in Frenkendorf domizilierten Logistikfirma Swissterminal AG. Nach rund 20 Jahren als CEO ist Mayer im vergangenen Jahr, auch im Zuge der Integration von Swissterminal in DP World, von der operativen Unternehmensleitung zurückgetreten. Er ist aber nach wie vor als Logistikfachmann in der Firma tätig. Nebenberuflich wirkt er als Präsident der Wirtschaftskammer Baselland und berät dabei Firmen.
Eine Erhöhung des Frachtvolumens um 300 bis 400 Prozent allein durch eine entsprechende IT-Lösung hält Mayer «für nicht realistisch». 30 bis 40 Prozent Wachstum liegen seiner Meinung nach im Bereich des Möglichen. Grosses Potenzial sieht er besonders in der Minimierung von Leerfahrten, von denen es heute zu viele gebe. Und dies sei kostspielig. «Bei den Leerfahrten bestehe noch grosses Verbessungspotenzial, das durch KI und verfeinerte Vernetzungen der Verkehrsströme angegangen werden könnte. Beim latent bestehenden Personalmangel könnte IT gar ‹die Rettung› sein», meint der Logistikfachmann.
Abhängigkeiten als Problem
Mit Skepsis blickt Roman Mayer auf die möglichen Abhängigkeiten der Unternehmen von IT-Plattformen. Auch das Konkurrenzdenken der Logistikfirmen stehe einer gemeinsam genutzten Plattform entgegen. Wenn sich aber zwei grosse Firmen dazu entschliessen sollten, trotz aller Bedenken im IT-Bereich zusammenzuspannen, könnte dies eine «Lawine» bei den anderen Logistikfirmen auslösen. Natürlich müssten noch verschiedenste Regulatorien und auch rechtliche Fragen geprüft und einer Lösung zugeführt werden, so Mayer. Dann aber dürfte die «IT-Welle» bei den einzelnen Unternehmen und zwischen diesen ins Rollen kommen. Transparenz zwischen den Firmen in Sachen IT sei «zugunsten aller Beteiligten» gefragt.
Mayer geht davon aus, dass in den nächsten drei bis sieben Jahren mit Kooperationen neue, erfolgreiche Wege in der Logistik-IT gefunden und eingeschlagen werden. Bis in zehn Jahren dürfte dann der grossangelegte Einsatz eine Selbstverständlichkeit sein. «Offen sein für diese neuen Entwicklungen» müsse die Devise der Firmen sein, so Mayer. Auch als Präsident der Wirtschaftskammer rate er den Unternehmen, fortschrittlich zu sein und sich den grossen Entwicklungen im IT-Bereich und möglichen Partnerschaften nicht zu verschliessen.
Firmen brauchen mehr Platz
In der von der Bau-, Planungs- und Umweltschutzdirektorenkonferenz im Jahr 2018 initiierten Studie «Logistikstandorte von überkantonaler Bedeutung» wird der Branche trotz verschiedenster Probleme bis ins Jahr 2050 ein beachtliches Wachstum auch bei den Beschäftigten vorausgesagt. Erwartet wird ein Wachstum der Anzahl Beschäftigten um 2,2 bis 4 Prozent.
Interessant hinsichtlich IT ist: Die Technisierung und Digitalisierung werde den Bedarf an Logistikflächen um 2,5 bis 25 Prozent steigern, wird in der Studie erklärt. Dieser Bedarf werde aber nicht einfach zu befriedigen sein, erklären die Regierungen beider Basel in einem kürzlich veröffentlichten Bericht an die beiden kantonalen Parlamente. Es werde nicht ohne eine konsequentere Nutzung der bereits bestehenden Logistikflächen gehen.
Die Herausforderungen für die Logistikbranche in der Region Basel sind in den nächsten Jahren sehr gross – sie reichen von der «IT- und KI-Welle» über personelle Herausforderungen bis zu räumlichen Problemen. Und alles hängt letztlich zusammen. Aber neben den Problemen gibt es laut Experten auch Chancen, die zu nutzen seien.


