Leitung in Oberbaselbieter Hand
24.04.2026 BaselbietDie Grünen steigen mit einer breiten Parteispitze in den Wahlkampf
Nach personellen Turbulenzen präsentieren sich die Grünen Baselland neu organisiert. Mit einem erweiterten Führungsteam wollen sie wieder auf Erfolgskurs kommen.
Pascal ...
Die Grünen steigen mit einer breiten Parteispitze in den Wahlkampf
Nach personellen Turbulenzen präsentieren sich die Grünen Baselland neu organisiert. Mit einem erweiterten Führungsteam wollen sie wieder auf Erfolgskurs kommen.
Pascal Kamber
Nicht eines, nicht zwei, sondern gleich drei neue Mitglieder haben die Grünen Baselland an ihrer Mitgliederversammlung in Pratteln ins Vizepräsidium gewählt. Neben Tobias Fankhauser (Hölstein), der bereits seit einem Jahr Mitglied der Geschäftsleitung ist, sind dies Farah Dettwiler (Waldenburg) und Cathrin Schödler (Sissach). Zusammen mit Michael Durrer, der als Präsident wiedergewählt wurde, bildet das Trio die Spitze der Baselbieter Grünen. Das freut Durrer besonders: Seit die frühere Vizeparteipräsidentin Erika Eichenberger aus dem Vorstand zurückgetreten ist, agierte er ohne Vizepräsidium alleine an der Front. «Es war mein starker Wunsch, die nächsten Wahlen mit mehr Personen an meiner Seite zu bestreiten», sagt Durrer.
Hinzu kommt: Am 1. Juli tritt er sein Amt als Liestaler Stadtrat an.
Der 41-jährige diplomierte Sozialpädagoge schaffte den Sprung in die Exekutive mittels stiller Wahl, weil er als einziger für die Nachfolge der zurücktretenden Marie-Theres Beeler (Grüne) kandidierte. «Als Stadtrat bin ich zeitlich stark eingebunden, weshalb ich Leute an meiner Seite brauche», sagt Durrer, der mindestens bis zu den Regierungs- und Landratswahlen im nächsten Frühling als Präsident der Grünen weitermachen will.
Hilfreiche Dynamik
Laut Durrer bringt das junge Trio ein «breites Spektrum an Themen» mit. «Wir ergänzen uns super», sagt Durrer. Was mit Blick auf ihre Wohnorte auffällt: Die Parteileitung der Grünen scheint nun fest in Oberbaselbieter Hand. Das sei kein Zufall, sagt Durrer, sondern hänge damit zusammen, dass sich das Trio schon länger kenne. «Offene Posten können meist durch persönliche Beziehungen besetzt werden. Wenn eine aktive Sektion im Umfeld nachfragt, ist die Schwelle niedriger und die Menschen engagieren sich eher», erklärt Durrer. Eine solche Dynamik sei in der Sektion Waldenburg entstanden, die von Farah Dettwiler präsidiert wird.
Die personellen Neuigkeiten zeigen auch: Es scheint, als ob die Baselbieter Grünen aus ihren Fehlern in der jüngeren Vergangenheit gelernt haben. Ende November 2020, als Bálint Csontos als Parteipräsident und Klaus Kirchmayr als Fraktionschef ihre Rücktritte verkündeten, gestaltete sich die Suche nach Ersatz schwierig. Das Szenario wiederholte sich später, als Csontos auch aus dem Landrat zurückgetreten ist: Mit dem Bennwiler Gemeinderat Michael Bürgin rückte eine Person für Csontos nach, die zuvor gar nicht für den Landrat kandidiert hat. «Natürlich wollen wir verhindern, dass wir erneut in einer solchen Situation landen», sagt Michael Durrer. Er betont aber, dass auch andere Parteien Mühe bekunden, Personen für die verschiedenen Mandate zu finden. «Zudem waren Sissach und Gelterkinden jahrelang eine Hochburg der Grünen. Dass es nach einer starken Generation eine Lücke gibt, kann passieren.»
Inzwischen sei seine Partei aber gut aufgestellt, findet Durrer. Bereits seit einem halben Jahr führe man Workshops mit potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten für die Landratswahlen durch. «Das ist die Basis, um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen», blickt Durrer zuversichtlich in die Zukunft. Zur Erinnerung: Bei den letzten Gesamterneuerungswahlen 2023 kassierten die Baselbieter Grünen eine herbe Schlappe und verloren zwei Landratssitze.
Irritiert vom Entscheid
Auch für die anstehende Ersatzwahl in den Regierungsrat ist Durrer optimistisch, dass die Grünen nach Isaac Rebers Rücktritt mit Philipp Schoch ihren Platz in der Exekutive verteidigen können. Dass die «Mitte» am vergangenen Mittwochabend Matthias Liechti (SVP, Rümlingen) ihre Zustimmung zusicherte, trübt seine Zuversicht nicht: «Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter warnt vor den Auswirkungen der SVP-Initiative ‹Keine 10-Millionen-Schweiz›; gleichzeitig unterstützt die ‹Mitte› aber den SVP-Kandidaten. Es hat mich überrascht, dass dazu nicht mehr Leute Position bezogen haben», sagt Durrer, der dem «Mitte»-Parteitag selbst nicht beiwohnte. Er sei aber zuversichtlich, dass Philipp Schoch am 14. Juni trotz offizieller Parole auch aus der «Mitte» Stimmen erhalten wird.
