Lisi Mangold – ein heller Stern, der früh verglühte
19.09.2025 BaselbietAndenken an eine Schauspielerin mit einer Ausnahmebegabung
war ihr Anfang und ihr Ende. Dazwischen: Berlin, München, Hamburg, Bochum – und der kurze, intensive Glanz einer Theaterkarriere, die Lisi Mangold (24. April 1950 – 4. Januar 1986) zur Hoffnungsträgerin des ...
Andenken an eine Schauspielerin mit einer Ausnahmebegabung
war ihr Anfang und ihr Ende. Dazwischen: Berlin, München, Hamburg, Bochum – und der kurze, intensive Glanz einer Theaterkarriere, die Lisi Mangold (24. April 1950 – 4. Januar 1986) zur Hoffnungsträgerin des deutschsprachigen Theaters machte.
Hanspeter Gautschin
Annelies, wie sie mit vollem Namen hiess, wuchs in Böckten auf, besuchte die Real- (heutige Sekundar-)Schule in Sissach und danach die Mädchenoberschule in Basel. Ihre berufliche Laufbahn sollte sie eigentlich zur Kindergärtnerin führen – bis eine Lehrerin ihr Talent entdeckte und sie ermutigte, an die Schauspielschule nach Zürich zu gehen. Dort wurde sie aufgenommen und schloss ihre Ausbildung mit Auszeichnung ab.
Ihr erstes Engagement führte sie ans renommierte Schillertheater Berlin, wo sie in Franz Xaver Kroetz’ «Wildwechsel» erste Aufmerksamkeit erregte. Doch ihr eigentliches künstlerisches Zuhause wurde ab 1974 das Ensemble der Münchner Kammerspiele. Regisseur Ernst Wendt erkannte früh ihre kompromisslose Ausdruckskraft und machte sie zur Hauptdarstellerin vieler seiner Inszenierungen.
Viele und vielfältige Rollen
In wenigen Jahren spielte Mangold ein Repertoire, das anderen ein ganzes Berufsleben abverlangt: Sie war unter anderem Käthe in Gerhart Hauptmanns «Einsame Menschen», Natascha in Maxim Gorkis «Nachtasyl», Luise in «Kabale und Liebe», August Strindbergs «Fräulein Julie» und «Minna von Barnhelm». Ihre Darstellung in Thomas Braschs «Lovely Rita» – eine berührende Rolle zwischen Trotz und Zerbrechlichkeit – brachte ihr 1978 den Titel «Stern des Jahres» der Münchner Abendzeitung ein.
Doch bei aller Karriere blieb Lisi Mangold dem Oberbaselbiet verbunden. Immer wieder zog es sie nach Böckten zurück – in die vertraute Landschaft, zur Familie, zu den Bauernhöfen, wo sie sich mit leuchtenden Augen unter das Vieh mischte oder Kirschen pflückte. Im Sommer 1985 bezog sie das liebevoll renovierte Bauernhaus beim Dorfbrunnen – ein Neuanfang war geplant, vielleicht sogar ein künstlerisches Wirken in der Schweiz.
Dazu kam es nicht. Lisi Mangold starb am 4. Januar 1986, nur 35-jährig, an einem Hirntumor. Ihre letzte Rolle spielte sie, wie so oft, kompromisslos: Bis zuletzt suchte sie Heimat, Klarheit, Nähe. Ihr langjähriger Regisseur und Gefährte Ernst Wendt sagte an ihrer Abdankung in der Kirche St. Jakob in Sissach: «Gespürt haben wir, wie sie auch heimatlos wurde – und suchte, was die Gegenkraft zu ihrer wütenden Neugier nur sein konnte: Heimat.»
Mangold war nicht nur auf der Bühne präsent: Sie wirkte auch in Filmen mit (unter anderem «Tatort», «Deutschland im Herbst», «Die Mitläufer», «Mann ohne Gedächtnis») und sprach die Celia in der deutschen Hörspielfassung von «Per Anhalter durch die Galaxis» – wiederum unter Wendt. Bis zuletzt war sie mit dem Schauspieler Charles Brauer liiert, der durch sie seine Liebe zum Oberbaselbiet entdeckte. Mit Lisi zog er nach Böckten – und blieb. Bis heute lebt Brauer, einer der profiliertesten deutschsprachigen Schauspieler, im kleinen Dorf, das einst auch für Lisi Heimat war.
Lisi Mangold war mehr als eine vielversprechende Schauspielerin – sie war eine jener seltenen Persönlichkeiten, die auf der Bühne ein Leben sichtbar machen konnten. Und doch blieb sie im Innersten ein Kind aus Böckten. Fast vergessen – aber unvergessen für jene, die sie sahen.
Künstler, Dichter, Macher und Visionäre
vs. In unserer Serie stellt Hanspeter Gautschin Menschen aus dem Oberbaselbiet vor, die einst prägend wirkten, heute aber fast vergessen sind. Es sind Künstlerinnen, Dichter, engagierte Macherinnen, stille Visionäre – ebenso wie Unternehmer, Tüftler und Gestalter der Industriewelt, die mit Innovationsgeist und Tatkraft die Entwicklung unserer Region vorantrieben. Persönlichkeiten, die das kulturelle, soziale, sportliche, geistige oder wirtschaftliche Leben des Oberbaselbiets nachhaltig geprägt haben. Mit erzählerischem Gespür und einem feinen Blick für das Wesentliche lässt Gautschin diese Lebensgeschichten wieder aufleuchten – als Erinnerung, Inspiration und als Beitrag zur regionalen Identität.
Hanspeter Gautschin (1956) lebt in Oberdorf und blickt auf eine facettenreiche Laufbahn im Kulturbereich zurück. Als ehemaliger Impresario, Kulturförderer und Museumsleiter erzählt er mit Vorliebe Geschichten über Menschen, Kultur und das Leben im Alltag.

