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08.09.2026 Bezirk LiestalNeues Projekt von Pro Senectute soll Generationen verbinden
Ein Kind und eine Seniorin oder ein Senior treffen sich wöchentlich, lesen gemeinsam und sprechen über ihr Buch. So sieht das Projekt «Gemeinsam lesen» von Pro Senectute aus, das baldmöglichst in der ...
Neues Projekt von Pro Senectute soll Generationen verbinden
Ein Kind und eine Seniorin oder ein Senior treffen sich wöchentlich, lesen gemeinsam und sprechen über ihr Buch. So sieht das Projekt «Gemeinsam lesen» von Pro Senectute aus, das baldmöglichst in der Kantonsbibliothek stattfinden soll.
Lea Wieser
Fernseher oder Videospiele statt Bücher und Comics. Kinder, die nicht verstehen, wie man ein Buch umblättert, weil sie nur Touchscreens gewohnt sind. Das ist die Realität der jüngsten Generation. Studien zeigen, dass Kinder weniger lesen und dadurch ihre Lesekompetenz deutlich gesunken ist. Die Stiftung Pro Senectute beider Basel hat ein Pilotprojekt auf die Beine gestellt, das dieser Entwicklung zumindest im kleinen Rahmen entgegenwirken soll.
«Gemeinsam lesen» gehört zum übergeordneten Projekt «Begegnung der Generationen». Ziel ist es, ältere Menschen in Kontakt mit jüngeren zu bringen und damit den intergenerationellen Dialog zu fördern. Anne Uphoff ist Sozialarbeiterin bei Pro Senectute und leitet verschiedene dieser generationenübergreifenden Projekte. Sie erklärt, dieser Austausch sei wertvoll für ältere Menschen, die einen aktiven Beitrag an die Gesellschaft leisten möchten. Die jüngere Generation profitiere davon, mit dem Wissen und der reichen Lebenserfahrung älterer Menschen in Kontakt zu kommen.
«Mit ‹Gemeinsam lesen› möchten wir eine Atmosphäre schaffen, in der Kinder ausserhalb des oft starren schulischen Rahmens lernen können», sagt Uphoff. Ohne Leistungsdruck, mit selbst ausgesuchtem Buch und der Möglichkeit, individuell auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, solle das erreicht werden. Die Projektverantwortliche erhofft sich, dass die Lesekompetenz der Kinder so verbessert werden kann. Sie sollen aus Freude lesen statt aus Pflichtgründen, die häufig eher das Gegenteil bewirken.
Konkret würde eine Seniorin oder ein Senior mit einem Primarschulkind der 1. bis 6. Klasse ein sogenanntes Tandem bilden. Diese Gruppen könnten selber gebildet werden – je nach zeitlicher Verfügbarkeit und Interessen. Einmal pro Woche soll sich das Lese-Paar treffen und während etwa 45 Minuten gemeinsam lesen und über ihr ausgewähltes Buch sprechen.
Projektstart wurde verschoben
Die Kantonsbibliothek Baselland in Liestal als Ort, an dem das Projekt stattfindet, ist laut Uphoff passend. Bibliotheken würden gewissermassen einen Wandel durchlaufen. «Sie sind nicht mehr nur da, um Bücher auszuleihen, sondern entwickeln sich auch immer mehr zu einem Ort der Begegnungen», sagt sie. Ausserdem sei es toll, direkt an der Buchquelle zu sein: «Studien besagen, dass die Lesekompetenz am besten gefördert werden kann, wenn das Kind etwas liest, das es selbst interessiert.»
Die Kinder seien in der Kantonsbibliothek an einem öffentlichen Ort, aber gleichzeitig auch in einem geschützten Rahmen. Während der Zeiten, zu denen die Lesetandems stattfinden könnten – dienstags-, donnerstags- oder freitagnachmittags – seien stets Mitarbeitende der Bibliothek vor Ort, die bei Fragen Rede und Antwort stünden.
Zudem haben die teilnehmenden Seniorinnen und Senioren eine Schulung in Form eines Informationsanlasses besucht, sagt Uphoff: «Sie wurden informiert darüber, was ihre Rolle ist und wie sie gutes Lese-Feedback geben können.»
Ursprünglich hätte das Projekt nach den Sommerferien starten sollen. Während sich bereits rund 20 Seniorinnen und Senioren angemeldet haben, bleibt das Interesse aufseiten der Kinder bislang aus. Das wirft die Frage auf, ob der Aufwand, solche Ideen in die Realität umzusetzen, lohnenswert ist. Während der Bedarf klar vorhanden ist, scheint das mangelnde Leseinteresse der Kinder die erfolgreiche Umsetzung des Projekts aufzuhalten. «Dem neuen Plan nach soll ‹Gemeinsam lesen› nach den Herbstferien starten», sagt Uphoff. Sie möchte noch mehr Eltern und Kinder auf diese Möglichkeit aufmerksam machen. Denn das Projekt biete nicht nur Unterstützung beim Lesen, sondern auch die Chance, diese Tätigkeit ganz anders zu erleben.
Zur Anmeldung: https://www.kbl.ch/ aktuell/gemeinsam-lesen-generationen-dialog

