Lehrer entscheiden weiterhin mit
11.04.2025 BaselbietMehrheit der Parteien vertraut Pädagogen beim Sek-Übetrtritt
Eine für alle Schüler obligatorische Übertrittsprüfung für die Einteilung in die Leistunszüge der Sekundarschule wurde von fast allen Parteien abgelehnt. Die in ein Postulat umgewandelte ...
Mehrheit der Parteien vertraut Pädagogen beim Sek-Übetrtritt
Eine für alle Schüler obligatorische Übertrittsprüfung für die Einteilung in die Leistunszüge der Sekundarschule wurde von fast allen Parteien abgelehnt. Die in ein Postulat umgewandelte Motion Biedert forderte, dass zukünftig nur noch Noten beim Übertritt zählen sollen.
Nikolaos Schär
Die Muttenzer Landrätin Anita Biedert (SVP) wollte, dass zukünftig die Einteilung der Schülerinnen und Schüler beim Übertritt von der Primar in die Sekundarschule mit einer Prüfung zusätzlich zu den Zeugnisnoten vorgenommen wird. Bis anhin entscheiden die Primarlehrerinnen und -lehrer neben den Zeugnisnoten in einer Gesamtbeurteilung der Schülerinnen und Schüler, in welchen Leistungszug diese eingeteilt werden (die «Volksstimme» berichtete).
Die in ein Postulat umgewandelte Motion von SVP-Ländrätin Biedert sorgte gestern für eine volle Rednerliste in der Landratssitzung. Biedert wies daraufhin, dass immer mehr Schüler in einen höheren Leistungszug (Niveau E und P) eingeteilt werden, obwohl deren Leistungen laut Pisa-Studien abnehmen würden. Die Quote im Baselbiet liegt bei rund 80 Prozent. In Kantonen, die den Übertritt mit einer Prüfung regeln, würde die Quote rund 65 Prozent betragen.
SP-Landrat Ernst Schürch vertrat die Position seiner Fraktion und sagte, dass das aktuelle System sich seit Jahrzehnten bewährt habe. 93 Prozent der Erziehungsberechtigten seien mit dem Entscheid der Primarlehrer einverstanden. Nur gerade 6 Prozent der Eltern würden ihre Schüler für die Übertrittssprüfung anmelden, wenn sie mit dem Entscheid nicht einverstanden sind. Von diesen würden nur eine einstellige Zahl die Prüfung bestehen, was zeige, dass die Einschätzungen der Lehrer meistens richtig sei.
FDP: Druck würde zunehmen
«Mitte»-Landrat Marc Scherrer unterstütze das Anliegen von Biedert, äusserte jedoch Bedenken, dass eine Übertrittsprüfung für alle Schülerinnen und Schüler höhere Kosten verursache und das bekannte «teaching to the test» (Lernen nur für die Prüfung) wie im Kanton Zürich nicht erstrebenswert sei. Eine vertiefte Prüfung in der Kommission wäre jedoch gut, so Scherrer.
Die FDP-Fraktion stellte sich gegen das Anliegen von Biedert. Fraktionspräsident Alain Bai betonte den steigenden Leistungsdruck, der bereits heute hoch sei und durch die Übertrittsprüfung weiter zunehmen würde.
Die für Bildung zuständige Regierungsrätin Monica Gschwind pflichtete Schürch und Bai bei: Das aktuelle System sei pädagogisch sinnvoll, flexibel und mit der Einführung des Vier-Augen-Prinzips habe man erst kürzlich die Laufbahnverordnung angepasst. Dieses sieht vor, dass die Schulleitungen den Übertrittsentscheid beurteilen, wenn sich Lehrpersonen und Eltern nicht einigen können.
Gschwind wies darauf hin, dass der Kanton Aargau 2016 die Übertrittssprüfung aufgrund des hohen administrativen Aufwands abgeschafft habe. Ausserdem mahnte sie, dass mit der Prüfung der von den Eltern auf die Lehrer ausgeübte Druck auf die Schüler überwälzt würde. Gschwind hält es für ratsam, dass zuerst die getroffenen Massnahmen bewertet werden, bevor weitere Änderungen folgen.
Diese Argumentation überzeugte offenbar eine Mehrheit der Landratsmitglieder, die das Postulat mit 52 Nein- zu 21 Ja-Stimmen abschrieben.
